154er-Inzidenz auf der Insel

Inzidenz in Großbritannien explodiert – Delta-Variante schwappt nach Europa

  • Bjarne Kommnick
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Großbritannien hat in Europa die höchste 7-Tage-Inzidenz und kämpft gegen die Delta-Variante. Droht der EU schon bald das gleiche Szenario?

London – England kämpft mit der Delta-Variante. Nach Portugal und Russland als Virusvariantengebiete soll nun auch das Vereinigte Königreich auf die Liste kommen. Gleichzeitig beginnen die Sommerferien auf der Insel und die britische Regierung hat trotz massiv steigender Corona-Zahlen für Mitte Juli weitreichende Lockerungen in Aussicht gestellt.

LandVereinigtes Königreich
PremierministerBoris Johnson
HauptstadtLondon
Fläche242.495 km²

„Der 19. Juli bleibt unser Zieldatum“, erklärte der neue britische Gesundheitsminister Sajid Javid am Montag im Londoner Unterhaus. Derzeit sehe man keine Gründe dafür, die Lockerungen erneut zu verschieben, wie es Mitte Juni wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante geschehen war. Die Impfungen wirkten auch gegen die Variante und man strebe an, bis zu dem Datum zwei Drittel der erwachsenen britischen Bevölkerung vollständig geimpft zu haben, sagte Javid weiter.

Delta-Variante: Lage in Großbritannien spitzt sich wieder zu – Höchststand der Corona-Infektionen seit Januar

Dennoch ist Lage ernst. Mit 22 868 neuen Fällen verzeichnete Großbritannien am Montag erstmals wieder so viele neue Corona-Infektionen wie seit Ende Januar nicht mehr.

Aufgrund der strengen Grenzkontrollen dürfte es zwar unwahrscheinlich sein, dass ausgerechnet Reisende aus Großbritannien alleine für eine vierte Coronawelle in Europa verantwortlich sein werden.

Schließlich scheint die hochansteckende Delta-Variante in den meisten EU- und Urlaubsländern bereits angekommen zu sein. Doch kann es in Deutschland überhaupt zu einer vierten Welle kommen?

Delta-Variante: Portugal und Spanien verschärfen Einreise-Regeln für Briten

Dennoch verschärfen Portugal und Spanien die Einreise-Regeln für Briten, obwohl diese für den Tourismus der beliebten Urlaubsländer eine ungemein wichtige Rolle spielen. Die Lage in Großbritannien sei „besorgniserregend“, gab der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez zu verstehen. Es gebe dort inzwischen weit über 150 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen 14 Tagen. Die angekündigte Regelverschärfung werde „in den nächsten 72 Stunden“ in Kraft treten.

Das Innenministerium in Lissabon drohte Briten, die gegen Auflagen verstoßen, mit einer 14-tägigen Quarantäne sowie mit Geldstrafen von 500 bis 2000 Euro. In Portugal tragen zum Teil auch britische Urlauber für den merklichen Anstieg der Corona-Infektion in den vergangenen Wochen die Verantwortung. Nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hat das Land inzwischen mit einer 14-Tage-Inzidenz von gut 124 Infektionen pro 100 000 Einwohner zu kämpfen und somit den höchsten Wert aller 30 erfassten Länder.

Angst vor der Delta-Variante – Experten warnen vor einer vierten Corona-Welle

Experten warnen ganz klar vor einer vierten Corona-Welle. Einige wenige Infektionen könnten bereits reichen, da die Delta-Variante im Vergleich zu anderen Varianten viel ansteckender ist. Die Mutante habe es also einfacher sich schnell zu verbreiten. Das European Centre for Disease Prevention and Control befürchtet, dass bereits im August 90 Prozent aller Neuinfektionen in Europa auf die Delta-Variante zurückzuführen sei. Experten sehen deshalb die Herdenimmunität trotz Massenimpfungen bereits wieder als gefährdet.

Hier protestiert eine Menschenmenge in London gegen die Corona-Maßnahmen - nun kämpft England mit der Delta-Variante.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich deshalb auch am Montag für ein vorübergehendes Reiseverbot von Briten in die EU ausgesprochen. Für Reisende nach Großbritannien sollen strenge Quarantäne-Regeln gelten. Vor allem Personen unter 40-Jahren würden sich schnell mit dem Corona-Virus infizieren. Ein Mitgrund sei dabei jedoch, dass vor allem ältere Personen bereits geimpft seien.

Angesichts der Zahlen und den möglichen Reisen von britischen Touristen in Europas Urlaubshochburgen wie Mallorca, Griechenland oder die Türkei könnten sich hier die Corona-Lage auch hierzulande erneut zuspitzen. Vielleicht kommen Maßnahmen, wie sie gerade Hongkong ergreift, dann ganz schnell auf den Tisch, um eine mögliche Ausbreitung der Corona-Mutation zu verhindern.

Ausbreitung der Delta-Variante: Keine England-Flüge mehr nach London

Wegen der massiven Ausbreitung der Delta-Variante dürfen Flüge aus Großbritannien von Donnerstag an nicht mehr in Hongkong landen. Das Vereinigte Königreich werde als „extremes Hochrisikoland“ eingestuft, teilte die Regierung in Hongkong am Montag mit. Das hat zur Folge, dass Flugzeuge nicht mehr den Flughafen der ehemaligen britischen Kronkolonie in Chinas Süden anfliegen dürfen. Auch Transitreisen soll ein Riegel vorgeschoben werden.

Hongkons Regierung wertet die Testergebnisse von internationalen Einreisenden aus und stuft Länder danach in verschiedene Risikokategorien ein. Werden vermehrt Fälle oder bestimmte Varianten eingeschleppt, wirkt sich das auf die Einstufung des Herkunftslandes aus. In Großbritannien hat sich die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante trotz weit fortgeschrittener Impfkampagne massiv ausgebreitet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile wieder bei knapp 154. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Aaron Chown

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