Immer mehr Sichtungen in Deutschland

„Wölfe sind keine Kuscheltiere“: So verhält man sich bei einer Begegnung richtig

  • Felix Herz
    VonFelix Herz
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Immer wieder werden in Deutschland Wölfe gesichtet, die Menschen zu nahe kommen. Das kann gefährlich sein – viel gefährlicher ist der Mensch aber für den Wolf.

Stuttgart - Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Das änderte sich im Jahr 2000: Damals wurden die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren – laut dem Naturschutzbund Deutschland e.V. auf einem Truppenübungsplatz in der sächsischen Oberlausitz. Seitdem breitet sich der Wolf wieder in Deutschland aus und schafft es Jahr für Jahr, Nachwuchs großzuziehen. Aus Sicht des Naturschutzes ein Erfolg – doch kommt es auch immer wieder zu Fällen, in denen der Wolf dem Menschen gefährlich nahekommt.

So zum Beispiel „Kurti“, Deutschlands erster Problemwolf. Er musste im Jahr 2016 erschossen werden. Immer wieder kommt es zu Wolfsichtungen in vielen Teilen Deutschlands. Das besorgt sogar Experten: „Die Gefahr steigt.

Aktuelle Wolfsichtungen in Deutschland – wo treiben sich die Vierbeiner herum?

In Deutschland leben laut Naturschutzbund rund 157 Wolfsrudel, 27 Wolfspaare und 19 Einzelgänger. Viele von ihnen haben sich an die Präsenz von Menschen gewöhnt – unter anderem, weil es in der Nähe von Städten und Dörfern Futter gibt – und so ihre Scheu verloren. Hilfesuchend schrieben Anfang April bereits die Bürgermeister von 17 bayerischen Kommunen einen offenen Brief an Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Und in Oberbayern wurde ein Jungbauer Zeuge eines Wolfsangriffs auf eine trächtige Ziege.

Auch in Baden-Württemberg werden immer wieder Wölfe beobachtet. Anfang März zum Beispiel filmte eine Jägerin, wie ein Wolf einem Reh hinterherjagt. Auch eine Spaziergängerin im Zollernalbkreis will einen Wolf gesehen haben. Der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf zufolge leben die meisten Wölfe Stand Anfang 2022 in Nord- und Ostdeutschland. Vor allem rund um Leipzig, Dresden, Berlin, Hannover und tummeln sich viele Tiere. In Baden-Württemberg haben sich mindestens drei Einzelgänger dauerhaft niedergelassen.

Im Angesicht des Wolfes: Wie sich Menschen verhalten sollten

Im Frühling 2021 hatte ein Fall für viel Aufmerksamkeit gesorgt: Minutenlang war eine Spaziergängerin mit ihrem Hund von einem Wolf verfolgt und umkreist worden. Mit ihrem Handy hatte die Frau die brenzlige Situation festgehalten:

Wegen des gefährlichen Vorfalls veröffentlichte das Landesministerium Niedersachsens einige Verhaltensregeln, wenn es zu einer Begegnung mit einem wilden Wolf kommt. Denn „solche Nahbegegnungen sind keine Einzelfälle“. Die Begegnung habe gezeigt: „Wölfe sind keine Kuscheltiere!“, so das Ministerium.

Bei einem Aufeinandertreffen mit einem Wolf gilt vor allem: Ruhe bewahren. Die meisten Wölfe sind vorsichtig und ziehen sich zurück, wenn sie Menschen bemerken. Man sollte sich dem Wolf nicht nähern, vor allem wenn er gerade ein Tier gerissen hat. Jungtiere allerdings sind etwas neugieriger, und kommen in manchen Fällen auch näher. In einem solchen Fall empfiehlt das Landesministerium:

  • Machen Sie sich durch lautes Reden, Rufen oder in die Hände klatschen bemerkbar.
  • Zeigen Sie mit beherztem Auftreten, dass Sie die Situation unter Kontrolle haben.
  • Entfernen Sie sich langsam von dem Wolf, immer mit Blickkontakt zu dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg! Das kann Verfolgungsinstinkte auslösen.
  • Gibt der Wolf nicht auf, machen Sie einen beherzten Schritt auf ihn zu, machen Lärm und werfen mit Stöcken oder Steinen auf ihn. Auch der Einsatz von Pfefferspray ist sehr wirkungsvoll.
  • Wenn Sie einen Hund bei sich führen: Lassen Sie ihn zu seinem eigenen Schutz nahe bei sich.

Mit diesen Empfehlungen sollte sich die Wolfsbegegnung ohne Probleme auflösen lassen. Anschließend sollte der Vorfall aber den nächsten Wolfsberatern oder dem entsprechenden Ministerium gemeldet werden.

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