Nach Tod von George Floyd

33-jähriger Nigerianer fährt ohne Fahrschein - eine aufgebrachte Menge verteidigt ihn vor der Polizei

Polizisten auf einer Demonstration gegen Rassismus in Stuttgart.
+
Hauptbahnhof in Stuttgart: Menschengruppe solidarisiert sich mit Nigerianer gegen die Polizei (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die Themen Rassismus und Polizeigewalt beschäftigen aktuell die ganze Welt. In Stuttgart solidarisierte sich eine Menschenmenge mit einem zuvor kontrollierten Nigerianer gegen die Polizeinbeamten.

  • Das Thema „Black lives matter“ beschäftigt aktuell die ganze Welt. Überall gehen Menschen auf die Straßen und demonstrieren gegen Rassismus - auch in Stuttgart.
  • Am Hauptbahnhof in Stuttgart kontrollierte ein Zugbegleiter einen Mann aus Nigeria, der ohne Fahrschein unterwegs war.
  • Nach einer Kontrolle durch die Polizei solidarisierte sich eine Menschenmenge mit dem Mann und ging gegen die Beamten vor.

Stuttgart - Rassismus und Polizeigewalt treiben Menschen auf der ganzen Welt zu Demonstrationen auf die Straßen. Auch in Stuttgart nahmen Menschen an Protesten teil. Linksextreme Gruppierungen missbrauchen die Anti-Rassismus-Bewegung für Gewalt. So kam es bei einer „Black lives matter“-Demonstration in Stuttgart zu Konfrontationen mit der Polizei (BW24* berichtete). Der Auslöser für weltweiten Proteste ist der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd. Floyd starb in den USA, nachdem ein Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet und ihm so die Atemluft abgedrückt hatte.

Der Fall George Floyd und die „Black lives matter“-Bewegung bringen nun auch Menschen in Stuttgart dazu, sich mit Opfern von Rassismus zu solidarisieren. Schon zum wiederholten Male ist deshalb ein Polizei-Einsatz in der Landeshauptstadt eskaliert. Am Hauptbahnhof in Stuttgart* erwischte ein Zugbegleiter einen nigerianischen Staatsangehörigen, der ohne Fahrschein im Zug saß. Als die Polizei Stuttgart* den 33-jährigen Nigerianer daraufhin einer Kontrolle unterziehen wollte, solidarisierte sich eine zuvor unbeteiligte Gruppe mit dem Mann. Sie beschimpften die Beamten.

Hauptbahnhof Stuttgart: Polizei findet gefälschte Dokumente bei Nigerianer

Nach Polizeiangaben fuhr der Nigerianer mit einem Intercity. Ein Zugbegleiter kontrollierte ihn zwischen Göppingen und Plochingen. Der Mann konnte keinen Fahrschein vorweisen. Die alarmierte Polizei nahm die Identität des 33-Jährigen auf, nachdem der Zug am Hauptbahnhof in Stuttgart* zum Stehen gekommen war.

Bei der Personenkontrolle des Mannes fanden die Beamten mehrere Dokumente, die auf andere Identitäten ausgestellt waren. Die Polizei stellte die Dokumente sicher. Die Beamten entließen den im Kreis Sternberg (Bayern) wohnhaften nigerianischen Staatsangehörigen nach Abschluss der Maßnahmen auf freien Fuß.

„Black lives matter“-Bewegung: Gruppe solidarisiert sich am Hauptbahnhof Stuttgart mit Nigerianer

Nach Abschluss der Personenkontrolle am Hauptbahnhof in Stuttgart gegen 19:00 Uhr forderte der 33-jährige Nigerianer lautstark die Herausgabe der zuvor sichergestellten Dokumente. Nach Angaben der Polizei Stuttgart habe er sich aggressiv verhalten und zu schreien begonnen. Eine bis dahin nicht in den Vorfall involvierte Gruppe wurde auf den nigerianischen Staatsangehörigen aufmerksam. Die Gruppe bestand aus ungefähr 15 Personen, die sich nun mit dem Mann solidarisierten.

Die aufgebrachte Menge stellte die Beamten am Hauptbahnhof Stuttgart zur Rede und hinterfragte die Polizeimaßnahmen lautstark. Die Umstehenden warfen den Beamten vor, den Nigerianer aus rassistischen Motiven kontrolliert zu haben. Auf Anfrage von BW24* sagte ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart, dass ein Zusammenhang des Vorfalls mit den derzeit deutschlandweit stattfindenden Demonstrationen unter dem Motto „Black lives matter" nicht ausgeschlossen werden könne.

Tage zuvor war es bereits zu einem ähnlichen Fall gekommen: Als Polizisten in Stuttgart einen 18-Jährigen mit dunkler Hautfarbe in Gewahrsam nehmen wollten*, wurden sie von Hunderten Umstehenden eingekesselt und des Rassismus bezichtigt.

Den Beamten am Hauptbahnhof Stuttgart gelang es mit Unterstützung von weiteren Streifen der Bundes- und Landespolizei, die Situation zu beruhigen. Der 33-jährige Nigerianer sieht sich nun wegen Erschleichens von Leistungen mit einer Strafanzeige konfrontiert.

Am Mittwoch kam es im Zentrum von Stuttgart zu einem Überfall auf eine 86-Jährige*. Ein scheinbar nettes Paar bot der älteren Dame in Stuttgart Hilfe an. Anschließend bedrohten sie die 86-Jährige mit einem Messer und stahlen 70 Euro.

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare