Ältestes Wirbeltier der Welt

Mysteriöse Haie: Sie wurden zu Zeiten Martin Luthers geboren - und leben noch heute

Ein Eis- oder Grönlandhai schwimmt nahe der Wasseroberfläche.
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Erstaunlicher Meeresbewohner: Der Eis- oder Grönlandhai kann über 400 Jahre alt werden und lebt eigentlich in arktischen Gewässern in großen Tiefen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Ozeane der Erde sind noch immer wenig erforscht. In den Tiefen lebt eine Haiart, die gleich mehrere Rekorde aufstellt.

Kanada/Stuttgart - Die Natur bringt mitunter erstaunliche Kreaturen hervor. Einige davon gibt es sogar in Baden-Württemberg. Nur wenige Menschen dürften wissen, dass es hierzulande diverse Schlangenarten gibt. Die giftige Höllenotter ist beispielsweise eine schwarze Kreuzotter. In Deutschland sind gerade die Tiere mit eher unscheinbarer Größe die echten Hingucker. Wer Angst vor Krabbeltieren hat, wird wohl trotzdem nichts vom deutschen Mini-Skorpion wissen wollen. Richtig skurril und erstaunlich wird es aber über die Grenzen Deutschlands hinaus. Kaum ein Lebensraum ist dabei an Faszination wohl von den Tiefen des Meeres zu schlagen.

Vor nicht allzu langer Zeit sind Forschern Aufnahmen einer ganz besonderen Haiart gelungen. Sie haben optisch so gar nichts mit dem gewohnten Stereotyp zu tun - und einige von Ihnen schwammen wahrscheinlich schon durch die Ozeane, als in Frankreich noch der „Sonnenkönig“ Ludwig der XIV. regierte.

Mysteriöse Haie in der Arktis gefilmt: Aufnahmen zeigen erstaunliche Lebewesen

Wie die Welt berichtet, gelangen Forschern der Universität von Neufundland bemerkenswerte Filmaufnahmen im Ozean um die kanadische Arktis. Eigentlich war der Plan, Routinedaten des Ökosystems zu sammeln. Stattdessen schwammen den Wissenschaftlern zwischen 2015 und 2016 Grönlandhaie vor die Kamera - genau 142 unterschiedliche Exemplare.

Grönlandhaie werden auch Eishaie genannt - wahrscheinlich, weil sie in gerade einmal zwei Grad kaltem Wasser leben. Doch das ist noch die am wenigsten spektakuläre Erkenntnis über die Tiere. Bei den unscheinbar aussehenden Haien ist alles aufs Energiesparen ausgelegt. Mit ungefähr 1,2 Kilometer pro Stunde sind sie die langsamsten bekannten Haie. Zudem wachsen sie nur einen Zentimeter pro Jahr - werden aber trotzdem bis zu acht Meter lang.

Diese Zusammenhänge brachten Forscher aber auf eine spannende Annahme: Grönlandhaie könnten extrem alt werden. Forscher der Universität Kopenhagen wollten es genau wissen und fanden heraus: Grönlandhaie werden zwischen 270 und 510 Jahre alt. Damit dürften einige Exemplare schon gelebt haben, als im 17. Jahrhundert Frankreich von Ludwig dem Sonnenkönig regiert wurde. Und womöglich auch, als Martin Luther im Jahr 1546 starb. Sollte die Altersbestimmung richtig sein, wären Eishaie die ältesten Wirbeltiere unseres Planeten.

Grönlandhaie in der Arktis: Forscher filmen vermutlich noch Jungtiere

Damit ist die faszinierende Geschichte der Eishaie aber noch nicht auserzählt. Denn die Forscher der Universität von Neufundland filmten mit ihren Unterwasserkameras wahrscheinlich noch nicht geschlechtsreife Jungtiere - denn die Haie auf den Bildern sind nicht größer als etwa 3,25 Meter.

„Jungtiere“ ist dabei eine Frage des Blickwinkels. Denn die gefilmten Exemplare sind bereits älter, als je ein Mensch werden könnte. Inzwischen wissen die Forscher nämlich, dass Grönlandhaie erst zwischen 130 und 170 Jahren geschlechtsreif und damit fortpflanzungsfähig sind.

Trotz ihrer Langsamkeit geben sich Eishaie übrigens wohl nicht mit Meerespflanzen als Nahrung zufrieden. Laut Geo fressen Grönlandhaie zwar hauptsächlich Kadaver - gerne auch mal von Eisbären - auf dem Meeresgrund. Sie haben darüber hinaus aber auch eine ganz schön fiese Jagdtechnik: Gemächlich wie sie sich bewegen, nehmen sie einfach schlafende Meeresbewohner ins Visier.

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