Zwischen maritim und kontinental

Wetter: Temperaturen, Niederschlag und mehr – der deutsche Durchschnitt

Sonnenaufgang in Berlin.
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Ein Sonnenaufgang in Berlin.

Das Wetter in Deutschland ist maßgeblich durch den Golfstrom beeinflusst. Er bringt feuchte und milde Luft vom Atlantik in unseren Breitengeraden. Doch wie warm ist es im Durchschnitt in Deutschland und mit wie vielen Sonnentagen ist zu rechnen?

Offenbach am Main – Deutschland liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Diese zeichnet sich durch zum Teil eklatante Unterschiede von Ost nach West aus. In der Folge ergeben sich zahlreiche Unterschiede hinsichtlich der Wetterzonen: Niederschläge, Sonnenstunden und Durchschnittstemperaturen variieren zum Teil deutlich.

Wetter in Deutschland: Referenz- und Messwerte

Die Daten für die Berechnung der Durchschnittstemperaturen, Sonnentage und Mengen an Niederschlag werden aus den Messwerten einer 30-jährigen sogenannten Referenzperiode erhoben. Dafür wird idealerweise am selben Standort eine Beobachtungsreihe gestartet.

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach zieht dafür Daten aus den Jahren 1961 bis 1990 heran sowie als weitere Referenzperiode die der Jahre 1981 bis 2010. Der Grund für die zweite Messzeitspanne liegt im Klimawandel: Die vergangenen Jahrzehnte brachten einschneidende Veränderungen des Wetters in Deutschland mit sich. Für die Bewertung von Abweichungen zieht die Bundesoberbehörde daher stets beide Datenpools heran.

Wetter in Deutschland: Die Regionen im Überblick

Das Wetter in Deutschland ist zweigeteilt: Grundsätzlich herrscht ein gemäßigtes Klima, die verschiedenen Regionen weisen allerdings zum Teil deutliche Unterschiede auf. So nimmt der Einfluss atlantischer Winde von West nach Ost kontinuierlich ab. Von den Küstenregionen im Nordwesten und Nordosten bis in die Niederterrassen-Ebene des Rheins, die sogenannte Kölner Bucht, herrscht ein maritimes Klima mit geringen Temperaturschwankungen im Sommer und Winter. Richtung Südosten ist ein kontinentaler Einfluss zu spüren: Kalte Winter wechseln sich mit warmen Sommern ab. Insbesondere in den östlichen Bundesländern sowie im östlichen Bayern ist dies spürbar.

Trotz der vergleichsweise nördlichen Lage des Landes wird das Klima in Deutschland von relativ hohen Temperaturen bestimmt. Maßgeblich dafür verantwortlich ist der Golfstrom. Er bringt milde Meeresluft vom Atlantik mit sich.

Wetter in Deutschland: Durchschnittstemperaturen im Jahresverlauf

Der Klimawandel beeinflusst auch das Wetter in Deutschland deutlich. Bis auf zwei Ausnahmen in den Jahren 1996 und 2010 lagen die Temperaturen seit 1988 im Durchschnitt über dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 (Stand der Auswertung des Deutschen Wetterdiensts: 2019).

Daraus ergeben sich im Jahresverlauf folgende Durchschnittswerte:

  • Januar: 2,1 Grad
  • Februar: 3,5 Grad
  • März: 7,4 Grad
  • April: 11,7 Grad
  • Mai: 16,8 Grad
  • Juni: 20 Grad
  • Juli: 21,8 Grad
  • August: 21,7 Grad
  • September: 18,3 Grad
  • Oktober: 13,2 Grad
  • November: 7 Grad
  • Dezember: 3,4 Grad

Insgesamt ergibt sich daraus eine deutsche Durchschnittstemperatur von 12,2 Grad im Jahresmittel.

Die Steigerung der Temperatur aufgrund des Klimawandels ist bei einer Betrachtung von langfristig erhobenen Daten deutlich zu bemerken. Zieht man den Zeitraum von 1881 bis 2019 heran, lassen sich für den Sommer, Herbst und Winter Temperaturen von plus 1,5 Grad, für den Frühling von plus 1,6 Grad beobachten. Die Folgen sind unter anderem ein früherer Beginn des Vorfrühlings, im Allgemeinen die Zeitspanne zwischen Mitte Februar und Ende März. Dieser wird durch die Schneeglöckchenblüte definiert, die heute rund zehn Tage früher eintritt als noch vor 40 Jahren.

Auch die sogenannten phänologischen Stichtage, wiederkehrende Wetter-Erscheinungen, verschieben sich aufgrund des Klimawandels um etwa 2,5 Tage nach vorne. Das betrifft etwa den phänologischen Herbst- und Winteranfang. Er richtet sich nach natürlichen Gegebenheiten wie unter anderem dem Wachstum von Pflanzen.

Wetter in Deutschland: Temperaturrekorde

Der Deutsche Wetterdienst erfasst kontinuierlich sämtliche Temperaturen im ganzen Land. Nur diese Daten werden für die Dokumentation von Rekordtemperaturen herangezogen. Die bis dato höchsten Werte erreichten die Orte Duisburg-Baerl und Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad. Es folgt Geilenkirchen, ebenfalls in NRW, mit 40,5 Grad am 24. Juli 2019.

Der bisherige Kälterekord wurde am 12. Februar 1929 in Wolnzach in Bayern ermittelt. Die Temperatur sank auf minus 37,8 Grad. Mit minus 45,9 Grad brach die Region rund um den Funtensee in den Berchtesgadener Alpen am 24. Dezember 2001 den Temperaturrekord. Der Wert ist jedoch nicht offiziell anerkannt.

Wetter in Deutschland: Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen

Auch hinsichtlich der Mengen an Niederschlag zeigen sich regionale Unterschiede im deutschen Wetter. Im Süden regnet es vor allem während des Sommers. Der Westen verzeichnet die meisten Regentage im Winter, während im Norden Deutschlands das ganze Jahr über mit Niederschlägen zu rechnen ist. Im Osten werden vor allem im Übergang vom Frühling zum Sommer sowie vom Herbst zum Winter hohe Regenmengen verzeichnet. Im Mittel fallen in Deutschland 789 Millimeter Niederschlag. Zieht man die Referenzperiode von 1981 bis 2010 heran, sind es 819 Millimeter.

Die durchschnittlichen Niederschläge für das ganze Land sind im Monatsdurchschnitt wie folgt verteilt:

  • Januar: 54,1 Millimeter
  • Februar: 44,6 Millimeter
  • März: 52,1 Millimeter
  • April: 57,4 Millimeter
  • Mai: 69,2 Millimeter
  • Juni: 81,3 Millimeter
  • Juli: 75,2 Millimeter
  • August: 74,3 Millimeter
  • September: 59,8 Millimeter
  • Oktober: 53 Millimeter
  • November: 63,2 Millimeter
  • Dezember: 61,4 Millimeter

Niederschläge in Form von Schnee

Das Wetter in Deutschland ist auch hinsichtlich des Schneefalls geteilt. Von Oktober bis April können zwar im ganzen Land Niederschläge in Form von Schnee fallen. Die Wahrscheinlichkeit nimmt allerdings von Ost nach West ab. Neben der Ost-West-Ausdehnung entscheiden die Höhenlagen über die Schneehäufigkeit und -menge. In den Tieflagen des Niederrheins und der Kölner Bucht werden zum Teil über mehrere Winter keine Schneefälle verzeichnet. Im Osten und Süden sind lang anhaltende gefrorene Niederschläge keine Seltenheit. Im Norden schwanken die Werte stark: Während in manchen Wintern keinerlei Schnee fällt, bringen es andere auf viele kalte und schneereiche Tage.

Wetter in Deutschland: Sonnentage nach Regionen

Der Einfluss des Klimawandels auf das Wetter in Deutschland betrifft auch die Sonnentage. Bereits seit Ende der 1980er-Jahre beobachtet der Deutsche Wetterdienst eine Zunahme der Sonnenstunden in Deutschland. Von den Referenzperioden 1961 bis 1990 sowie 1981 bis 2010 stieg die Anzahl von 1.544 auf 1.601. Dabei weisen die verschiedenen deutschen Regionen teilweise sehr unterschiedliche Werte auf.

Die sonnigsten Regionen befinden sich im äußersten Süden und Norden. Kap Arkona auf der Ostseeinsel Rügen ist mit 1.869 Sonnenstunden im Durchschnitt pro Jahr die sonnigste Region des Landes. Der Ort Zinnowitz auf Usedom brachte es bis zur Aufgabe der dortigen Wetterstation im Mittel des Referenzzeitraums zwischen 1961 und 1990 sogar auf 1.917 Sonnenstunden pro Jahr.

Im Süden teilen sich mehrere Regionen den Sonnenrekord mit durchschnittlich jeweils 1.800 Stunden:

  • der südliche Oberrhein zwischen Karlsruhe und Lörrach
  • der Großraum Stuttgart
  • München inklusive des bayerischen Alpenvorlands

Die wenigsten Sonnentage in Deutschland und Europa teilen sich einige Regionen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie verzeichnen weniger als 1.400 Sonnenstunden im Jahr.

Wetter in Deutschland: Sonnentage im Landesmittel

Betrachtet man das Wetter gesamtdeutsch, scheint die Sonne im Durchschnitt 4,5 Stunden am Tag. Die Sonnenstunden im Monatsüberblick:

  • Januar: 1,6 Stunden
  • Februar 2,7 Stunden
  • März: 3,8 Stunden
  • April: 5,3 Stunden
  • Mai: 6,8 Stunden
  • Juni: 7,1 Stunden
  • Juli: 7,1 Stunden
  • August: 6,7 Stunden
  • September: 5,2 Stunden
  • Oktober: 3,7 Stunden
  • November: 2 Stunden
  • Dezember: 1,4 Stunden

Grundsätzlich können die Sommermonate in Deutschland zwar durch warmes Wetter geprägt sein, dauerhafte Hitzeperioden sind jedoch selten. Insbesondere im Juli und August steigen die Werte mitunter auf über 30 Grad. In den Wintermonaten herrschen dagegen in weiten Teilen des Landes Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Ausnahmen sind der Nordwesten des Landes sowie die Region entlang des Rheins. Dort sind die Temperaturen auch im Winter in der Regel milder.

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