Ein Unternehmen der Schwarz-Gruppe

Lidl: Geschichte des Discounters

Lidl-Zentrale Neckarsulm
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Die Lidl-Zentrale in Neckarsulm
  • VonCarolin Schulz-Osterloh
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Lidl ist inzwischen der größte Discounter-Konzern weltweit. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Alle Infos der Kette von der Gründung bis zum Onlineshop übersichtlich zusammengefasst.

Neckarsulm – Der Discounter Lidl und sein Gründer Dieter Schwarz sind vielen Leuten ein Begriff. Weniger bekannt ist die Dieter-Schwarz-Stiftung, die jährlich viele Projekte aus Bildung und Wissenschaft finanziell unterstützt. Die Stiftung entstand 1999, als sich Schwarz aus der aktiven Unternehmensleitung zurückzog und aus Gründen der Steuerersparnis die Stiftung ins Leben rief.

Lidl – das Konzept der Discounter

Lidl ist eine Discounterkette aus Deutschland. Das Wort Discounter ist ein Anglizismus mit dem englischen Begriff „discount = Rabatt, Preisnachlass“. Discounter entstanden in der Nachkriegszeit, als der Wohlstand stieg und mit ihm die Kauflust der Verbraucher. Supermärkte aus den USA kamen hierzulande in Mode. Anstelle der bekannten Kaufläden mit Tresen und Bedienung handelte es sich bei diesen neuen Geschäften um Selbstbedienungsläden mit einem Komplettangebot an Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs.

Doch durch die Preisbindung der Hersteller waren die Preise selbst im Supermarkt noch relativ teuer. Karl und Theo Albrecht fanden mit ihren Eigenmarken einen Weg, diese Hürde zu umgehen. Sie stellten die Produkte, die sie verkauften, einfach selbst her. Zusammen mit einer minimalistischen Ladenausstattung, einem überschaubaren Warenangebot und dem Selbstbedienungskonzept war es nun möglich, den Kunden dauerhaft niedrige Preise anzubieten. Damit waren die Aldi-Discounter geboren.

Lidl folgte Aldi rund zehn Jahre später mit einem ähnlichen Discounter-Konzept. Die Preisbindung wurde zwar 1974 aufgehoben, doch das Prinzip dieser besonderen Einzelhandelskette hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon fest etabliert und wurde im Laufe der Jahre ein weltweites Erfolgsmodell.

Lidl – die Gründung des Discounters

Ende der 1960er-Jahre war Dieter Schwarz Geschäftsführer des Lebensmittelgroßhandels Lidl & Schwarz KG aus Neckarsulm, dem Unternehmen seines Vaters Josef Schwarz.

Zusammen eröffneten beide 1968 in Backnang einen Supermarkt und nannten ihn „Handelshof“. Sie nutzten hierbei erstmals das Konzept des Supermarkts und sammelten erste Erfahrungen in diesem Bereich.

Dieter Schwarz führte die Idee weiter und wollte 1973 eine Discounterkette nach Art der Aldi-Filialen aufbauen. Dafür eröffnete er in Ludwigshafen am Rhein den ersten Markt.

Eigentlich wollte Dieter Schwarz die Läden „Schwarz-Markt“ nennen. Doch dann hatte er wegen der negativen Assoziation mit den illegalen Schwarzmärkten Bedenken. Um dennoch eine Verbindung zum väterlichen Unternehmen Lidl & Schwarz herstellen zu können, wählte der Unternehmer stattdessen den Namen Lidl.

Doch bevor der Discounter seine Tore öffnen konnte, musste sich der Unternehmer erst die Namensrechte sichern. Dieter Schwarz fand mit dem pensionierten Lehrer und Heimatmaler Ludwig Lidl einen Verwandten des ehemaligen Firmengründers. Er kaufte ihm die Namensrechte ab und durfte seine Kette nun offiziell Lidl nennen.

Lidl – Meilensteine der Geschichte des Discounters

Der Discounter Lidl geht auf die Specerei- und Südfrüchte-Handlung A.Lidl & Cie aus Heilbronn zurück. Der Kaufmann Josef Schwarz trat 1930 in das Geschäft ein und nannte es fortan Lidl & Schwarz KG. Unter seiner Führung wurde aus dem Geschäft ein erfolgreicher Großhandel. Dieses Geschäft bildete die Basis, auf der sein Sohn Dieter die erfolgreiche Discounterkette Lidl aufbaute.

Seit seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre hat das Unternehmen aus Neckarsulm einige Höhepunkte in seiner Geschichte erlebt:

  • 1977 starb Josef Schwarz im Alter von 74 Jahren, sein Sohn Dieter besaß zu dieser Zeit schon 30 Lidl-Filialen.
  • 1978 hatte Schwarz seine Tests mit unterschiedlichen Discounter-Typen abgeschlossen und das heute noch gültige Konzept ging an den Start.
  • 1989 eröffnete das Unternehmen die erste Filiale in Frankreich und ist seither eine international agierende Handelskette.
  • 1990 entstand das erste Lidl-Geschäft in den neuen Bundesländern.
  • 2006 ging der Discounter ins Netz und bot seinen Kunden mit Lidl-Reisen, Lidl-Blumen und Lidl-Fotos gleich drei Online-Angebote.
  • 2008 führte Lidl die Pfandspenden für die Tafeln ein und hat bis heute bereits über 19 Millionen Euro an Spenden gesammelt.
  • 2009 startete der Lidl Onlineshop.
  • 2021 ist Lidl nach der Anzahl der Filialen aktuell der größte Discounter-Konzern der Welt.

Lidl – Engagement für Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen

Die Geschichte von Lidl spiegelt zudem die zunehmende soziale Verantwortung des Unternehmens wider. Ein gutes Beispiel dafür ist die Einführung eines Mindestlohns von 10 Euro pro Stunde im Jahre 2010. Der Lebensmittelhändler war damals Vorreiter in Deutschland.

Der Mindestlohn stieg seitdem kontinuierlich an und liegt momentan bei 12,50 Euro (Stand: Mai 2021).

Ein weiterer Eckpunkt in der Unternehmensgeschichte von Lidl ist der „Code of Conduct“ mit klar definierten Verhaltensregeln zu sozialen Themen und Nachhaltigkeit. Das Regelwerk beinhaltet Punkte wie:

  • Verbot von Kinderarbeit
  • Schutz vor Ausbeutung und Diskriminierung der Arbeiter
  • Versammlungsfreiheit
  • Verhaltensweisen zu Umweltschutz und Ressourcenschonung

2006 ging Lidl ein weiteres Mal mit gutem Beispiel voran. Der Discounter unterstützt seitdem dauerhaft den Fairtrade-Handel und führte zu diesem Zweck das Label „Fairglobe“ ein.

2012 begann Lidl mit „Deine Gesundheit zählt“, einer Aktion zur Gesundheitsförderung der Mitarbeiter mit Tipps für eine gesunde Lebensweise, Rezepten und Informationen zur Arbeitssicherheit.

2018 nahm Lidl mit Bioland erstmals Bio-Produkte in sein Sortiment auf. Außerdem veröffentliche die Schwarz-Gruppe einen 136-seitigen Nachhaltigkeitsbericht. Dort informiert Lidl über seine Nachhaltigkeitsmaßnahmen nach internationalen Standards.

Lidl – das Sortiment des Discounters

Das Motto von Lidl heißt von Beginn an „Beste Qualität zum besten Preis“. Dieses Versprechen gilt sowohl für die Filialen als auch für den Onlineshop.

Das Sortiment des Discounters umfasst wie zu Gründerzeiten überwiegend Lebensmittel. Das Angebot besteht heute aus Markenprodukten und No-Name-Artikeln.

Dazu kommen saisonale Besonderheiten, Bio-Produkte sowie Obst, Frischfleisch und im Backshop frisch aufgebackene Backwaren. Inzwischen umfasst das Food-Angebot bei Lidl mehr als 1.600 verschiedene Waren.

Weitere umfangreiche Bereiche im dauerhaft verfügbaren Sortiment sind:

  • Pflegeprodukte und Kosmetik
  • Babynahrung und -pflege
  • Tiernahrung
  • Reinigungs- und Putzmittel
  • Tabakwaren
  • Zeitschriften
  • Blumen

Zusätzlich zu diesem Stammsortiment bietet Lidl den Verbrauchern ein wöchentlich wechselndes Angebot an Aktionswaren. Zu dieser Kategorie gehören Artikel wie:

  • Kleidung und Heimtextilien
  • Elektronik
  • Heimwerkerprodukte
  • Gartengeräte
  • Schulbedarf
  • Spielwaren

Darüber hinaus unterhält der Discounter eine saisonale Premium-Produktlinie. Hier finden Kunden zu Weihnachten und Ostern mit Fisch und Fleisch, Beilagen sowie Spirituosen rund 150 Artikel der Marke „Deluxe“.

Lidl – der Onlineshop des Discounters

Mit dem Onlineshop haben Kunden seit dem Jahr 2009 die Möglichkeit, Aktionswaren bequem von zu Hause aus zu bestellen. Des Weiteren sind die Angebote im Webshop oft über einen längeren Zeitraum verfügbar, während sie in den Filialen bereits vergriffen sind oder durch den wöchentlichen Wechsel durch andere Waren ersetzt wurden.

Im Onlineshop des Discounters finden sich die Kategorien:

  • Baumarkt
  • Möbel & Einrichtung
  • Haushalt & Küche
  • Hobby & Freizeit
  • Kinderwelt
  • Mode
  • Sport
  • Multimedia & Technik
  • Smart-Home
  • Weine & Spirituosen
  • Tierwelt

Lidl hat damit ein komplettes Online-Warenhaus auf die Beine gestellt. Durch zusätzliche Service-Leistungen wie Ratgeber, Rezeptsammlungen oder Sonderangebote entstehen weitere Kaufreize.

Discounter Lidl – Eigenmarken und Produzenten

Eigenmarken spielen nach wie vor eine wichtige Rolle im Lidl-Konzept. Schon bei der Gründung seiner Einzelhandelskette setzte Dieter Schwarz auf eigene Produktion, um die Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs günstig verkaufen zu können.

Durch die großen Mengen, die der Discounter benötigt, können günstige Konditionen und Rabatte ausgehandelt werden. Diese reicht Lidl in Form von günstigen Preisen an die Verbraucher weiter. Neben eher unbekannten Firmen interessiert diese Strategie auch namhafte Hersteller. Aus diesem Grund finden sich unter den Produzenten für Lidl bekannte Marken. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Nadler Feinkost
  • Appel Feinkost
  • Nestlé Herta
  • die Molkereien Campina und Bauer
  • Lieken
  • Müllers Mühle
  • Ostmann Gewürze
  • die Käserei Karwendel

2020 legte der Konzern offen, welche Hersteller sich hinter den Labels verbergen und woher sie stammen.Insgesamt unterhält das Unternehmen Geschäftsbeziehungen zu über 1.000 Produzenten aus dem Lebensmittelbereich. Dazu kommen gut 700 Textilproduzenten und noch einmal 1.300 Zulieferer für Non-Food-Produkte.

Mehr als die Hälfte der Lebensmittel stammen aus deutschem Anbau, der Rest kommt aus europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien oder den Niederlanden.

Die Aktionswaren wie Textilien, Werkzeuge oder Spielwaren kommen dagegen nahezu komplett aus der Volksrepublik China.

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