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Tropenvirus breitet sich in Deutschland aus – Forscher rätseln über neue Hotspots

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Von: Martina Lippl

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West-Nil-Virus zirkuliert in Deutschland. Einige Regionen sind besonders betroffen.
West-Nil-Virus zirkuliert in Deutschland. Einige Regionen sind besonders betroffen. © CSP_Decade3D/imago

Das West-Nil-Virus ist in Deutschland angekommen. Menschen haben sich mit der Tropenkrankheit infiziert. Dabei scheinen einige Regionen besonders betroffen zu sein.

Berlin – Gegen das West-Nil-Virus (kurz WNV) gibt es weder einen Impfstoff noch Medikamente zur Behandlung für den Menschen. Der Erreger stammt ursprünglich aus Afrika. Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus kann für Menschen sehr gefährlich sein. Blutsaugende Steckmücken übertragen die Tropenkrankheit.

Obwohl das Virus aus eher wärmeren Gebieten stammt, ist es inzwischen auch in Deutschland aufgetreten. Erstmalig wurde das West-Nil-Virus im Jahr 2018 bei zwölf Vögeln und zwei Pferden nachgewiesen, teilt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mit. Erste Fälle von West-Nil-Fieber bei Menschen wurden im Spätsommer 2019 bekannt. Mitten in der Corona-Pandemie 2020 verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) weitere 22 durch Mücken übertragene Infektionen in Deutschland. Ein Jahr später wurden erneut einzelne Fälle aus Ostdeutschland berichtet.

West-Nil-Virus in Deutschland: Das sind die Symptome der Tropenkrankheit

Die meisten Infektionen verlaufen unentdeckt. Jeder Fünfte entwickelt grippeähnliches Fieber, das drei bis sechs Tage andauert. Zu den Symptomen zählen neben Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Doch es gibt laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) auch schwere Verläufe. Die Patienten entwickeln eine Hirnhautentzündung  (Meningitis) und in seltenen Fällen eine Gehirnentzündung (Enzephalitis).

Wo breitet sich das West-Nil-Virus in Deutschland aus?

Neben Bayern zirkuliert das West-Nil-Virus im Osten Deutschlands. Betroffen sind Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Das sagte Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg (Märkisch-Oderland), der Nachrichtenagentur dpa. „Warum, wissen wir noch nicht.“

Nachgewiesene Fälle von Infektionen mit West-Nil-Virus bei Vogel und Pferd (Stand 15. September 2021).
Nachgewiesene Fälle von Infektionen mit West-Nil-Virus bei Vogel und Pferd (Stand 15. September 2021). © Friedrich-Loeffler-Institut

Risiko: West-Nil-Virus überwintert in Stechmücke

Offensichtlich überwintert das West-Nil-Virus in Stechmücken und findet im Sommer ausreichend günstige klimatische Bedingungen vor, so das RKI zum West-Nil-Fieber. Das RKI schreibt: „Es ist damit zu rechnen, dass sich WNV in Deutschland weiter etabliert und es in den kommenden Jahren insbesondere in den schon bestehenden Gebieten, aber vielleicht auch in weiteren Gebieten, zu einem saisonalen Vorkommen von WNV-Erkrankungsfällen kommen wird.“

„Je wärmer es dann wird, umso besser können sich die Krankheitserreger weiterentwickeln“, erklärt Biologin Werner. Auch mit Blick auf den Klimawandel gebe es eine Zirkulation von Viren, hat die Forscherin beobachtet. „Die Klimaveränderung führt dazu, dass sich die Erreger in den Mücken besser vermehren können. Zentraler Dreh und Angelpunkt ist aber die zunehmende Globalisierung“, schätzt Werner ein. (ml)

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