Topfschlagen und Co.

Liebesbrief an Kindergeburtstagsspiele: Warum haben wir eigentlich damit aufgehört?

Kinder, die Sackhüpfen
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Irgendwann wird man für Spiele auf Kindergeburtstagen zu cool – dabei macht es auch als Erwachsener noch Spaß.
  • Ines Alberti
    VonInes Alberti
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Spiele auf Kindergeburtstagen hatten häufig was mit Sauereien zu tun. Irgendwann wird man dafür zu cool – dabei macht es auch als Erwachsener noch Spaß. Unsere Autorin spricht aus Erfahrung.

Ein Donnerstagabend im Spätsommer. Wir feiern einen Geburtstag, Wein und der ein oder andere Likör in der Pizzeria haben ihren Dienst getan und wir sind schon leicht angeschickert. In der WG-Küche lassen wir den Abend ausklingen, hören laut Musik und bekommen Lust, feiern zu gehen – was natürlich dank Corona nicht ohne Weiteres möglich ist. Da kommt uns eine alternative Idee: Spiele! Und zwar keine klassischen wie „Mensch ärgere dich nicht“, auch keine Trinkspiele wie Bier Pong.

Nichts Geringeres als Apfeltauchen suchen wir uns aus. Richtig gelesen: das, was wir alle vor Jahrzehnten auf Kindergeburtstagen gefeiert haben. Angefixt von der Idee, Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen, machen wir uns also auf die Suche nach geeigneten Schüsseln, finden bloß eine (was das Spiel nicht uninteressanter macht), platzieren Wasser und Äpfel darin und verbinden zweien von uns die Augen. Die müssen in der Schüssel ausmachen, wer am schnellsten einen Apfel mit den Zähnen packen und herausholen kann.

Wie auf dem Kindergeburtstag: Apfeltauchen weckt den Ehrgeiz

Zuerst kostet es mich Überwindung, den Kopf ins Wasser zu stecken – das Todesurteil für Frisur und Make-up – aber einmal drin, packt mich der Ehrgeiz, meinen Kontrahenten zu verdrängen und so schnell wie möglich einen Apfel zwischen die Zähne zu kriegen. Enthemmt und ohne Rücksicht auf Verluste: egal, ob die Küche nass wird, egal, ob ich meinen Gegner aus der Schüssel werfe, egal, ob ich dabei so laut kreische, dass die Nachbarn unten wach werden.

Adrenalin treibt mich an, und natürlich auch das Anfeuern der zum Publikum dieses Jahrhundert-Wettkampfs gewordenen Geburtstagsgesellschaft. So dauert es nicht lange, bis ich wie ein nasses Spanferkel mit einem Apfel im Mund wieder auftauche – und stolz wie Oskar bin. Möglich, dass der Wein seinen Teil zu meiner ausgelassenen Stimmung beiträgt. Aber auch möglich, dass es einfach befreiend ist, mal wieder ein Spiel aus Kindertagen zu spielen – und zu gewinnen.

Kindergeburtstagsspiele: Man lernt sie erst zu schätzen, wenn es schon zu spät ist

Wann haben wir damit eigentlich aufgehört – und warum bitte?! Irgendwann in unserem Leben war es das letzte Mal, dass wir nach Äpfeln getaucht sind – und in dem Moment wissen wir es nicht einmal. Auf einem Kindergeburtstag waren Mehlschneiden, Sackhüpfen und Topfschlagen noch der heiße Scheiß, auf dem nächsten war man plötzlich zu alt und zu cool für diese vermeintlich lächerlichen Kinderspiele. Dann wurden Jungs eingeladen, das elterliche Wohnzimmer wurde zu einer Disco umfunktioniert und beim Flaschendrehen gab es die ersten Küsschen. Ob das wirklich die besseren Feiern waren? Rückblickend wage ich, das mit einem Nein zu beantworten.

Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn man eigentlich schon aus ihnen herausgewachsen ist. Mittagsschläfchen, Butterbrote von Mama, Handschuhe mit Band. Und Kindergeburtstagsspiele. So lustig Erwachsenenspiele auch sein können – so unbeschwert und frei wie beim Apfeltauchen fühle ich mich bei keinem Krimidinner, nicht bei Wizard und auch bei keiner Runde Tabu. Vielleicht auch, weil wir mittlerweile eher Spiele für den Kopf spielen statt für den Körper – sitzend an einem Tisch, wie schon den Großteil unseres Arbeitstags. Dabei bräuchten wir den Ausgleich mehr denn je.

Nochmal Kind sein: Kindergeburtstagsspiele sollte es häufiger geben

Deshalb plädiere ich dafür: Spielt Kinderspiele! Macht euch frei von Gedanken wie „Was sollen die Nachbarn denken, wenn fünf erwachsene Menschen im Kartoffelsack über die Straße hüpfen?“. Kümmert euch nicht darum, ob eure Hose dreckig wird, wenn ihr auf allen Vieren beim Topfschlagen über den Boden robbt. Geht mal richtig ab beim Stopptanzen.

Glaubt mir, wenn ich euch sage: Es wird befreiend sein, ihr werdet so viel Spaß mit so simplen Aktivitäten haben wie lange nicht mehr – und ihr bekommt ein Stück Kindheit zurück.

Und falls ihr noch Inspiration braucht, was ihr demnächst auf Matthias‘ 34. Geburtstag vorschlagen könntet, um die Stimmung zu heben:

  • Sackhüpfen – wer keine Kartoffelsäcke zur Hand hat: Bettbezüge tun es auch

  • Eierlaufen – in veganen Haushalten einfach mit Tischtennisbällen ersetzen

  • Mehlschneiden

  • Schokoladen-Wettessen

  • Topfschlagen – lässt sich mit einem Kurzen unter dem Topf auch einfach in ein Trinkspiel umwandeln

  • Stopptanzen

  • Blinde Kuh

  • Reise nach Jerusalem

  • Plumpsack

  • Lieder gurgeln und erraten

  • Stift in die Flasche

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