Warmwasserströmung

Forscher warnen: „Weltuntergangs-Gletscher“ schmilzt schneller als gedacht

Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis von oben betrachtet.
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Forscher sind besorgt, denn der Thwaites-Gletscher schmilzt schneller als bisher angenommen. Das kann enorme Auswirkungen für den Klimawandel bedeuten.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Der Meeresspiegel könnte noch schneller steigen als gedacht: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Warmwasserströme den Thwaites-Gletscher in der Antarktis schmelzen lassen.

Antarktis - Der Klimawandel hat fatale Folgen. Wissenschaftler prophezeien es schon lange: Die Klimakrise schreitet schneller voran als erwartet. Das wirkt sich auch auf das Wetter in Deutschland aus. Das wurde dieses Jahr besonders deutlich: Hitzeperioden mit extremen Temperaturen, Starkregen und Überflutungen - die Wetterextreme haben die Menschen weltweit vor eine Herausforderung gestellt. In Italien wurde sogar im August mit 48,8 Grad Europas Hitze-Rekord geknackt.

Forscher haben nun eine Entdeckung gemacht, die beunruhigt. Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis wird von Forschern auch als „Weltungergangs-Gletscher“ berzeichnet, berichtet auch Merkur*. Den Namen erhielt der Gletscher, da er zusammen mit dem Pinses-Gletscher in der Westantarktis die Eismassen vom Südpazifik fernhält. Durch die voranschreitende Schmelze des Thwaites-Gletschers kann dieser die Eismassen künftig aber immer weniger zurückhalten - gelangt das Eis in den Südpazifik, wird der Meeresspiegel noch schneller ansteigen, als bisher schon.

Neuste Forschungen von Wissenschaftlerin Karen Heywood von der University of East Anglia und ihrem Team zeigen jetzt: Um den Gletscher steht es schlimmer, als bisher angenommen. Das hat verheerende Auswirkungen auf die gesamte Welt.

„Weltuntergangs-Gletscher“ schmilzt schneller als gedacht - Warmwasserströme sind Auslöser

Die Wissenschaftler fanden mithilfe eines Tauchroboters heraus, dass unter dem Gletscher drei Warmwasserströme verlaufen. Diese Ströme höhlen den Gletscher von unten aus und der Teil des Eises, der mit dem Meeresboden verbunden ist, könnte ebenso schmelzen. Löst sich diese Verbindung, verschiebt sich der gesamte Gletscher in Richtung Festland und neue Bereiche werden den Warmwasserströmen ausgesetzt - das lässt das Eis noch schneller schmelzen.

Laut Wissenschaftlern besonders schlimm: Große Mengen des Warmwassers fließen genau an der Verbindung zwischen Gletscher und Meeresboden entlang. Verliert der Gletscher diese Verbindung, droht er zudem, sein Gleichgewicht und seine Stabilität zu verlieren. Auch dadurch schmilzt das Eis noch schneller. Schon 2017 löste sich ein riesiger Eisberg in der Antarktis ab. Das „Eismonster“ bedrohte eine ganze Tierpopulation.

Insgesamt berechneten die Forscher anhand der Wärmeenergie der Ströme, dass diese jährlich 75 Kubikkilometer Eis schmelzen lassen. Zum Vergleich: Das sind mehr als 25 Mal so viel Wasser, wie im Starnberger See.

Schmelze des Thwaites-Gletscher lässt Meeresspiegel ansteigen - „katastrophale Entwicklung“

Ein weiteres mögliches Szenario beunruhigt die Wissenschaftler. Bricht der Gletscher infolge der Schmelze auseinander, treiben die Eismassen frei ins Meer. Das wiederum lässt den Meeresspiegel ebenfalls schneller ansteigen. Die Forscher befürchten eine katastrophale Entwicklung für das Weltklima. Auch die Gletscher in den Alpen bilden sich durch die Klimaerwärmung immer weiter zurück, es kommt vermehrt zu Felsstürzen. Überwachungsbilder aus den Alpen zeigen die Bedrohung für ganz Europa.

Das Schmelzen der Gletscher in der Westantarktis ist bereits jetzt für rund zehn Prozent des weltweit steigenden Meeresspiegels verantwortlich. Der „Weltuntergangs-Gletscher Thwaites macht sogar 40 Prozent davon aus. *Merkur ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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