1. bw24
  2. Welt

Periodenurlaub ist kontraproduktiv: Frauen werden dadurch erst recht benachteiligt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sina Alonso Garcia

Kommentare

Während der Periode leiden viele Frauen und starken Schmerzen.
Während der Periode leidet ein Teil der Frauen unter starken Schmerzen. © Andrey Popov/Imago

In Spanien wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Frauen während ihrer Menstruation bezahlte Urlaubstage gewährt. Während viele den Vorstoß als feministischen Erfolg feiern, halte ich ihn für problematisch.

Stuttgart - Spanien könnte das erste europäische Land werden, das Frauen bei Menstruationsproblemen bezahlte Urlaubstage gewährt. So wurde dort kürzlich ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, laut dem Frauen, die starke Periodenschmerzen haben, drei bis fünf Tage im Monat bezahlt freinehmen dürfen. Nun muss der Entwurf noch vom Parlament bestätigt werden. Dass der Vorstoß von vielen als wichtiger Schritt zur Enttabuisierung der Menstruation gefeiert wird, ist nachvollziehbar. Sicherlich gibt es Frauen, die durch die Regelschmerzen so eingeschränkt werden, dass sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen und sich am liebsten in dieser Zeit krankmelden würden. Andere erhalten gar die Diagnose einer Endometriose, die zu besonders heftigen Schmerzen während der Regelblutung führt. Die Idee hinter dem Gesetzesentwurf, solche Frauen zu entlasten, ist absolut richtig und wichtig. Schwierig wird es allerdings, wenn man sich die möglichen Folgen einer solchen Regelung bewusst macht.

Die Youtuberin Alicia Joe aus Stuttgart warnt vor einer Diskriminierung von Frauen durch den Periodenurlaub. Ähnlich stehe auch ich zu dem geplanten Gesetz. Schon die Bezeichnung „Menstruationsurlaub“ löst bei mir Unbehagen aus. Urlaub, das klingt direkt nach Entspannung, Erholung und einer guten Zeit. Also bitte! Was genau haben jetzt schwere Bauchkrämpfe, die einen tagelang ans Bett binden, mit Urlaub zu tun? Vermutlich würden betroffene Frauen lieber arbeiten, als derartige Schmerzen aushalten zu müssen. Unpassender hätte man diesen Begriff schon mal nicht wählen können.

Periodenurlaub in Deutschland für mich undenkbar - Benachteiligung von Frauen vorprogrammiert

In unserer leistungsgetriebenen Ellenbogengesellschaft, in der Unternehmen der Privatwirtschaft maximal auf Gewinn gepolt sind, möchte ich die Firma sehen, die sagt: „Fünf Tage im Monat mehr oder weniger - kein Problem. Weibliche Bewerber sind genauso willkommen wie männliche.“ Es ist einfach völlig utopisch, zu glauben, dass 60 Tage im Jahr, die eine Frau sich aufgrund von Menstruationsbeschwerden bezahlt freinehmen könnte, nicht dazu führen würden, dass Frauen im Bewerbungsprozess extrem benachteiligt werden. Machen wir uns nichts vor: Auch ohne Menstruationsurlaub werden kinderlose Frauen jungen und mittleren Alters doch im Vorstellungsgespräch von Personalern ohnehin schon kritisch beäugt, weil sie in ihren Augen potenzielle Gebärmaschinen sind.

Auch, wenn der Hintergedanke zum Menstruationsurlaub eigentlich sehr fortschrittlich ist, wäre so ein Gesetz in Deutschland aus meiner Sicht undenkbar. So könnte es neben der Benachteiligung von Frauen im Bewerbungsprozess auch Vorurteile stärken, dass Frauen in der Zeit ihrer Regelblutung wehleidig seien. Welche Frau kennt Anspielungen wie diese nicht: „Warum bist du so zickig, hast du deine Tage?“ Dass für manche Männer die Menstruation ein solches Mysterium ist, dass sie vollkommen unreflektiert derartige „Witze“ von sich geben, zeigt schon, dass ein solches Gesetz - zumindest hierzulande - alte Klischees und Stigmatisierungen wieder hervorrufen würde.

Menstruationsurlaub: Wer soll überprüfen können, wer wie starke Schmerzen hat?

Trotz der berechtigten Pro-Argumente für ein solches Gesetz komme ich zu dem Schluss: Es würde nicht nur die Gräben zwischen Feministinnen und ihren Gegnern vertiefen, sondern wäre auch für Arbeitgeber teilweise schwer nachzuvollziehen. Sobald allen Frauen theoretisch die Möglichkeit eingeräumt wird, drei bis fünf Tage im Monat frei zu nehmen, könnten auch diejenigen davon Gebrauch machen, die eigentlich gar keine Schmerzen haben. Wer soll genau überprüfen können, wer wie starke Schmerzen hat? Wie könnte man das Ganze messen und validieren? Vermutlich wäre es sinnvoll, dass diejenigen Frauen, die von diagnostizierbaren Krankheiten wie Endometriose betroffen sind, einen ärztlichen Nachweis bei ihrem Arbeitgeber vorlegen. Ganz unabhängig von einem gesetzlich geregelten Menstruationsurlaub wäre es wünschenswert, wenn solchen Frauen ein unangenehmer Erklär-Prozess gegenüber ihrem Arbeitgeber erspart bliebe und eine Krankheit als solche anerkannt und berücksichtigt wird.

Auch interessant

Kommentare