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Hunderte Polizisten europaweit im Einsatz gegen kriminelle Schleuserbanden

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Vorfall am Hauptbahnhof in München
In Deutschland war die Bundespolizei (Symbolbild) mit 900 Einsatzkräften am europaweiten Einsatz gegen Schleuserbanden beteiligt. © Martin Schutt/dpa/Symbolbild

Polizisten und Staatsanwälte sind europaweit gegen Schleuserbanden vorgegangen. In Deutschland waren allein 900 Einsatzkräfte der Bundespolizei im Einsatz.

Osnabrück/Den Haag (dpa) – Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden sind am Dienstag europaweit gegen Schleuserbanden vorgegangen. Neben Einsätzen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien gab es auch Polizeiaktionen in mehreren Bundesländern, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück mit, die die Federführung in Deutschland hatte.

Europaweiter Einsatz gegen Schleuserbanden – Festnahmen auch in Deutschland

Ergebnisse und Hintergründe sollen an diesem Mittwoch bei einer Pressekonferenz von Eurojust in Den Haag vorgestellt werden. Eurojust, die Agentur der Europäischen Union für die Zusammenarbeit der Justiz in Strafsachen, und Europol koordinierten die Aktion.

Allein in Deutschland waren 900 Einsatzkräfte der Bundespolizei und der Polizeidirektion Osnabrück bei 36 Durchsuchungen von Objekten in Deutschland beteiligt. 18 Beschuldigte in Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wurden festgenommen. Sie stehen im Verdacht, an der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern beteiligt gewesen zu sein.

Niedersachsens Justizministerin lobt Zusammenarbeit – „klappt hervorragend“

Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) sagte, sie sei froh darüber, dass die Strafverfolgung grenzübergreifend funktioniere. „Die Zusammenarbeit mit Frankreich, Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich klappt hervorragend.“ Allein sei der Kampf gegen die Schleuser-Netzwerke nicht zu gewinnen. Schleusern gehe es nie um das Wohl der Menschen, die sich ihnen anvertrauen, sondern immer nur um den maximalen Gewinn.

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einem skrupellosen und niederträchtigen kriminellen Geschäftsmodell, das mit dem Leid und der Not von Menschen Geld verdiene. Die Menschen, die sich auf Schleuser einließen, sähen oft keinen anderen Ausweg, als sich für viel Geld in die Hände krimineller Banden zu begeben und dabei oft das Leben zu riskieren.

Schleuserkriminalität in Europa: Ärmelkanal Hotspot für illegale Übertritte

Schleuserkriminalität zeigt sich in Europa deutlich im Ärmelkanal, den viele Flüchtlinge täglich versuchen, in Schlauchbooten nach Großbritannien zu überqueren. Von Jahresbeginn bis zum 13. Juni wurden 777 Versuche registriert, mit kleinen Booten die Meerenge zu überqueren, wie das französische Innenministerium kürzlich mitteilte.

Dabei sei es um insgesamt 20.132 Menschen gegangen, ein Anstieg um 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für 2021 war bereits von Rekordzahlen die Rede gewesen. 52.000 Menschen versuchten über den Ärmelkanal zu gelangen, 28.000 gelang dies nach Angaben des französischen Ministeriums auch.

Erst am Dienstag stoppte die Polizei in Nordfrankreich mehrere illegale Versuche von Migranten zur Überfahrt per Boot nach Großbritannien. Außerdem wurden 48 Menschen im Ärmelkanal aus Seenot gerettet, wie die Behörden mitteilten.

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