Felsstürze und Gletscherschmelze

Wetter: Überwachungsbilder aus den Alpen zeigen Bedrohung für ganz Europa

Gletscher in den Alpen gehen dramatisch zurück - mit Folgen für ganz Europa.
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Gletscher in den Alpen gehen dramatisch zurück - mit Folgen für ganz Europa.
  • Julian Baumann
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Das Verschwinden der Gletscher in den Alpen kann extreme Folgen für ganz Europa haben. In den vergangenen 100 Jahren zeichnet sich eine dramatische Entwicklung ab.

Graubünden - Der Klimawandel bescherte dem Wetter in Deutschland in diesem Jahr bereits einige ungewöhnliche Phänomene. Im Februar wurde beispielsweise an einem See in Bayern ein Kälterekord von -43 Grad gemessen und nur wenige Tage später stiegen die Temperaturen deutschlandweit um 41 Grad an. Ein solcher Anstieg war seit über 140 Jahren nicht gemessen worden. Doch auch in anderen Teilen der Welt spielte das Wetter verrückt. Ein „Kältehammer“ mit -35 Grad traf Europa und bescherte der Iberischen Halbinsel einen Minusrekord und temporär lag in diesem Jahr sogar Schnee in der Sahara.

Das extreme Wetter zeigt sich jedoch nicht erst seit Beginn dieses Jahres deutlich. Im Sommer 2020 war es in Stuttgart stellenweise sogar heißer als in der Sahara. Auch die Alpenregion verzeichnete einen drastischen Temperaturanstieg im vergangenen Jahr. Laut kürzlich veröffentlichten Daten des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie war es 2020 in dem Hochgebirge so warm wie noch nie zuvor. Die schmelzenden Gletscher können langfristig zu drastischer Trockenheit führen und hätten damit fatale Folgen für das Klima in Europa. In dem Hochtal „Engadin“ in der Schweiz wird nun versucht, mit künstlicher Beschneiung dem Gletscherschwund entgegenzuwirken, wie die Badische Zeitung berichtet.

Klimawandel in den Alpen: Zu hohe Temperaturen im Hochgebirge können fatale Folgen haben

Die Alpen sind das höchste Hochgebirge im inneren Europas und liegen auf Teilen der Länder Deutschland, Italien, Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowenien, Monaco und Liechtenstein. Normalerweise sind die Temperaturen im deutschen Teil der Alpen deutlich niedriger als im Rest des Landes und auch der Schnee fällt dort länger und deutlich häufiger. In den Berggebieten sind klassische, knackig kalte Winter auch sehr wichtig. In den vergangenen 30 Jahren war es in den Alpen jedoch durchgehend deutlich zu warm, berichtet die Badische Zeitung.

Der Klimawandel in den Alpen kann fatale Folgen haben - wie die verheerenden Felsstürze in Bondo.

Das führte im Jahr 2017 beispielsweise zu massiven Felsstürzen an der Nordflanke des Piz Cengalo in Bondo (Schweiz). Beim größten und schlimmsten Felssturz brachen drei Millionen Kubikmeter Gestein ab und rasten unaufhaltsam in das Tal im Kanton Graubünden. Es handelte sich um den größten Bergsturz in dem Schweizer Kanton seit Jahrzehnten. Acht Menschen wurden von den massiven Gesteinslawinen getötet und im rund vier Kilometer entfernten Ort Bondo wurden viele Häuser komplett zerstört. Grund für ein solches Horrorszenario sind die auftauenden Böden. Permafrostböden werden vom ewigen Eis zusammengehalten, der wie eine Art Klebstoff wirkt, berichtet die Badische Zeitung. Wenn das Eis schmilzt, lösen sich die Felsbrocken.

Gletscherschwund in den Alpen: Schweiz will mit künstlicher Beschneiung dagegenhalten

Durch die bereits seit Jahren immer weiter steigenden Temperaturen schmelzen die Gletscher auf der ganzen Welt immer weiter oder verschwinden sogar vollständig. Das Verschwinden der Gletscher in den Alpen kann extreme Folgen für ganz Europa haben. In den vergangenen 100 Jahren ist der größte Gletscher der Alpen, der Aletsch im Kanton Wallis, um 2,8 Kilometer geschrumpft. Das geht aus Daten des Überwachungsprogramms Glamos hervor. Demnach hat der Gletscher in dieser Zeit rund 30 Prozent seiner Gesamtmasse verloren. Forscher arbeiten derzeit verzweifelt an einem System, um den Eispanzer mit Hilfe einer künstlichen Beschneiungsanlage zu retten und den Gletscherschwund in den Alpen aufzuhalten.

In Deutschland gibt es inzwischen nur noch fünf Gletscher rund um die Zugspitze und in Berchtesgaden. Doch auch die Gletscher am höchsten Berg der Bundesrepublik schmelzen immer weiter. Dadurch löst sich auch in diesem Fall das Gestein immer mehr, der Berg wird instabil und es könnte zu einem verheerenden Bergsturz kommen. Mehrere Tausend Menschen im Tal wären davon betroffen, sagte die Moderatorin der ZDF-Dokureihe „Terra X“. Demnach könnte es neue Felsstürze und Steinschläge an der Zugspitze geben, wie merkur.de* berichtet. *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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