Unwetter in Rheinland-Pfalz

Flut-Katastrophe: Darum wurden Helfer aus der Region Stuttgart einfach wieder heimgeschickt

Überflutete B 265 nach Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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Die Schäden des Unwetters in Rheinland-Pfalz sind verheerend (Symbolbild).
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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27 Feuerwehrleute aus dem Kreis Ludwigsburg wurden bei der Flutkatastrophe einfach heim geschickt - zunächst ohne Erklärung. Nun begründet eine Zuständige vor Ort die Entscheidung.

Update vom 20. Juli, 11.48 Uhr: Eigentlich wollten die Hilfskräfte aus dem Kreis Ludwigsburg in Kordel und Ahrweiler mit anpacken. In den beiden Orten in Rheinland-Pfalz war es in den Tagen zuvor zu einer Hochwasser-Katastrophe gekommen. Allerdings wurden die 27 Helfer wieder frühzeitig nach Hause geschickt - zunächst ohne Erklärung und zu Verwunderung der Helfer.

Tags darauf erklärt Miriam Lange von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) den Grund für die Entscheidung gegenüber der Stuttgarter Zeitung: Derzeit würden zu viele Hilfstruppen angefordert, die koordiniert werden müssten. Die Helfer sollten sich gegenseitig abwechseln, „sodass der Einsatz lückenlos fortgesetzt werden kann“. Da die Kräfte aus Ludwigsburg bereits in Kordel eingesetzt worden waren, seien sie zur Erholung wieder heim geschickt worden. Kräfte aus anderen Kreisen aus der Region um Stuttgart sind allerdings vor Ort noch im Einsatz, so etwa Helfer des DRK aus Böblingen und des technischen Hilfswerks aus Leonberg.

Erstmeldung vom 19. Juli: Am vergangenen Donnerstagabend erreichen die 27 Feuerwehrleute aus Bietigheim-Bissingen, Marbach und Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) die kleine Gemeinde Kordel in Rheinland-Pfalz. Dort, wo das Wasser bei der Flutkatastrophe einen Höchststand von acht Metern erreichte, sehen die Helfer mit eigenen Augen das Chaos, das viele Millionen Menschen in Deutschland nur von den entsetzlichen Fernsehbildern kennen: die zerstörten Gebäude, die Trümmer, den aus den Wohnungen herausgeschwemmten Hausrat auf den Straßen und die verzweifelten Menschen.

Einen halben Meter hoch ist das Wasser noch als die insgesamt 300 Helfer aus Baden-Württemberg, unter denen auch die Floriansjünger aus dem Kreis Ludwigsburg sind, in Kordel ankommen. Die Kräfte aus dem Ludwigsburger Raum haben die Aufgabe, die überfluteten Häuser leer zu pumpen und die Keller zu räumen. Zuvor überprüfen sie die von den Wassermassen schwer beschädigten Gebäude auf ihre Standfestigkeit. Ganze zwei Tage dauern die Aufräumarbeiten der Hochwasserzüge.

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Feuerwehrleute müssen wieder abziehen

Dann soll es am Sonntag nach Ahrweiler gehen, 90 Kilometer von Kordel entfernt. Auch dort hat die Flut ein Chaos verursacht, das verheerende Unwetter forderte in der Gemeinde zahlreiche Opfer. „Wir hatten alles schon dafür gepackt und auch die Kollegen, die uns ablösen sollten, hatten sich vorbereitet“, erzählt Mario Pflanz, der Einsatzleiter der Marbacher Mannschaft, der Stuttgarter Zeitung.

Zu dem Einsatz kommt es jedoch überraschenderweise nicht. Am Samstagabend erhalten die Einsatzkräfte die Nachricht, dass ihre Hilfe nicht mehr nötig ist. Eine Erklärung erhalten die Feuerwehrleute laut Mario Pflanz nicht.  „Wir waren alle verwundert, denn nach den Bildern und den Videos, die man von dort sieht, wird Hilfe gebraucht“, sagt er.

Für Opfer der Flutkatastrophe gibt es Spendenprogramme

Auch Manfred Daub, Einsatzleiter der Gruppe aus Bietigheim-Bissingen, bestätigt gegenüber der Ludwigsburger Kreiszeitung, dass die Helfer den Einsatzort wieder frühzeitig verließen. Daub betont allerdings, dass es in den betroffenen Gebieten noch Wochen an Arbeit gebe. Dennoch sind alle Helfer aus dem Kreis Ludwigsburg seit Sonntagabend wieder zurück in Baden-Württemberg. Die Bundeswehr und Firmen hätten mittlerweile die Arbeit vor Ort übernommen, heißt es.

Wer helfen will, muss nicht unbedingt vor Ort anpacken, sondern kann auch Geld spenden. Unterdessen wurden mehrere Spendenprogramme ins Leben gerufen, um den Betroffenen der Flutkatastrophe zu helfen. Auch Unternehmen beteiligen sich: Lidl etwa spendet 10 Millionen an die Hochwasser-Opfer.

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