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Immer mehr Erwachsene wollen Urlaub ohne Kinder machen - laut Studien

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Von: Sina Alonso Garcia

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Kleines Kind bettelt, auf den Arm genommen zu werden.
„Nehmt mich mit“ - scheint dieses Kind zu sagen. Viele Erwachsene wollen allerdings ohne die Kleinen urlauben. © Josep Rovirosa/Imago

Erwachsene sehnen sich offenbar zunehmend nach kinderloser Zeit im Urlaub. Laut einer Studie sind die Google-Such-Anfragen nach „Erwachsenenhotel“ innerhalb von fünf Jahren um 315 Prozent gestiegen.

Stuttgart - Der gemeinsame Urlaub ist für viele Familien das Highlight des Jahres. Die Urlaubslust der Deutschen nach dem weitgehenden Ende der Corona-Beschränkungen ist groß. Doch für einige heißt es jetzt vermehrt: Dieses Jahr mal ohne Kinder. Wie ein Report des Touristikkonzerns TUI zeigt, ist der Bedarf nach einer Auszeit zu zweit - sowohl von Eltern als auch kinderlosen Paaren und Singles - in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Laut des Reports haben alleine die Suchanfragen auf Google nach dem Begriff „Erwachsenenhotel“ in Deutschland im Zeitraum von Juni 2015 bis 2020 um 315 Prozent zugenommen. Laut Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird zudem jede zweite Urlaubsreise von zwei Personen ohne Kinder angetreten. Gleichzeitig scheinen Mütter und Väter immer noch ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie ohne ihre Kinder verreisen, wie Befragungen ergaben.

Einer Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zufolge, die TUI in seinem Report zitiert, sind 40 Prozent der Eltern häufig bis sehr häufig Stress ausgesetzt. Als einen der Hauptgründe dafür gibt die Hälfte der befragten Eltern die hohen Erwartungen an sich selbst an. Dazu gehört unter anderem, ein gutes Vorbild für die Kinder zu sein (93 Prozent). Angesichts dieser Belastungen ist ein Gefühl bei vielen Eltern besonders präsent: Die Sehnsucht nach Me-Time. Zeit für sich selbst und den Partner sowie eine ausgewogene Balance zwischen Anstrengung und Entspannung sind offenbar für viele Eltern Mangelware. 

Umfrage zeigt: Gestresste Eltern sehnen sich nach Zeit für sich allein

Einerseits offenbarte die KKH-Umfrage den Wunsch der Eltern nach „Zeit für mich allein“ (59 Prozent) sowie innerer Gelassenheit (73 Prozent). Andererseits zeigt die Befragung auch, dass das Bedürfnis nach freier Zeit oder Urlaub alleine selten realisiert wird. So gaben etwa 59 Prozent der Befragten an, dass ihnen Zeit für sich allein bei der Stressbewältigung helfen würde. Nur 38 Prozent realisierten diesen Wunsch jedoch letztendlich. 43 Prozent wünschen sich explizit kinderfreie Zeit, nur 31 Prozent von ihnen setzen dieses Bedürfnis auch um.

„Viele Eltern merken zu Recht, dass Auszeiten helfen, mit noch mehr Energie für die alltäglichen Aufgaben und natürlich auch für die Familie da zu sein“, erklärt Sozialpädagoge und Erziehungsberater Ulric Ritzer-Sachs gegenüber TUI. „Es gibt aber noch Eltern, die deshalb ein schlechtes Gewissen haben. In den Medien funktionieren alle Eltern wunderbar. Vor allem Mütter werden als Powerfrauen, die in schicken Klamotten die Kinder versorgen, die Wäsche machen, den Top-Job nebenbei absolvieren und dabei stets gut gelaunt sind, dargestellt. Väter spielen liebevoll nach der Arbeit mit dem Nachwuchs. Das kann schon zu Selbstzweifeln führen, sollte dieses Ideal nicht erreicht werden. Und: Wenn Mütter alleine unterwegs sind, werden sie oft gefragt: Wo ist denn dein Kind? Väter werden das eher nicht gefragt.“ Doch Vorsicht: Wenn Eltern oft zweifeln und sich häufig ängstlich zeigen, kann sich das auf das Selbstwertgefühl ihrer Kinder auswirken, sagen Experten. 

Sozialpädagoge rät: Entscheidung über Urlaub allein vom Alter der Kinder abhängig machen

Obwohl es die mentale Gesundheit nachweislich stärken kann, fällt es vielen Eltern nicht leicht, sich mit dem Gedanken an einen Urlaub ohne die eigenen Kinder anzufreunden. Um den Schritt zu mehr Me-Time zu erleichtern, rät Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs: „Je kleiner die Kinder sind, desto kürzer kann die Auszeit sein. Bei kleinen Kindern treten die eigenen Bedürfnisse zurück. Hier ist es möglich, mal zusammen einen Spaziergang zu machen oder Essen zu gehen. Wenn es zuverlässige Menschen gibt, die in dieser Zeit die Kinder betreuen. Sin die Kinder älter, sind natürlich auch längere Pausen, sogar ein Urlaub möglich. Es ist schwierig, hier ein Alter zu nennen. Es hängt von der Reife der Kinder ab, aber auch vom Helikopterelternstatus - also von der Fähigkeit, loszulassen. Von der Entwicklung und natürlich auch von der Anzahl der Lebensjahre. Menschen sind aber unterschiedlich. Große und Kleine. Deshalb ist es ganz gut, erstmal klein - und vor allem früh - zu beginnen.“

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