Der News-Ticker

Hochwasser in NRW: Retter stirbt im Einsatz, Laschet preist „Helden“ - Aufbauarbeiten auf „Jahre“ hin?

NRW erlebt eine Unwetter-Katastrophe von nie dagewesenem Ausmaß. Mindestens 45 Menschen verloren ihr Leben. Immer noch besteht in einigen Gebieten Lebensgefahr. Der News-Ticker.

  • NRW: Mindestens 45 Todesopfer und viele Verletzte (siehe Update vom 17. Juli 2021, 18.47 Uhr).
  • Nach den Überschwemmungen drohen weitere Gefahren in Erfstadt-Blessem und Wasserberg. (Siehe Update vom 18. Juli, 15.35 Uhr)
  • Bei ihrer Arbeit werden Einsatzkräfte von Schaulustigen behindert, die Polizei mahnt! (Siehe Update vom 18. Juli, 15.29 Uhr)
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Armin Laschet: „Tun alles, Auswirkungen in den Griff zu kriegen“

Update vom 18. Juli, 20.15 Uhr: Die Folgen des Hochwasser könnten Nordrhein-Westfalen noch lange beschäftigen: „Die Wunden dieser Tage werden wir noch lange spüren“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntagabend in einer Ansprache im WDR-Fernsehen zu den Folgen der Flutkatastrophe. Nach den schweren Unwettern hat der CDU-Politiker auch die „beispiellose Hilfsbereitschaft“ der Menschen gelobt und schnelle Hilfen angekündigt. „Selten ist mir der Sinn des Wortes ‚Mitbürger‘ so deutlich geworden: Es ist bürgerlich, sich für das Wohl der anderen einzusetzen“, so Laschet. Er sei „tief beeindruckt“ über den Einsatz von über 20.000 Helfern in der Region.

Gleichzeitig versprach der CDU-Kanzlerkandidat* schnelle Hilfen durch die Politik: „Als Land tun wir alles, um jetzt die direkten Auswirkungen der Katastrophe in den Griff zu bekommen.“ Er kündigte ein Treffen mit Vertretern der betroffenen Städte und Gemeinden im Laufe der Woche an, „um zu beraten, wie wir die Finanzhilfen ausgestalten, um schnell unsere Heimat wiederaufzubauen.“ Der Wiederaufbau werde Jahre dauern. Die Häufigkeit und die Wucht solcher Katastrophen seien auch eine Folge des Klimawandels, bekräftigte Laschet. „Den müssen wir hier und weltweit schneller und konsequenter bekämpfen. Das Klima gewährt keinen Aufschub.“

In seiner Ansprache erinnerte Laschet an die Opfer der Unwetter-Katastrophe. Dabei berichtete der NRW-Ministerpräsident vom Telefonat mit der Witwe des 46-jährigen-Feuerwehrmannes, der bei einem Rettungseinsatz ums Leben kam. „Sie hat mir erzählt, dass ihr Mann jungen Menschen Werte vermitteln wollte. Er wollte ein Vorbild sein. Er ist noch mehr. Er ist ein Held“, sagte Laschet.

Monatelange Beeinträchtigungen an den Autobahnen in Erftstadt

Update vom 18. Juli, 17.08 Uhr: Die Unwetterkatastrophe hat auch Auswirkungen auf die Verkehrslage in den von den Fluten betroffenen Gebieten. Bei den Kommunen Erftstadt und Swisttal hatten die Wassermassen Teile der Fahrbahn weggerissen. Daher müssen sich Autofahrerinnen und Autofahrer auf den Autobahnen 1 und 61 im Süden Nordrhein-Westfalens noch monatelang auf Beeinträchtigungen einstellen. Die Schadensbegutachtung laufe noch, erst danach könnten die Bauarbeiten beginnen, sagte ein Sprecher der Autobahngesellschaft des Bundes am Sonntag. Die Reparatur werde sehr wahrscheinlich mehrere Monate dauern.

Bis auf Weiteres gelten Vollsperrungen auf der A1 zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth in der einen Fahrtrichtung und in der anderen Fahrtrichtung vom Kreuz Köln-West bis nach Erfttal, wie die Autobahngesellschaft mitteilte. Die A61, die sich bei Erftstadt mit der A1 verbindet, ist in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim voll gesperrt. Grund für die Sperrungen sind nicht nur die beiden Abbruch-Stellen. An anderen Stellen der gesperrten Strecken ist es nach den Worten des Autobahn-Sprechers noch unklar, ob der Untergrund instabil ist. „Es gibt noch viele Unterspülungen - in verschiedenen Abschnitten muss man damit rechnen, dass etwas nachrutscht oder wegbricht.“

Hochwasser in NRW: Lage am Krater in Erftstadt-Blessem angespannt - es besteht Lebensgefahr

Update vom 18. Juli, 15.35 Uhr: Immer noch bleibt die Lage in Nordrhein-Westfalen angespannt. Vielerorts ist zwar die unmittelbare Gefahr in den schwer getroffenen Flut- und Hochwassergebieten vorüber. Das Aufräumen allerdings fängt gerade erst richtig an und auch die Suche nach den Vermissten geht weiter.

Noch immer suchen viele in den Trümmern nach vermissten Angehörigen. Besonders angespannt ist die Lage im Stadtteil Erftstadt-Blessem, wo Fachleute die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. Dort war infolge der Fluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein. Die Polizei sicherte das Gebiet am Sonntag großräumig ab. Online fordert die Stadt die Bevölkerung dringend auf, den Bereich Blessem nicht zu betreten. „Lebensgefahr, auch um den Ortsteil herum, kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.“

Lage in NRW: Nach dem Hochwasser drohen weitere Gefahren

Die von einem Bruch bedrohte Steinbachtalsperre bereitet den Experten am Sonntag ebenfalls weiter Sorge. Auch in Wasserberg, das wegen eines Dammbruchs evakuiert worden war, kann aktuell noch keine Entwarnung gegeben werden. Im teilweise unter Wasser stehenden Stadtteil Ophoven könnten weitere Dammbrüche noch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, teilte die Stadt am Sonntag mit.

Blessem: Experten sollen die Abbruchkante des riesigen Kraters untersuchen - Folge eines Erdrutsches.

Bisher werden 59 Menschen weiter als vermisst gemeldet. 16 davon kämen aus Erftstadt, so die Personenauskunftsstelle laut dpa am Sonntag. Unter den Gesuchten seien auch Bewohner einer Altenpflegeeinrichtung, die am Samstag evakuiert werden musste. Weil in einigen Gebieten immer noch das Telefonnetz zusammengebrochen ist, erreichen viele ihre Angehörigen nicht

Hochwasser in NRW: Polizei klagt über Gaffer und Schaulustige

Update vom 18. Juli, 15.29 Uhr: „Bitte keinen Sensationstourismus!“, schrieb Erftstadt am Sonntag auf seiner Homepage. Die Bevölkerung werde gebeten, das Stadtgebiet von Erftstadt heute nicht zum Ausflugsziel zu machen – ob mit dem Auto, Fahrrad oder zu Fuß. Schaulustige halten die Einsatzkräfte von ihrer Arbeit ab und bringen sich selbst in Gefahr.

Auch in anderen Gebieten von Nordrhein-Westfalen mahnt die Polizei zu Hause zu bleiben. Gaffer und Katastrophentouristen“ behindern massiv die Aufräumarbeiten“, hieß es laut Welt aus der Städteregion Aachen. 

Zahl der Hochwasser-Toten in NRW steigt auf 45

Update 18.47 Uhr: In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe auf 45 gestiegen. Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Samstagabend mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Freitag um zwei erhöht.

Keine Toten wurden bislang bei der Bergung der Fahrzeuge auf der überfluteten Bundesstraße 265 bei Erftstadt gefunden, wie ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises berichtete. Bei der Überprüfung der insgesamt 28 Autos und Lastwagen, die von den Wassermassen überspült worden waren, kamen auch Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zum Einsatz.

Mindestens vier tote Feuerwehrleute in NRW

Update vom 17. Juli, 17.37 Uhr: Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen haben mindestens vier Feuerwehrleute ihr Leben verloren. Das teilte der Verband der Feuerwehren am Samstag mit. Neben den beiden in Altena und Werdohl gestorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen. Ein weiterer Feuerwehrangehöriger der Feuerwehr Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) sei im Einsatz leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus gestorben.

Kraftwerke mit reduzierter Kraft

Update vom 17. Juli, 15.47 Uhr: Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen hat auch Auswirkungen auf die Kraftwerke und somit auch auf die Energieversorgung. Auch das Kohlekraftwerk Weisweiler des Energiekonzerns RWE ist getroffen. Zusammen mit allen betroffenen Standorten schätzte das Unternehmen die Schäden am Samstag (17. Juli) auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Auch die Stromerzeugung des Kraftwerks Weisweiler bei Eschweiler laufe nur mit reduzierter Kraft, teilte RWE in Essen mit. Am Donnerstag habe der Fluss Inde bei Lamersdorf einen Deich überspült und sei in den Tagebau Inden gelaufen. Von dort wird das Kraftwerk mit Braunkohle versorgt. Zwar habe sich die Lage mit sinkenden Pegelständen stabilisiert. Ziel sei, Ende kommender Woche in Inden erstmals wieder Kohle zu fördern. Es sei aber noch unklar, wann der Tagebau und die Stromerzeugung wieder in vollem Umfang arbeiten könnten.

Mit Stand Samstag waren auch RWE-Laufwasserkraftwerke in der Eifel, an Mosel, Saar und Ruhr noch abgeschaltet, wie das Unternehmen mitteilte. Nur zwei Anlagen seien in Betrieb.

Steinbachtalsperre bei Euskirchen: Bruch des Staudamms droht

Update vom 17. Juli 2021, 14.03: An der Steinbachtalsperre bei Euskirchen droht trotz des sinkenden Wasserstands weiterhin ein Bruch des Staudamms. Wie die Bezirksregierung Köln mitteilte, sei der Damm „äußerst instabil“, große Teile des Bauwerks seien
weggebrochen. Es drohe weiterhin akute Überflutungsgefahr für die Orte unterhalb der Talsperre. Weitere Evakuierungen seien deshalb geplant.

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Talsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren bereits evakuiert worden. Entwarnung könne nach Angaben von Experten erst gegeben werden, wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei. Das könnte nach vorsichtiger Schätzung am Sonntagnachmittag gegen 15.00 Uhr erreicht sein. „Bis dahin besteht daher weiterhin akute Dammbruchgefahr“, warnte die Bezirksregierung.

Bürgermeisterin von Erftstadt: Ausmaß der Zerstörung ist „verheerend“

Update vom 17. Juli 2021, 11.31 Uhr: Die Bürgermeisterin des vom Unwetter stark getroffenen Ortes Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, Carolin Weitzel, hat das Ausmaß der Zerstörung als „verheerend“ bezeichnet. Sie sei „sehr froh“, dass bislang keine Todesopfer gefunden worden seien, sagte sie am Samstag im Deutschlandfunk. Viele hundert Menschen seien aber unmittelbar betroffen; sie benötigten jetzt unbürokratische und einfache Hilfe.

Erftstadt brauche für die Aufräumarbeiten technische Ausrüstungen, sagte Weitzel weiter. „Wir werden die umliegenden Kommunen um Amtshilfe bitten. Wir brauchen Fachkräfte und Personal.“

Hochwasser: Dammbruch der Rur im nordrhein-westfälischen Wassenberg

Update vom 17. Juli 2021, 11.11 Uhr: Nach dem Bruch eines Damms der Rur und einer Evakuierung steht im nordrhein-westfälischen Wassenberg der Stadtteil Ophoven teilweise unter Wasser. Dies teilte ein Feuerwehrsprecher am Samstag mit. Etwa 700 Bewohner von Ophoven an der Grenze zu den Niederlanden hatten in der Nacht ihre Häuser verlassen müssen.

Es sei für die Bürger nach wie vor gefährlich, sich in dem Gebiet aufzuhalten, hieß es weiter. „Durch hohe Wasserstände verursachte
Gefährdungen können nicht ausgeschlossen werden“, teilte auch die Stadt mit. Wer nicht in der Lage sei, seine Wohnung selbstständig zu verlassen, solle über eine Hotline um Hilfe bitten.

Der Pegelstand des Wassers stagniere, teilte die Stadt mit. Weiterhin gefährdet sind die Stadtteile Effeld und Steinfeld. Die Vorwarnung einer möglichen Evakuierung bleibe dort bestehen. Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist bislang noch nicht bekannt.

Hochwasser in Deutschland: 19.000 Einsatzkräfte in Nordrhein-Westfalen

Update vom 17. Juli 2021, 10.06: In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben der Landesregierung mehr als 19 000 Einsatzkräfte an den Rettungsarbeiten beteiligt. Die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs NRW tausche sich rund um die Uhr zur aktuellen Lage bei der Hochwasserkatastrophe aus und helfe landesweit bei der Koordinierung, hieß es am Samstagmorgen in Düsseldorf.

Hochwasser-Katastrophe in NRW: 43 Todesopfer

Erstmeldung vom 17. Juli 2021, 08.54 Uhr: Erftstadt - Nach der Unwetter-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz bleibt die Lage weiter angespannt.
Nach Angaben des NRW-Innenministeriums gab es landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte. Laschet beklagte am Freitag eine „Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß“. Es sei zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter steigen.

Hochwasser in Erftstadt (NRW): „Wir gehen von mehreren Toten aus“

Vom Hochwasser besonders betroffen ist die nordrhein-westfälische Ortschaft Erftstadt. Im Stadtteil Blessem trat die Erft über die Ufer und unterspülte zahlreiche Häuser und brachte diese ganz oder teilweise zum Einsturz. Mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg sind eingestürzt. Bislang gibt es keine bestätigten Todesopfer wie ein Kreissprecher am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. „Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht“, hatte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf gesagt.

In anderen Teilen des Rhein-Erft-Kreises gingen die Pegelstände unterdessen zurück, im Norden habe man Evakuierungen aufheben können. Da die Arbeiten der Rettungskräfte im Bereich Blessem noch in vollem Gange sind, könne man nicht ausschließen, noch Todesopfer zu finden. Belastbare Zahlen zu Vermissten gebe es nicht.

Nach Unwettern in NRW: vollständige Evakuierung von Ohe und Ophoven

Nach dem Bruch des Damms im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg wurde dort die Ortschaft Ohe vollständig evakuiert, wie eine Sprecherin der Kölner Bezirksregierung der Nachrichtenagentur AFP sagte. Dort und im Ort Ophoven waren insgesamt 700 Menschen von den Evakuierungen betroffen. (dpa/jsch)

Rubriklistenbild: © David Young/dpa

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