Trotz Badeverbot

Groß-Rohrheim: 17-Jähriger ertrinkt in Baggersee – Bürgermeister lässt Areal absperren

Groß-Rohrheim: Ein junger Nichtschwimmer steigt am Samstag in einen gesperrten Baggersee - und gerät in tödliche Not. Jetzt gibt die Gemeinde die Sperrung des Sees bekannt.

  • Ein 17-Jähriger ertrinkt in einem gesperrten Baggersee bei Darmstadt.
  • Er will sich bei Rekordtemperaturen abkühlen, kommt aber nicht mehr aus dem Wasser.
  • Rettungskräfte können den Jugendlichen in einem Kiessee zwischen Groß-Rohrheim und Biblis nur noch tot bergen.
  • Nach dem Vorfall gibt Bürgermeister Rainer Bersch die Absperrung des Geländes bekannt.

Update vom 14. August: Trotz Badeverbot geht ein 17-jähriger Nichtschwimmer in Groß-Rohrheim in den Baggersee. Er kommt nicht mehr aus dem Wasser und kann nur noch tot geborgen werden. Das Areal wird jetzt eingezäunt, wie aus einem Eintrag auf der Webseite der Gemeinde Groß-Rohrheim hervorgeht. Dort heißt es unter „Aktuelles“: „Sehr geehrte Damen und Herren, ab Samstag, dem 15.08.2020 ist die Zufahrt zum Baggersee Groß-Rohrheim gesperrt! gez. Rainer Bersch (Bürgermeister/Ordnungsbehörde)“

„Baden war da schon immer verboten“, sagte der Bürgermeister dazu am Freitag der Bildzeitung. Der See gehöre zum Gelände einer Firma, die dort eine Kies-Betriebsstätte hat. Das Unternehmen kümmere sich ums Aufstellen des Zaunes.

Groß-Rohrheim: 17-Jähriger ertrinkt in Baggersee – heftige Kritik an Badegästen

Update vom 10. August, 15:30 Uhr: Nach dem tragischen Tod eines jungen Mannes in einem Baggersee, in dem Baden eigentlich verboten ist, meldet sich erneut der Bürgermeister von Groß-Rohrheim zu Wort – und übt harte Kritik an den zahlreichen „Wildparkern“ und Badegästen, die gar nicht hätten vor Ort sein dürfen. Gegenüber der BILD sagt Bürgermeister Rainer Bersch, dass diese Personen das Durchkommen der Retter erschwert hätten. Zwar sei die Freiwillige Feuerwehr noch „recht gut durchgekommen“ – doch die nachfolgenden DLRG und Rettungskräfte hätten es schwer gehabt, wegen der vielen Badegäste und wild geparkter Autos, an den See vorzudringen.

„Menschen, die in der Nähe waren, keine 50 Meter weg, haben nicht helfend eingegriffen“, kritisiert der Bürgermeister von Groß-Rohrheim außerdem gegenüber BILD. Auch wenn das Baden in dem Baggersee des Kieswerk Omlor verboten sei – es sei kaum möglich, illegale Badegäste zu bestrafen, die keinen Personalausweis mit sich führten, wird das Stadtoberhaupt weiter zitiert. Weitere Kontrollen könne nur die Polizei führen, die „nicht jeden Samstag hier stehen“ könne. Am 17. August kommt es in Waldsee auch zu einem Badeunfall. Ein 17-jähriger Mann aus Ludwigshafen stirbt im Marxweiher. Die Hintergründe sind noch unklar.

Groß-Rohrheim: Tödlicher Badeunfall – komplizierte Rettung wegen parkender Fahrzeuge

Update von 10. August, 8:50 Uhr: Die Rettungsarbeiten am Omlor Kieswerk, einem Baggersee in Groß-Rohrheim, seien doch nicht behindert worden, teilte ein Beamter des Polizeipräsidiums Südhessen mit. Lediglich bei der Abfahrt sei es in einer Anliegerstraße durch parkende Fahrzeuge zu kleinen Komplikationen gekommen.

Update vom 9. August, 16:35 Uhr: Am Rande der Rettungsmaßnahmen zeigt sich Groß-Rohrheims Bürgermeister Rainer Bersch besorgt, dass der „Betrieb am Baggersee überhand nimmt“. Bei dem Baggersee handele es sich „nicht um einen Badesee, wie viele glauben, sondern um eine Kiesgrube, die auch noch in Betrieb ist“, ergänzt Bersch. Wegen Strömungen und Untiefen sei das Schwimmen im Kiessee sehr gefährlich. Die Durchfahrts- und Badeverbotsschilder würden teils „hundertfach ignoriert“ , kritisiert der Bürgermeister von Groß-Rohrheim. Die Gesamtsituation bezeichnet Bersch als „sehr besorgniserregend“.

Groß-Rohrheim: 17-Jähriger ertrinkt in Baggersee – wurden Rettungsarbeiten behindert?

Aus einem Facebook-Post der DLRG Bergstraße geht hervor, dass die „Rettungsarbeiten durch unzählige Personen und Fahrzeugen behindert wurden“. Trotz Badeverbot hätten Badegäste ihre Fahrzeuge in Seenähe abgestellt und so ein Durchkommen der Rettungskräfte erschwert, kritisiert die DLRG.

Grundtext vom 9. August, 13:20 Uhr: Warnhinweise und Verbotsschilder haben für viele Jugendliche und auch einige Erwachsene leider keine abschreckende Wirkung. Sie setzen sich darüber hinweg und bezahlen ihren Leichtsinn manchmal sogar mit ihrem Leben. Ein tragisches Beispiel dafür ereignet sich am Samstag (8. August) in einem Baggersee zwischen Groß-Rohrheim und Biblis (Kreis Bergstraße).

Groß-Rohrheim: Jugendlicher Nichtschwimmer ertrinkt in Baggersee

Wie MANNHEIM24* berichtet, fahren mehrere Jugendliche am Samstag bei Rekordtemperaturen an den Groß-Rohrheimer Baggersee, der vom „Omlor Kieswerk“ genutzt wird. Um kurz vor 16 Uhr meldet sich ein junger Mann bei der Rettungsleitstelle - sein Kumpel sei im See untergegangen. Feuerwehr und DLRG leiten sofort Suchmaßnahmen ein, auch ein Polizeihubschrauber kreist über dem Kiessee. Gegen 16:30 Uhr können die Suchmannschaften den 17-jährigen Nichtschwimmer leblos aus dem Wasser bergen. Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos. Einen Tag später stirbt ein junger Mann in einem Weiher in Böhl-Iggelheim.

Ermittlungen des Kriminaldauerdiensts haben ergeben, dass der 17-Jährige aus Darmstadt ins Wasser ging, um sich abzukühlen. Die Polizei vermutet, dass der Nichtschwimmer wegen des steil abfallenden Ufers in Not geriet und „klatschte“. Sein Kumpel versuchte ihm zwar noch zu Hilfe zu kommen, konnte ihn aber nicht retten, da er selbst Nichtschwimmer ist.

Großrohrheimer Baggersee kein öffentlicher Badesee!

Wie die Polizei mitteilt, ist der See Teil des Firmengeländes und kein öffentlicher Badesee - auch wenn im Internet ein gegenteiliger Eindruck erweckt wird. Auf Schildern rund um den See wird darauf hingewiesen, dass das Zutritt zum Gelände und das Baden im See verboten sind. Um an den See zu gelangen, muss man einen zwei bis drei Meter hohen Erdwall überwinden.

Verbotsschilder warnen vor dem Baden im Groß-Rohrheimer Kiessee.

Ebenfalls am Samstag kommt es am Badesee in St. Leon-Rot zu einem tödlichen Badeunfall*. Ein 52-Jähriger ist zunächst am Wasserski fahren, als er kurz darauf leblos im See treibt. Trotz langer Reanimation stirbt auch der Mann aus Waldbronn. Vor wenigen Tagen endet auch ein weiterer Badeunfall in Germersheim tödlich. (rmx) *MANNHEIM24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Jürgen Strieder

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