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„Unerzogene Blagen“: Restaurant gibt Kindern Hausverbot – viele feiern das

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Von: Ulrike Hagen

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Das Restaurant „Bunte Kuh“ auf Langeoog lässt keine Kinder unter 12 Jahren mehr rein. Erzürnte Eltern laufen auf Facebook Sturm – doch viele feiern das Lokal.

Langeoog – Ein Restaurant an der Ostsee hat bereits vor einigen Jahren als wohl erstes Lokal den Anfang gemacht – und eine Altersgrenze für den abendlichen Betrieb eingeführt. Das Rügener Lokal erteilte Kindern Hausverbot: „Erziehen keine fremden Kinder“. Nun zieht ein Wirt auf Langeoog nach, wie 24hamburg.de berichtet. Im Steakhouse „Bunte Kuh“ auf Langeoog sind seit kurzer Zeit keine Kinder unter 12 Jahren mehr erwünscht. In den sozialen Medien liegen die Nerven von tief getroffenen Eltern blank.

Insel in Niedersachsen:Langeoog
Inselgruppe:Ostfriesische Inseln
Lage:Nordsee
Fläche:19,67 km²
Einwohner:1812
Bürgermeisterin:\tHeike Horn (parteilos)

Restaurant „Bunte Kuh“ auf Langeoog erteilt Kindern unter 12 Jahren Hausverbot

Gerald Hausmann betreibt auf der autofreien Nordsee-Insel Langeoog auch das „Hotel mare Suiten& Apartments“, das als „Adults only-Hotel 12+“ betrieben wird. Das heißt: Das gesamte Gästehaus ist auf Erwachsene bzw. Familien mit älteren Kindern ausgerichtet. Weil der Bärenanteil der Essensgäste in seinem angeschlossenen Restaurant „Bunte Kuh“ seit jeher Hotelgäste sind, beschloss Hausmann darum, auch hier die Altersgrenze anzupassen: Zutritt erhalten ab sofort nur noch Gäste ab zwölf Jahren. 

Ein Kind sitzt vor einem Teller Spaghetti und hat den Mund voll mit Nudeln und Soße.
Eine Entscheidung, die für heiße Debatten sorgt: Das Restaurant „Bunte Kuh“ auf Langeoog verbietet Kindern unter 12 Jahren den Zutritt (Symbolbild). © Michael Runkel/imago

„Bunte Kuh“-Wirt wird im Netz als kinderfeindlich beschimpft: „Hoffentlich gehen sie in die Insolvenz!“

Seit der Einführung der Altersgrenze für das Lokal gehen in den sozialen Medien nun aufgebrachte Eltern steil. „Kinder-feindliches Restaurant. Kinder sind unsere Zukunft, schämt euch.“ „Langeoog wird damit komplett von der Ferienplanung gestrichen. Hoffentlich gehen sie bald in die Insolvenz!“ und „Wer Kinder aussperrt, sperrt die Zukunft aus.
Überdenkt eure Entscheidung … Ich finde es abgrundtief traurig“, wettern die User auf der Facebook-Seite des Restaurants.

Viele begrüßen die Altersgrenze ab 12 Jahren in Restaurant auf Langeoog: „Endlich mal in Ruhe essen!“

Aber es gibt auch zahlreiche Befürworter der neuen Regelung. Wie das Restaurant „Schipperhus“ in Dierhagen handfeste Argumente für sein Hausverbot für Kinder unter zwölf Jahren anbrachte „Eltern sind schuld“: Ostsee-Restaurant lässt keine Kinder mehr rein, sehen auch die Besucher der „Bunten Kuh“ gute Gründe für eine solche Maßnahme: „Ich glaube, dass es hier nicht wirklich um die Kinder geht, sondern um die Eltern, die teilweise einfach nur nerven. Mein Kind, mein Tisch, mein Restaurant. Wie, die anderen Leute wollen ihren Urlaub auch genießen und in Ruhe essen? Warum das denn?“

„Mein Kind rennt durchs Lokal mit 3 anderen, schreit, wenn es etwas nicht bekommt, schmeißt mit Essen um sich etc. Zigmal mitgemacht und nun fahren wir nicht mehr nach Langeoog, weil es einfach zu anstrengend wurde. Aber vielleicht kommen wir demnächst mal wieder, wenn es nun ein Lokal gibt, wo man in Ruhe essen kann“, schreibt eine Mutter von vier Patchwork-Kindern. „Mein Gott, gibt es nur ein Restaurant auf Langeoog? Gönnt uns doch mal einen Laden, wo ihr uns nicht mit euren unerzogenen Blagen nervt“, findet eine Nutzerin.

Mein Gott, gibt es nur ein Restaurant auf Langeoog? Gönnt uns doch mal einen Laden, wo ihr uns nicht mit euren unerzogenen Blagen nervt“

Userin auf der Facebook-Seite der „Bunten Kuh“

„Bunte Kuh“ lässt nur noch Kinder ab 12 Jahren rein – in eigenem Ableger sind sie herzlich willkommen

Anders als das Café, das Kindern unter fünf Jahren Hausverbot erteilt „weil Eltern nicht aufpassen“ – wurde das Lokal allerdings noch nie von vielen Familien frequentiert, erklärt Gerald Hausmann gegenüber der „Nordwest-Zeitung“. Darum irritierten ihn auch die vielen Hass-Posts auf seiner Facebook-Seite. Tatsächlich ist der Ableger der „Bunten Kuh“, das Bistro „dwarslooper“ speziell auf kleine Gäste ausgelegt: „Dort haben wir viele Kindergerichte und Spielsachen. Das ist ein richtiges Familienrestaurant“, so Hausmann gegenüber dem Regionalblatt.

„Das passt mit kleinen Kindern nicht zusammen“: Restaurant erklärt Kinder-Hausverbot mit Gefahr durch Speisezubereitung

Die Entscheidung, die „Bunte Kuh“ zu einem Restaurant ab zwölf Jahren zu machen, habe nichts damit zu tun gehabt, dass Kinder störten – sondern mit Platz und Sicherheit, erklärt der Gastronom. „Unser Hotelrestaurant ist sehr klein. Es gibt keine Abstellmöglichkeiten für Kinderwagen“, so Hausmann gegenüber RTL, „Fluchtmöglichkeiten sind nicht gegeben.“ In den beengten Räumen würden Gerichte auf 400 Grad heißen Steinen serviert, „Kabeljau und Lamm werden am Tisch flambiert. Das passt mit kleinen Kindern nicht zusammen“, erläutert der Wirt, „Ich habe Angst, dass ein 400 Grad heißer Stein ein Kind verletzt.“

Restaurant-Wirt auf Langeoog fordert Toleranz: „Wir alle lieben Kinder, haben 21 Kinder im Betrieb“

Bleibt die Frage, ob all das dennoch auch mit jüngeren Kindern funktionieren könnte – vorausgesetzt, sie sind es gewohnt, sich an bestimmte Regeln halten zu müssen, wie es Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch einfordert. Der Pädagoge zerreißt die heutige Kinder-Erziehung „Aufgeweichte Jammergestalten“ – und wirft Eltern vor, ihre Kinder in dieser Hinsicht viel zu wenig in die Pflicht zu nehmen.

Der Inhaber der „Bunten Kuh“ jedenfalls wünscht sich eine differenziertere Betrachtung der Umstände und auch seiner Entscheidung, denn: „Wir alle im Betrieb lieben Kinder. Es gibt doch nichts Schöneres als ein Kinderlachen“, sagt der Hotelbetreiber. Schließlich „gehörten“ mit seinen eigenen Kindern und denen seiner Mitarbeiter ganze 21 Kinder zum Betrieb, so Hausmann gegenüber der „Nordwest-Zeitung“.

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