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Real: Von der Entstehung bis zur Zerschlagung – Geschichte der SB-Warenhauskette

Für die Real rückt die Zerschlagung näher
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Real war eine Warenhausgruppe des Großhändlers Metro AG mit Sitz in Düsseldorf

Die Warenhauskette Real war seit Beginn der 1990er-Jahre deutschlandweit in vielen Städten vertreten. Nach dem dauerhaften Absturz in die roten Zahlen ist der Ableger der Metro AG jetzt Geschichte und gehört inzwischen mehreren unterschiedlichen Unternehmen. Seit der Zerschlagung hat sich hinsichtlich Onlineshop, Sortiment und Marken einiges geändert.

Düsseldorf – Ihren Namen hat die Warenhauskette Real von der Übernahme der real-kauf-Märkte. Sie waren eines der insgesamt 13 Unternehmen, mit denen die Metro AG ihre neue Warenhauskette gründete. Seit 1992 war dieses Einzelhandelsunternehmen mit dem kleingeschriebenen Schriftzug den Verbrauchern ein Begriff.

Real – die Gründung der Warenhauskette

Real war eine Warenhausgruppe des Großhändlers Metro AG mit Sitz in Düsseldorf. Der Vollsortimenter entstand 1992 aus dem Aufkauf und Zusammenschluss mehrerer verschiedener regionaler Handelsketten. Dazu gehörten vor allem:

  • real-kauf
  • Continent
  • esbella
  • basar

Kurz nach der Gründung von Real kamen durch Geschäftsübernahmen weitere Marktketten hinzu. Darunter die massa-Märkte von Karl-Heinz Kipp, die bayerischen Meister-Verbrauchermärkte und das Münchner Großhandelsunternehmen BLV. Der älteste Verbrauchermarkt, der in die Real-Kette integriert wurde, ist die 1968 im rheinhessischen Alzey eröffnete massa-Filiale.

Im Laufe der 90er-Jahre wuchs Real stetig weiter. 1998 übernahm Metro 94 Filialen der Allkauf-Kette aus Mönchengladbach sowie 20 Standorte des Böblinger Einzelhandelsunternehmens Kriegbaum. 1999 kamen noch einmal fünf Geschäfte der Handelskette Extra dazu.

Die Metro AG selbst ist ein börsennotierter Großhandelskonzern, der seine Geschäfte mit Einführung der Real-Märkte auf den Einzelhandel ausweitete. Das Unternehmen besteht bereits seit 1963. Als Aktiengesellschaft fungiert es seit 2017.

Warenhauskette Real – interessante Fakten zur Geschichte

Die Geschichte von Real ist vor allem von einem raschen Wechsel aus Übernahmen, Verkäufen und Sparmaßnahmen geprägt:

  • 2003 führte der Metro-Konzern eine zentrale Verwaltung der bis dahin selbstständig agierenden Real-, SB- und Extra-Verbrauchermärkte ein.
  • 2005 kam es in den Real-Filialen in Laatzen und Hannover zu einem Fleischskandal, bei dem abgelaufenes Hackfleisch umetikettiert und erneut in den Handel gebracht wurde.
  • 2006 übernahm Real 85 Filialen des US-amerikanischen Walmart-Konzerns, wobei die kleineren Märkte unter dem Namen Extra liefen.
  • Ab 2006 startete außerdem ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm in der Warenhauskette, in dessen Rahmen etliche Filialen schlossen und es zu einem erheblichen Stellenabbau kam.
  • Im Oktober 2007 entstand in Lübeck mit der neu eröffneten Real-Filiale das erste Einzelhandelsgeschäft in Deutschland, das montags bis samstags bis 24 Uhr geöffnet hatte.
  • 2007 forderten circa 3.000 Mitarbeiter aus 80 Real-Filialen bei Warnstreiks Lohnerhöhungen
  • 2008 verkaufte die Metro AG die Extra-Filialen an die REWE-Gruppe.
  • 2015 gab es erstmals einen Flächentarifvertrag für alle Real-Mitarbeiter.
  • 2016 übernahm die Einzelhandelskette das Portal Hitmeister.de und wandelte es später in den bekannten Onlineshop real.de um.

Real-Zerschlagung: Der Verkauf der Warenhauskette

Die Zerschlagung der Real-Warenhauskette begann weit vor den Verkaufsverhandlungen im Jahre 2019. Im Folgenden die wichtigsten Eckdaten des letzten Kapitels dieser Verbrauchermärkte auf einen Blick:

  • 2013 übernahm die französische Kette Auchan die in Mittel- und Osteuropa befindlichen Standorte von Real aus Polen, Rumänien, der Ukraine und Russland.
  • 2014 folgte der Verkauf der türkischen Real-Geschäfte, sodass die Metro AG seither nur noch ein deutschlandweites Netz aus Real-Märkten besaß.
  • 2018 gab die Metro AG erstmals ihre Pläne bekannt, die gesamte übrige Warenhauskette Real verkaufen zu wollen.
  • Im Mai 2019 begannen umfangreiche Verhandlungen zwischen der Metro AG und der Redos-Gruppe, die Real als Ganzes übernehmen wollte.
  • Im Juni 2019 stiegen der Immobilieninvestor X+Bricks und die SCP, eine Tochterfirma des russischen Finanzkonzerns Sistema, in die Verhandlungen ein.
  • Im Februar 2020 wurde der Kaufvertrag mit X+Bricks und SCP unterzeichnet.
  • Seit Juni 2020 gehört Real zu 100 Prozent der SCP Retail Investment aus Luxemburg.

Real-Verkauf – das sind die neuen Besitzer der einstigen Warenhauskette

Nach dem Verkauf von Real an die SCP begann der neue Eigentümer damit, die Warenhauskette zu zerschlagen. Den Großteil der etwa 280 Filialen sicherte sich die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm, der bereits die Lidl-Discounter und Kaufland-Märkte gehören. Im Gespräch ist die Übernahme von bis zu 92 Real-Geschäften. Mehr hatte das Kartellamt nicht bewilligt.

Die übrigen Standorte gehen mit 16 Filialen an die Globus-Gruppe. Edeka darf sich bis zu 51 der Standorte sichern.

Eine ganze Reihe Real-Geschäfte schließen die neuen Besitzer komplett. Das sind unter anderem die Märkte in:

  • Goslar
  • Augsburg
  • Rheine
  • Wildau
  • Bamberg
  • Trier
  • Wetzlar
  • Wiesbaden

Insgesamt soll rund 30 Standorten das Aus drohen.

Real – diese Marken verkaufte Warenhauskette

Real setzte bei seiner Produktpalette wie andere Warenhausketten neben bekannten Labeln auf Eigenmarken. Diese Handelsmarken haben für Unternehmen einige Vorteile, denn sie sind:

  • exklusiv in den jeweiligen Handelsketten erhältlich und damit ein Alleinstellungsmerkmal
  • unabhängig von den großen Markenherstellern
  • frei in der Preisgestaltung und dem Design der Packungen

Diese Marken aus dem Eigensortiment hatte Real im Programm:

  • real QUALITY
  • real BIO
  • TIP

real QUALITY umfasste über 3.500 Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs. Kennzeichen für diese Eigenmarke war die hohe Qualität zum günstigen Preis. Als Besonderheit gab es bei real QUALITY zudem Spezialitäten aus Ländern wie Spanien, Frankreich oder Italien zu entdecken.

real BIO beinhaltete Waren aus 100 Prozent biologischem Anbau oder biologischer Herstellung. Dazu gehörten beispielsweise Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Fleisch und Fisch sowie Fair-Trade-Kaffee.

TIP versprach Kunden Qualität zum Discounterpreis. Die etwa 1.600 Lebensmittel und Non-Food-Produkte waren eine preiswerte Alternative zu Markenwaren.

Des Weiteren führte Real die Handelsmarke Wunderbärchen mit Produkten für Babys und Kinder. Das Label Jeden Tag mit seinem klassischen Supermarktsortiment rundete die Auswahl ab.

Real – das Sortiment der Warenhauskette früher und heute

Die Warenhauskette Real war sehr breit aufgestellt. Neben dem typischen Sortiment aus dem Supermarkt punktete die Einzelhandelskette mit folgenden Produktgruppen:

  • Autozubehör
  • Unterhaltungselektronik
  • Mobilfunkgeräte
  • Bekleidung und Wohntextilien
  • Spielwaren

Heute richtet sich das Angebot nach dem Konzept des jeweiligen neuen Eigentümers.

Bei Kaufland erwartet die Kunden ein ähnlich gestaltetes Warenangebot. Allerdings ist die Auswahl mit lediglich 30.000 Artikeln etwas kleiner. Der Schwerpunkt bei den Läden der Schwarz-Gruppe liegt darüber hinaus mehr auf dem Lebensmittelbereich.

Edeka macht aus seinen ehemaligen Real-Filialen neue Edeka-Center. Diese sind die größten Geschäfte der Supermarktkette und haben in der Regel eine Verkaufsfläche zwischen 2.500 und 4.000 Quadratmetern. Mit einer Produktauswahl von rund 60.000 einzelnen Waren erleben die Verbraucher hier ebenfalls ein ähnlich abwechslungsreiches Einkaufsvergnügen wie bei Real.

Globus ist ein Einzelhandelsunternehmen mit äußerst umfangreicher Produktpalette. Matthias Bruch, der Geschäftsführer der Globus Holding, hat bereits angekündigt, in einige der übernommenen Real-Filialen umfangreich zu investieren. Die SB-Warenhäuser von Globus haben meist eine Verkaufsfläche von 6.000 bis 10.000 Quadratmetern. Darauf befinden sich 50.000 bis 100.000 verschiedene Artikel.

Real – das wurde aus dem Onlineshop der Warenhauskette

Der große Onlineshop von Real mit rund 25 Millionen Artikeln aus über 5.000 Produktkategorien soll nach Angaben der Schwarz-Gruppe weitergeführt werden. Er wurde im zweiten Quartal 2021 in die Webseite von Kaufland.de integriert.

Dabei ändert sich für die Kunden lediglich die Optik des Webauftritts. Ansonsten bleibt für sie alles beim Alten. Das bedeutet konkret:

  • Vorhandene Kundenkonten bleiben bestehen.
  • Bereits getätigte Bestellungen bearbeitet nun das Kaufland-Team und führt sie aus.
  • Ausgestellte Real-Gutscheine behalten weiterhin ihre Gültigkeit und können im Kaufland-Onlineshop eingelöst werden.

Damit profitiert die Warenhausgruppe Kaufland noch einmal extra von der Real-Zerschlagung. Denn diese Einzelhandelskette besaß bisher noch keinen eigenen Onlineshop. In Zukunft wird Kaufland im ehemaligen Real-Shop auch seine eigenen Waren anbieten, heißt es aus Unternehmerkreisen.

Real hatte den Onlineshop fünf Jahre lang erfolgreich geführt und stetig erweitert. Gerade das abwechslungsreiche Sortiment war bei den Verbrauchern sehr beliebt.

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