Antinatalismus

„Wollte es nicht“: Mann verklagt Eltern - weil sie ihn geboren haben

Ein Vater hält die Hand eines wenige Tage alten Jungen.
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Mit seiner Geburt ist ein 27-Jähriger nicht einverstanden - und klagt gegen seine Eltern (Symbolfoto).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Der Philosoph Raphael Samuel sieht in seinem Leben keinen Sinn. Er glaubt, die Erde wäre ohne Menschen ein besserer Ort. Weil seine Eltern ihn in diese Welt gesetzt haben, verklagte er sie.

Mumbai - Ihm wurde das Leben geschenkt. Doch er wollte es nie haben. Der indische Philosoph Raphael Samuel ist überzeugter Anhänger des sogenannten Antinatalismus. Die wesentliche Erkenntnis, die der 27-Jährige auf seinem Youtube-Kanal verbreitet: „Wir sind ohne unsere Zustimmung geboren worden.“ Kinder in die Welt zu setzen, sei unverantwortlich, erklärt Samuel, der sich in seinen Videos unter dem Pseudonym „NihilAnand“ hinter einem falschen Rauschebart und einer verspiegelten Sonnenbrille versteckt.

„Das Leben ist sinnlos“, sagt Raphael Samuel gegenüber brandeins.de. „Es führt zu nichts. Egal, was ich auf Erden erreiche, am Ende werde ich sterben. Und auf dem Weg dahin widerfahren mir eine Menge Unannehmlichkeiten.“ Aus diesem Grund klagte er im Februar 2019 gegen seine Eltern - die hätten ihn ohne seine Erlaubnis in die Welt gesetzt. „Ich bin ohne meine Zustimmung geboren worden“, sagt er.

Antinatalismus: „Ohne Kinder spart man sich Leid, Schmerzen und Sorgen“

Zwar wusste er offenbar schon im Voraus, dass seine Klage scheitern würde. Für ihn hatte sie aber eine symbolische Bedeutung. „Die Welt befindet sich im Verfall. Sie wird von Menschen kaputtgemacht“, erklärt Raphael Samuel gegenüber brandeins.de. Ohne Kinder spare man sich Leid, Schmerz und Sorgen. Gleichzeitig seien seine Eltern von Erwartungen der Gesellschaft quasi dazu gezwungen worden, Kinder zu bekommen. Er hingegen hätte das nicht gewollt.

„Paare ohne Kinder waren in Indien damals eine bemitleidenswerte Abnormalität“, so Samuel über die Generation seiner Eltern. „In vielen Gesellschaften ist das heute noch so, auch in Indien.“ Darum gehe es ihm. „Kinderlosigkeit muss eine akzeptierte Alternative sein. Und vielleicht wird sie sogar irgendwann zur Norm.“ Schon jetzt verzichten Frauen wegen der Klimakrise auf den Nachwuchs, wie fr.de* berichtet. Andere, wie eine elffache 23-jährige Mutter aus Georgien, passen dagegen nicht ins antinatalistische Weltbild.

Raphael Samuel: „Existenz von Menschen ist ein sinnloses Unterfangen“

Einerseits spricht Samuel von einem guten Verhältnis zu seinen Eltern, die beide Anwälte sind, sowie von einer „großartigen Kindheit“. Dennoch sei die Existenz von Menschen „ein sinnloses Unterfangen“. Am Ende bleibe nichts. „Es ist immer dasselbe Spiel. Leute werden geboren, führen Kriege, zerstören die Umwelt, gebären neue Leute und so weiter“, sagt Samuel gegenüber brandeins.de. „Selbst wenn dieses Leben zwischenzeitlich mal richtig Spaß macht - wozu? Wenn wir uns auslöschten, wäre das eine bessere Welt.“

Samuels Eltern haben die Klage ihres Sohnes gut aufgenommen, wie 24hamburg.de* berichtet. So hätten sie ihn sogar bei der Anklage unterstützt. „Meine Mutter wünscht sich, dass sie mich getroffen hätte, bevor ich geboren wurde. Dann hätte sie mich nicht bekommen“, so Samuel auf Facebook. Ohnehin wollte er mit seiner Klage nur ein symbolisches Zeichen setzen. So hat er die Eltern lediglich auf eine Rupie, also etwas mehr als einen Eurocent, verklagt. Die mediale Aufmerksamkeit ist ihm jedenfalls sicher. *fr.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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