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Siamesische Zwillinge sollten Geburt nicht überleben - heute sind sie 5 Jahre alt

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Von: Franziska Vystrcil

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Chelsea und Nick Torres bei der Geburt ihrer siamesischen Zwillinge Carter und Callie 2017
Fünf Jahre liegt die Geburt von Callie und Carter zurück. Entgegen der Prognosen der Ärzte überlebten die siamesischen Zwillinge. © Instagram/callieandcarterbeatodds

Ärzte gaben den siamesischen Zwillingen Calllie und Carter kaum Überlebenschancen. Doch die Mädchen belehrten sie eines Besseren.

Boise - Dass Callie und Carter ihren fünften Geburtstag feiern können, ist keine Selbstverständlichkeit. Die beiden Mädchen aus dem US-Bundesstaat Idaho sollten nur wenige Tage alt werden - so lautete zumindest die Prognose der Ärzte. Denn Callie und Carter sind ab dem Brustkorb zusammen gewachsen. Sie sind siamesische Zwillinge.

Allen Prognosen zu trotz überlebten die beiden Mädchen die Geburt, feierten im Mai ihren fünften Geburtstag. Auf den sozialen Medien dokumentiert ihre Mutter Chelsea Torres das Leben der Geschwister.

Ärzte geben siamesischen Zwillingen nur kurze Zeit zu leben - „Es war ein Schock“

Chelsea Torres war acht Wochen schwanger, als die Ärzte ihr die Schocknachricht überbrachten: Sie und ihr Mann erwarteten siamesische Zwillinge. Sie und die Ärzte gingen davon aus, dass die Mädchen kaum Überlebenschancen haben würden. Ob sie überhaupt die Geburt überleben würden, war völlig unklar. Sie würden entweder dann, oder spätestens wenige Tage nach der Geburt sterben, so die Ärzte. „Ich war bereit, meine Kinder am Tag ihrer Geburt zu beerdigen“, sagte ihre Mutter Chelsea im Interview mit dem britischen Magazin Mirror.

Die Mädchen würden sie eines Besseren belehren: Callie und Carter sind wohlauf und putzmunter - und halten ihre Eltern wie alle Kinder in diesem Alter ordentlich auf Trab. Bei ihrer Geburt war dies jedoch noch nicht absehbar. Tage vergingen - und die Zwillinge lebten weiter. „Es war ein Schock, sie zusammen zu sehen, aber ich habe mich beim ersten Anblick in sie verliebt“, erinnert sich ihre Mutter.

Doch mit dem Überleben der Mädchen sahen sich Nick und Chelsea mit einer schwierigen Frage konfrontiert: Sollten sie die Mädchen trennen lassen? Die Eltern standen unter enormen Druck, wie sich auch Papa Nick erinnert. „Mental waren wir nicht darauf vorbereitet, wir waren extrem gestresst.“

Ein Ärzteteam nahm ihnen schließlich drei Tage nach der Geburt die Entscheidung ab. Da sich Callie und Carter wichtige Organe teilen, sei eine Operation zu riskant. Jedes der Mädchen hätte nach der Operation nur ein Bein, ein Becken und eine Niere. Eine Trennung kam daher nicht infrage. Noch immer sind viele Fragen beim Thema Zwillinge offen. Wissenschaftler in Tübingen sammeln daher Gesundheitsdaten von Zwillingen zu Forschungszwecken

Auf Social Media dokumentiert Mutter Chelsea den Alltag der Zwillinge

Bis heute haben Chelsea und Nick diese Entscheidung nicht bereut. Die beiden Mädchen sind gesund und munter. Und vor allem glücklich. Auf Instagram, TikTok und YouTube dokumentiert ihre Mutter den Alltag der Familie und den Zwillingen. Neben Callie und Carter haben Nick und Chelsea noch zwei Söhne, Jaysin und Mykah.

Viele Fragen erreichen die Vierfach-Mutter über Social Media. Fleißig beantwortet sie die Fragen ihrer Follower. Denn mit ihren Accounts will Chelsea vor allem eines: Mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Familien, wie ihre, schaffen.

Siamesische Zwillinge treten auch in der Tierwelt auf. In den USA ist eine Schildkröte mit zwei Köpfen und sechs Beinen geschlüpft. Eine Sensation war auch die Geburt einer zweiköpfigen Schlange in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg).

Siamesische Zwillinge

Wenn sich bei eineiigen Zwillingen in der frühen Entwicklung die befruchtete Eizelle nicht vollständig in zwei eigenständige Embryos teilt, entstehen siamesische Zwillinge. In manchen Fällen sind die Kinder nur oberflächlich durch eine Hautbrücke miteinander verwachsen, oftmals geht die Verwachsung so weit, dass sich die Geschwister auch Extremitäten oder Organe teilen. Wie viele siamesische Zwillinge es auf der Welt gibt, ist nicht genau erfasst. Die Angaben schwanken zwischen einer Wahrscheinlichkeit von 1:60.000 bis hin zu 1:200.000. Die Überlebenschancen sind jedoch meist sehr gering, wie eine traurige Zahl beweist: Auf eine Million siamesische Zwillingsgeburten kommen nur etwa einmal lebensfähige Kinder zur Welt.

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