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„40 Prozent können kein Geld zur Seite legen“: Sparkassen machen sich Sorgen um Sparer

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Von: Thomas Eldersch

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Bayerns Sparkassenchef Ulrich Reuter macht sich Sorgen, dass die Zinswende der EZB aufgeben wird.
Bayerns Sparkassenchef Ulrich Reuter macht sich Sorgen, dass die Zinswende der EZB aufgeben wird. © Arnulf Hettrich/Stephan Görlich/imago images

Die Menschen können sich das Sparen nicht mehr leisten. Bayerns Sparkassen-Chef Reuter macht sich Sorgen und sieht die EZB in der Pflicht.

München – Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juli ihre Zinsen erstmals seit elf Jahren wieder angehoben. Um ganze 0,5 Prozent. Das heißt, es gibt wieder Zinsen auf angelegtes Geld. Der deutsche Sparer-Traum lebt wieder. Aber so einfach ist es nicht. Denn nicht nur die Zinsen steigen wieder. Auch die Inflation ist auf einem Rekordniveau. Die Sparkassen fürchten daher, dass es eher weniger Sparer als mehr geben wird, wie Merkur.de berichtet.

Sparkassen befürchten, dass sich Privatkunden das Sparen nicht mehr leisten können

Auf 7,6 Prozent lag die Inflation im Juni laut Internetseite der Bundesregierung. Damit sank sie sogar noch ein wenig nach 7,9 Prozent im Mai. Dennoch ist sie so hoch, wie seit 50 Jahren nicht mehr. Gründe sind die steigende Nachfrage – viele Menschen würden sich jetzt wieder mehr Dinge leisten, wie noch in Zeiten der Corona-Pandemie. Aber auch ein geringeres Angebot ist ein Preistreiber – Stichwort Energie- und Gaskrise. Die Lebensmittelpreise haben ebenfalls seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine stark angezogen.

Wenn Menschen also mehr Geld für ihren Lebensunterhalt ausgeben müssen, dann bleibt ihnen weniger, um es bei der Bank anzulegen. Das merken auch die Banken. Der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider, sagte Ende Juli auf Focus-Online: „Mittlerweile können rund 40 Prozent unserer Privatkundinnen und -kunden kein Geld zur Seite legen.“ Er spricht in dem Zusammenhang von einer „dramatischen Zahl“. Da in dieser Entwicklung aber noch nicht die gestiegenen Energiepreise berücksichtigt sind, könnten es 50 Prozent der Kunden sein, die keine Möglichkeit mehr zum Sparen haben.

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EZB erhöht die Zinsen um 0,5 Prozent (Video)

Bayerns Sparkassen-Chef Reuter: Die EZB habe zu spät auf die Inflation reagiert

Ähnlich sieht es auch der Chef der bayerischen Sparkassen, Ulrich Reuter. Auf der Vorstellung der Halbjahresbilanz Ende Juli in München sprach er sogar davon, dass aufgrund der rasanten Inflation und der drohenden Rezession die EZB ihre „Zinswende infrage stellen“ könnte. Seiner Meinung nach hätte man in Frankfurt bereits 2021 mit der Erhöhung der Zinsen beginnen sollen. „Dabei gab es seit spätestens Mitte 2021 Anzeichen, dass das Inflationsziel deut­lich verfehlt wird, dass die Preissteigerungen keine vorübergehenden Effekte sind.“

Leidtragenden sind die Sparer – vor allem die mit kleinem Geldbeutel. „Unsere Kunden leiden einstweilen unter den rasant steigenden Preisen bei gleichzeitig einigermaßen unsicheren Zukunftsaussichten. Auch als Sparer sind sie erneut gekniffen – galt früher: Null Zins mit ein bis zwei Prozent Inflation ist gleich realer Wertverlust, so gibt es jetzt zwar einen positiven Zins, dafür mit über acht Prozent Inflation einen noch größeren Wertverlust – das ist natürlich verheerend, gerade für Kleinsparer“, so Reuter. Seiner Meinung nach braucht es jetzt „stabile Signale der EZB“, damit das Geld auf der Bank nicht schneller an Wert verliert, als es Zinsen bringt. (tel)

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