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Wetter-Experte warnt: Zustände wie in Südwesteuropa - „Die Flüsse laufen langsam leer“

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Von: Franziska Schuster

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Deutschland kämpft diesen Sommer mit Hitzewellen und anhaltender Dürre. Die ersten Seen sind ausgetrocknet, die Flusspegel sinken bedrohlich.

Stuttgart - Die Hitze und Trockenheit halten das Wetter in Deutschland weiter im Griff. Hinzu kommt in den kommenden Tagen die nächste Hitzewelle - die längste des gesamten Sommers. Zehn Tage lang soll in Deutschland fast kein Tropfen Regen fallen. Bis zum 15. August sagen die Regenkarten lediglich für den äußersten Norden Deutschlands sowie für den Osten Bayerns Niederschläge voraus. Doch auch die fallen erneut viel zu gering aus und sind nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, wie auch wetter.com-Meteorologe Dominik Jung sagt.

„Die Dürre ist in diesem Jahr schon schlimmer als 2018“, sagt der Wetterexperte in seinem neuesten Video. „Die Flüsse laufen langsam trocken.“ Vor allem der Rhein ist gefährdet. Bei Worms liegt der Pegelstand nur noch bei 40 Zentimetern, bei Bingen (Rheinland-Pfalz) bei 71 Zentimetern - normalerweise beträgt er in Bingen 2,11 Meter. „Und die Prognose verheißt nichts Gutes“, warnt Dominik Jung. Wir sind nicht mehr weit von den Zuständen in Südwesteuropa entfernt. Dort liegt der Fluss Po in Norditalien bereits blank, Waldbrände wüten seit Wochen. Düstere Aussichten.

Die Hitze nimmt kein Ende - Pegelstand des Rheins unter 40 Zentimetern

Bis zum 17. und 18. August soll der Pegelstand des Rheins bei Worms immer weiter zurückgehen. Gerade einmal 10 bis 15 Zentimeter Wasser soll der Fluss dann noch führen. „Ich gehe davon aus, die Rhein-Schifffahrt wird bald komplett eingestellt werden“, sagt Dominik Jung. Auch Bild.de berichtet, dass die Pegel-Tabellen des Landes Rheinland-Pfalz einen traurigen Trend zeigen: Der Rhein verliert im Schnitt alle zwei Tage bis zu einen Zentimeter Wasserhöhe. Auch die Pegel von Main und Neckar sinken bedrohlich weiter. Im Osten Deutschlands zeigen sich die Auswirkungen der Trockenheit in einer anderen Form: Die Spree führt so wenig Wasser, dass sie zum Zufluss in den Berliner Müggelsee rückwärts fließt.

Nicht nur Flüsse trocknen nach und nach aus, auch Seen sind betroffen. Der Edersee in Hessen ist nur noch zu rund 21,5 Prozent gefüllt. Aus dem zweitgrößten Stausee Deutschlands fließt kaum noch Wasser in die angrenzenden Flüsse. Im

Rhein bei Düsseldorf
Bei Düsseldorf führt der Rhein seit Monaten Niedrigwasser - und der Pegel sinkt mit jedem Tag weiter. © IMAGO/Jochen Tack

Die Großwetterlagenkarte macht wenig Hoffnung darauf, dass die Trockenheit in Deutschland bald ein Ende nehmen könnte. Das nächste Hochdruckgebiet erreicht uns in der zweiten Augustwoche. „Das Hoch Oscar ist sehr mächtig und breit aufgestellt“, erklärt der Wetterexperte. Das Hoch reicht von West- bis nach Osteuropa. Zur gleichen Zeit wie „Oscar“ erreichen auch extrem warme Luftmassen aus Südwesteuropa Deutschland. Vor allem ab Mittwoch (10. August) und Donnerstag (11. August) klettert das Thermometer dann wieder regional auf Hitzewerte von 35 Grad und mehr.

Meteorologe beunruhigt: „Ich fürchte, da kommt nochmal das dicke Ende“

Bereits am Dienstag (9. August) wird es verbreitet sommerlich warm. Im Norden werden Höchstwerte von 26 bis 28 Grad erreicht, ansonsten 29 bis 33 Grad. „Genauso warm und sonnig geht es auch am Mittwoch weiter“, lautet Dominik Jungs Prognose. Berlin, Hamburg und Bremen erwartet Temperaturen von 29 bis 30 Grad, in der Landesmitte herrschen 29 bis 32 Grad. Im Südwesten am Oberrhein gibt es heiße 33 Grad.

Auch in den darauffolgenden Tagen können sich die Pegelstände und die Natur in Deutschland nicht erholen. Donnerstag, Freitag und Samstag zeigen sich zudem kaum Wolken am Himmel, die Sonne kann ihre ganze Kraft entfalten. Die Nächte bleiben durch den Hochdruckeinfluss sternenklar. Ideal für alle, die am Freitag (12. August) einen Blick auf die Perseiden werfen möchten. Am Samstag (13. August) kann es in Bayern einzelne Schauer geben.

WochentagTemperaturen in Grad Celsius
Donnerstag (11. August)24 bis 34 Grad
Freitag (12. August)23 bis 32 Grad
Samstag (13. August)25 bis 34 Grad
Sonntag (14. August)26 bis 34 Grad
Montag (15. August)25 bis 33 Grad
Dienstag (16. August)23 bis 31 Grad

(Quelle: wetter.net)

Und es geht heiß weiter: „Von Sonntag bis Dienstag viel Trockenheit. Temperaturen im sommerlichen bis teilweise hochsommerlichen Bereich“, sagt Dominik Jung. Die höheren Werte werden meist im Westen und Süden Deutschlands erreicht.

Niedrigwasser auf dem Rhein 07.08.2022 Bingen
Bei Bingen (Rheinland-Pfalz) liegt der Rhein-Pegel bei 71 Zentimetern - normalerweise beträgt er 2,11 Meter. © IMAGO

„Das hochsommerliche Wetter fordert seinen Tribut“, warnt der Diplom-Meteorologe. Im Osten des Landes herrschen erneut die Waldbrandgefahrenstufen 4 und 5, wobei 5 die höchste Stufe ist. Auch im Südwesten und regional im Westen ist die Gefahr extrem hoch. „Es hört einfach nicht auf.“ Laut der Ensemble-Vorhersage soll die Trockenheit mindestens bis zum 24. August weitergehen. „Das Hoch ist stabil und das Hoch blockiert“, führt Dominik Jung weiter aus. Laut der unterschiedlichen Wettermodelle nimmt der Hitzesommer noch lange kein Ende. „Ich fürchte, da kommt nochmal das dicke Ende irgendwann in der zweiten Augusthälfte.“ Auch für den Herbst 2022 sind die Aussichten zu trocken und zu warm. Deutschland soll ein ungewöhnlicher Start in den Herbst bevorstehen.

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