Überlebenskünstler

Dieses Meerestier ist nahezu unzerstörbar - nur eine Sache kann es töten

  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Immer wieder überrascht die Tierwelt mit neuen Kuriositäten. Ein ganz besonderer Fall ist da das Bärtierchen. Nicht einmal Radioaktivität kann ihm etwas anhaben.

Stuttgart/Washington, D.C. - Die Tierwelt schafft es immer wieder, uns zu erstaunen. Manche Tiere geben uns Rätsel auf und noch immer werden neue Arten entdeckt. So auch in Mexiko: Dort wurde eine neue Spinnenart gefunden, die mit ihrem Biss menschliches Fleisch zersetzen kann. Um sich verteidigen zu können, haben viele Tiere solch einzigartige Eigenschaften. Diese machen sie zu wahren Überlebenskünstlern.

Vor allem bei winzig kleinen Lebewesen scheint die Natur kaum kreative Grenzen zu kennen - beispielsweise bei den Bärtierchen. Diesen Winzlingen scheint nichts etwas anhaben zu können: Extreme Kälte, Trockenheit, radioaktive Strahlung und selbst das Vakuum des Weltalls kann ihnen kein Haar krümmen. Andere Tiere hingegen können sogar nach ihrem Tod noch gefährlich werden. In China etwa trennte ein Koch in einem Restaurant einer Schlange den Kopf ab - 20 Minuten später biss sie ihn tot.

Bärtierchen: Mit ihrem Namensvetter haben sie nicht viel gemeinsam

Die Bärtierchen sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, denn sie sind gerade einmal einen halben Millimeter groß. Damit scheinen sie mit ihren Namensverwandten, den Bären, erst einmal nicht viel gemeinsam zu haben. Zum Vergleich: Ein Bär ist bis zu 500.000 Mal größer als ein Bärtierchen. Doch wegen ihres tapsigen Gangs und dem pummeligen Aussehen haben sie zumindest zwei Eigenschaften mit einem Bären gemein - und verdanken ihm daher ihren Namen.

Bärtierchen stehen schon lange im Interesse der Forschung. Die US-amerikanische National Academy of Science hat sich mit dem Tierchen beschäftigt. Die Forscher fanden nun heraus, dass die Bärtierchen gar nicht so lethargisch sind, wie lange angenommen wurde. Auf weichen Oberflächen „galoppieren“ die Tierchen sogar, um schneller voranzukommen.

In ihrer Fortbewegungsart lassen sich Vergleiche zu Tausendfüßlern oder Spinnen aufziehen, so Wissenschaftlerin Jasmine Nirody. Für uns scheint diese Erkenntnis über die Bärtierchen keine große zu sein, doch für Evolutionsforscher ist sie es durchaus. Denn mit diesem Wissen kann die Geschichte der Insektenentwicklung noch besser rekonstruiert werden.

Winziger Überlebenskünstler: „Kryptobiose“ lässt Bärtierchen alles überstehen

Bärtierchen sind auch wegen ihrer Lebensweise interessant für die Forschung. Sie kommen überall vor, wo es Wasser gibt. Dadurch werden sie oft auch als „Wasserbärchen“ bezeichnet. Insgesamt gibt es über 1.300 Arten von Bärtierchen, die überall auf der Welt vorkommen: In der Arktis, im Mittelmeer, den Tropen, ja sogar in Tümpeln und Pfützen bei uns in Baden-Württemberg sind sie zu finden. Dabei ist es egal, ob es in ihrem Zuhause heiß oder kalt ist - Hauptsache, es ist feucht. Bärtierchen ernähren sich von Algen, Bakterien, Plankton und Würmern, berichtet wissen.de. Weniger anpassungsfähig sind da andere Wasserbewohner: Eine Umweltkatastrophe sorgte in Europas größter Salzwasser-Lagune für ein riesiges Fischsterben.

Doch was die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler weitaus mehr erregt: Selbst wenn die idealen Lebensbedingungen für die Bärtierchen nicht gegeben sind, können sie in der sogenannten Kryptobiose scheinbar alles überleben. Bei lebensfeindlichen Bedingungen fallen die Winzlinge in eine Art Winterschlaf und mit der Kryptobiose sogar in einen todesähnlichen Zustand. Dann kann ihnen nichts etwas anhaben. Sie überstehen Trockenheit, kochend heißes Wasser, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, ätzende Säuren und sogar Gift. Denn in den Bärtierchen findet in der Kryptobiose weder Zellteilung noch Stoffwechselaktivität statt, auf das etwa Gift wirken könnte.

Wenn sich die Situation wieder bessert, erwachen die kleinen Tierchen zum Leben. Selbst nach 30 Jahren eingefroren im Eis ist das möglich. Diese Eigenschaft lässt die Bärtierchen alles überdauern, macht sie unzerstörbar - zumindest beinahe. Denn eine Sache kann den Bärtierchen dann doch etwas anhaben: Werden sie über zu lange Zeit extremer Hitze ausgesetzt, könnten auch sie irgendwann nicht mehr überleben. Unsterblich sind Bärtierchen übrigens nicht. Die „normale“ Lebensspanne der Winzlinge ist nicht allzu groß. Ohne die kryptobiotischen Zustände hat das Bärtierchen gerade einmal eine natürliche Lebensdauer von zwei Jahren.

Rubriklistenbild: © Waltraud Grubitzsch

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