HR 6819

Erdnächstes Schwarzes Loch entpuppt sich als „Vampirstern“

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
    schließen

Vor zwei Jahren glaubten Forscher, ein erdnahes schwarzes Loch entdeckt zu haben. Nun müssen sie sich korrigieren.

Stuttgart - Vor zwei Jahren meldete ein internationales Astronomen-Team die Entdeckung eines schwarzen Lochs* bei dem etwa 1.000 Lichtjahre entfernten Stern HR 6819. Damit wäre es das bislang der Erde am nächsten gelegene schwarze Loch - und sorgte damals entsprechend für Schlagzeilen. Nun müssen sich die Forschenden korrigieren. (BW24* berichtete)

Wie Wissenschaftler im Fachblatt Astronomy & Astrophysics schreiben, zeigen genauere Beobachtungen, worum es sich bei dem Himmelsobjekt statt einem schwarzen Loch wirklich handelt. HR 6189 sei zwar ein seltsamer Stern, von einem Schwarzen Loch sei dort aber nichts zu sehen. Stattdessen handle es sich um einen sogenannten „Vampirstern“. Zu der Fehlinterpretation sei es gekommen, weil sich der Stern in einem ungewöhnlichen, sehr kurzen Zustand seiner Entwicklung befinde.

HR 6189 entpuppt sich als „Vampirstern“, der seinen Nachbarstern frisst

Die neue Interpretation des Himmelsobjekts geht von zwei Sternen aus, von denen einer dem anderen einen Teil seiner Materie entrissen hat und deshalb auch als „Vampirstern“ bezeichnet wird. Der Vampirstern frisst also seinen Nachbarstern und saugt ihn förmlich aus. Der Titel des der Erde am nächsten gelegenen Schwarzen Lochs geht damit zurück an V723 Monocerotis in einer Entfernung von 1.500 Lichtjahren.

Das Sternensystem HR 6819 beinhaltet offenbar doch kein schwarzes Loch. Es handelt sich um ein System aus zwei Sternen, bei dem ein Stern Masse von seinem Begleiter abgesaugt hat – „stellarer Vampirismus“. (künstlerische Darstellung)

Sowohl auf Forscher als auch auf Laien strahlen schwarze Löcher seit jeher eine besondere Faszination aus. Supermassereiche schwarze Löcher können Milliarden Sonnenmassen schwer sein und sind im Zentrum der meisten Galaxien zu finden. Stellare schwarze Löcher entstehen hingegen, wenn Sterne, die etwa die 20-fache Masse unserer Sonne haben, am Ende ihres Lebens kollabieren. Kürzlich beobachteten Forschende erstmals ein isoliertes schwarzes Loch*. Wissenschaftler sind sich zudem sicher, dass es in rund 10.000 Jahren zu einem Zusammenstoß zweier schwarzer Löcher* kommen wird. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © ESO/L. Calçada

Mehr zum Thema

Kommentare