Durch Klimawandel

Studie: Immer mehr fatale Wetterphänomene drohen - und Deutschland ist nicht vorbereitet

2018 wurde die deutsche Stadt Fischbach nach einem Unwetter geflutet.
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Solche Bilder werden uns künftig öfter begegnen: Forscher warnen vor weiteren Flutkatastrophen wie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen (Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Der Klimawandel wird in Deutschland zunehmend spürbar, zuletzt durch die Flutkatastrophen. Solche Wetterereignisse werden künftig wohl öfter vorkommen.

Stuttgart/Offenbach - Saharahitze, Kälte, Regenmassen und Sturzfluten - dieses Jahr war beim Wetter in Deutschland von allem etwas dabei. Vor allem aber werden vielen die Flutkatastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli in Erinnerung bleiben. Extreme Unwetter und Starkregen in Deutschland richteten immense Schäden an: Ganze Dörfer wurden verwüstet, Autos von den Wassermassen mitgerissen sowie Straßen und Zufahrtswege zerstört. Doch weitaus schlimmer als die sachlichen Schäden: 180 Menschen verloren in den Fluten ihr Leben.

Schnell wurde Kritik laut, dass die Behörden bei der Prävention der Flutkatastrophe versagt hätten. Dabei werden Hochwasser und Überflutungen künftig noch häufiger vorkommen, warnen Experten.

Das bestätigt nun auch eine aktuelle Analyse. Mit steigenden Temperaturen werden solche Extremwetterereignisse wie im Juli häufiger auftreten. Daher fordern die Forscher umgehend Konsequenzen, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Wetter in Deutschland: Starkregen und Hochwasser künftig keine Seltenheit mehr

Ein internationales Team von Wissenschaftlern, unter anderem des Deutschen Wetterdiensts (DWD), veröffentlichten nun die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Der Klimawandel erhöht laut der Studie die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle in Deutschland und damit auch von Hochwasserkatastrophen.

Die Wissenschaftler betrachteten für ihre Analyse Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz als Region. Sie untersuchten, wie wahrscheinlich ähnlich extremer Starkregen dort ist und inwiefern dies durch weltweit steigende Temperaturen beeinflusst wird.

Das Ergebnis: Unter den derzeitigen Klimabedingungen sei laut den Forschern zu erwarten, dass eine bestimmte Region in Westeuropa etwa einmal in 400 Jahren von einem solch verheerenden Ereignis heimgesucht werde. Doch durch die steigenden Temperaturen tritt auch bei uns in Deutschland extremer Starkregen häufiger auf, denn eine wärmere Atmosphäre könne auch mehr Wasser speichern, so die Forscher. Das Debakel an der Sache: Wird es nochmals nur 0,8 Grad wärmer, erhöhe sich die Häufigkeit für Starkregen und folglich Hochwasserkatastrophen auf alle 300 Jahre. Auch die Intensität des Starkregens steige dann weiter.

Extrem-Wetter in Deutschland: Behörden müssen „besser vorbereitet sein“

Die Auswirkungen der Erderwärmung sind schon jetzt zu spüren: Die Wahrscheinlichkeit, dass Starkregen und Flutkatastrophen in der untersuchten Region auftreten, hat sich bereits um einen Faktor zwischen 1,2 und 9 erhöht. Die maximale Regenmenge ist zudem zwischen 3 und 19 Prozent größer als früher. Wenn die Wahrscheinlichkeit demnach um den Faktor 5 erhöht sei, bedeute dies, dass ein Ereignis im Mittel anstelle alle 2000 alle 400 Jahre auftrete, so die Forscher.

Der Faktor könne nicht genauer angegeben werden, da verschiedene Klimamodelle zugrunde gelegt worden seien, deren Vorhersagen sich unterschieden, erklärte Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst.

Die Zahlen zeigten eine sehr klare Tendenz in Richtung häufigeren Extremwetters durch den Klimawandel, so der Wetterexperte weiter. Die Auswirkungen sind verheerend und könnten die Schäden der früheren Unwetter bei Weitem übersteigen. Zahlen belegen zudem, dass auch Baden-Württemberg schlecht auf Flutkatastrophen vorbereitet ist.

Umso größer ist ein rascher Handlungsbedarf. Die Wissenschaftler fordern Konsequenzen seitens der Regierungen. „Die lokalen und nationalen westeuropäischen Behörden müssen sich dieser wachsenden Risiken durch Starkregen bewusst sein, um besser auf mögliche künftige Extremwetterereignisse vorbereitet zu sein“, erklärte Frank Kreienkamp.

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