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Experten besorgt: In Zukunft könnte es kaum noch reinrassige Wölfe in Europa geben

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Von: Franziska Vystrcil

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Ein Wolf liegt auf einem Baumstamm, ein weiterer steht davor
Reinrassige Wölfe könnten in Europa und Asien bald der Vergangenheit angehören. Die DNA eines Großteils der Raubtiere geht mittlerweile auf den Hund zurück. © imago images

Der Wolf kehrt in immer mehr Länder Europas zurück. Doch wie Experten nun besorgt feststellen, könnte der „reinrassige“ Wolf bald der Vergangenheit angehören.

Stuttgart/Lincoln - Betrachtet man so manche Hunderasse, scheint diese mit ihrem wilden Vorfahren, dem Wolf, rein gar nichts mehr gemeinsam zu haben. Zwischen dem großen, muskulösen Raubtier und einem schmächtigen Chihuahua liegen Welten - zumindest rein optisch. Denn wie Wissenschaftler herausgefunden haben, trägt ein Großteil der in Europa lebenden Wölfe Gene von ihren domestizierten Artgenossen in sich.

Etwa 62 Prozent aller untersuchten Wölfe aus Europa und Asien haben Hunde als Vorfahren

In den vergangenen 10.000 bis 100.000 Jahren hat der Mensch den Wolf zum Hund domestiziert. Seitdem der Mensch den Wolf zähmte und später als Hund auch züchtete, kam es immer wieder zu Paarungen zwischen Hund und Wolf. Zahlreiche Untersuchungen mit der DNA von Wölfen und Hunden versuchen noch immer, die Geschichte dieser Hybridisierung zu rekonstruieren. Die polnisch-britische Biologin Malgorzata Pilot und ihr Team untersuchten die Erbinformationen zahlreicher Tiere -mit einem erstaunlichen Ergebnis, wie auch der MDR berichtet. Etwa 62 Prozent aller untersuchten Wölfe aus Europa und Asien trugen Gene, die auf Hunde unter den Vorfahren schließen lassen.

Ein Beispiel für eine solche Vermischung der Gene sind auch die amerikanischen Timberwölfe. „Das schwarze Fell ist eine Eigenschaft, die während der Hundezucht heraus selektiert und dann in die Wolfspopulation übergegangen ist“, sagt Carsten Nowak, Genetiker am Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen, gegenüber dem MDR. Neben dem Wolf kehren auch Luchs und Schakal in deutsche Wälder zurück.

Naturschützer warnen vor Kreuzung aus Hunde- und Wolfs-DNA

Die Kreuzung mit Hunden macht den Wolf jedoch kein Stück „handzahmer“. Ganz im Gegenteil. Laut Forschern lässt sich am Beispiel von Hundezüchtern, die Wölfe mit einkreuzen, vor allem eines beobachten: Charaktereigenschaften, die mit Mühe bei der Hundezucht herausgearbeitet wurden, verlieren sich, sobald ein Wolf die Erblinie kreuzt. Aus dem zahmen, folgsamen und treuen Begleiter wird wieder ein Raubtier.

Eine Hybridisierung wollen Naturschützer vor allem im Hinblick auf die Biodiversität unterbinden. Denn findet weiterhin eine Einkreuzung von Hunde-DNA in die Wolfs-DNA statt, wird es irgendwann keine unterscheidbare Wolfspopulation mehr geben. In Baden-Württemberg breitet sich das Raubtier immer weiter aus. Zur Sorge von Experten: Zwischenfälle zwischen Wölfen und Nutztieren lassen sich nicht vermeiden.

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