Tornado-Gefahr wächst

Wetter: „Katastrophaler Tornado überfällig“ - Meteorologen sehen Horror-Szenarien für Deutschland

 Ein schweres Gewitter entlädt sich über Wichita in den USA.
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Sind Tornados, wie hier in den USA, bald auch in Deutschland normal?
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Das Wetter in Deutschland wird immer extremer. Meteorologen erwarten auch hierzulande zerstörerische Tornados. Zumindest die Statistik spricht dafür.

Stuttgart - Heftige Unwetter suchten in den vergangenen Tagen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen heim. Die Zerstörung der Gemeinden wie Ahrweiler durch die Wassermassen nahm Ausmaße an, wie sie in Deutschland noch kaum einer kannte.

Wie extrem das Wetter in Deutschland geworden ist - das verdeutlichte auch noch einmal das Fernsehinterview mit Medard Roth, kurz nachdem die Unwetter vorbei waren. Roth ist Bürgermeister der Gemeinde Kordel, die mit am stärksten von dem Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Wetter in Deutschland: Die Gefahr von Fluten ist noch nicht vorbei

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sei er im Amt, sagte Medard Roth. In den Jahren hätte er viele Hochwasser erlebt. Nie hätten die Wassermassen aber die Grenze von fünf Metern Höhe überschritten. Die Flut-Katastrophe zuletzt allerdings hätte die Marke weit überschritten. Zwischenzeitlich reichten die Wassermassen in Kordel bis auf einen Höchststand von acht Metern - so hoch sind Einfamilienhäuser.

Während die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten laufen, ist die Gefahr noch lange nicht vorbei. Laut einer Wetter-Prognose drohen wegen eines Gewittertiefs erneut Fluten in Deutschland. Noch sind immer wieder nur Teile des Landes betroffen. Unwetter sorgten zuletzt auch in Baden-Württemberg für Gefahr.

Wetter in Deutschland: Die Folgen des Klimawandels werden deutlicher zu spüren sein, warnen Meteorologen

Geht es nach Meteorologen, werden sich die Folgen des Klimawandels aber spätestens Ende des Jahrhunderts flächendeckend deutlich machen. Ganz Deutschland, so Achim Daschkeit vom Umweltbundesamt gegenüber ntv, werde dann zum Risikogebiet.

Dabei werde es zu regionalen Unterschieden bei den extremen Wetter-Phänomenen kommen. Mit Hitzeperioden rechnet der Experte im Rhein-Main-Gebiet und entlang der Spree. Trockenheit und Niedrigwasser würden im Osten auftreten. Die Wahrscheinlich für Starkregen und Sturzfluten sei dagegen in den Mittelgebirgen am höchsten, so Achim Daschkeit.

Auch anderen Wetter-Extreme wie Tornados könnten in Deutschland dann häufiger auftreten. Bereits heute werden sie hin und wieder beobachtet. Jährlich kommt es zu 30 bis 60 Tornados in der Bundesrepublik. Zum Vergleich: In den USA sind es 1.000. Wie zerstörerisch sie in den Vereinigten Staaten sind, dokumentierte zuletzt ein Video von einem Tornado, das Häuser in Schutt und Asche legte.

Wetter in Deutschland: Statistisch gesehen dürfte der nächste große Tornado bald kommen

Wetter-Experten halten es für sehr wahrscheinlich, dass es auch in Deutschland künftig öfter zu solchen verheerenden Tornados kommen wird. Johannes Quaas, Professor für theoretische Meteorologie an der Universität Leipzig, sagt gegenüber ntv: „Tornados hängen zusammen mit starken Gewittern. Und starke Gewitter nehmen im Klimawandel überproportional zu. Generell erwarten wir, dass bei uns die Regenwahrscheinlichkeit insgesamt ungefähr gleich bleibt. Aber die Verteilung ändert sich, weil mit einem wärmeren Klima der Wasserdampf in der Atmosphäre zunimmt.“ Das mache sich durch stärkere Gewitter bemerkbar, womit auch mehr Tornados zu erwarten wären.

Erst zuletzt wütete ein Tornado der Klasse F4, der zweitstärksten Kategorie, in Tschechien. Statistisch gesehen dürfte es auch in Deutschland bald wieder dazu kommen. Der letzte, 300 Kilometer pro Stunde schnelle Tornado fegte 1968 durch Pforzheim und ließ die Stadt in Schutt und Asche zurück. Laut RTL-Meteorologe Christian Häckl kommt ein solch katastrophaler Sturm zwei- bis dreimal im Jahrhundert vor. Der Meteorologe warnt daher: „Wir sind längst überfällig.“

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