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„Bahnbrechend“: Forscher entdecken bizarre Meereskreaturen im „Auge von Sauron“

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Von: Bjarne Kommnick

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Auf einer Expeditionsreise sind Forscher und Forscherinnen auf mysteriöse Kreaturen gestoßen. Sie entdeckten in der Tiefe bisher unbekannte Arten.

Melbourne – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Museums Victoria Research Institutes in Melbourne sind auf ihrer 35-tägigen Expeditionsreise im Indischen Ozean auf einige äußerst seltene Meeresbewohner gestoßen. „Wir haben eine erstaunliche Anzahl potenziell neuer Arten entdeckt, die in diesem abgelegenen Meeresgebiet leben“, erklärt Dr. Tim O‘Hara, der leitende Wissenschaftler der Expedition gegenüber „dailymail.co.uk“. Vor allem in der Nähe von Unterwasservulkanen entdeckten die Forscher wundersame Tiere, wie kreiszeitung.de berichtet.

Gewässer:Indischer Ozean
Fläche:70.560.000 km²
Mittlere Tiefe:3.890 m
Erstreckung:Südostasien, Vorderasien, Ostafrika, Australien

Forscher entdecken bizarre Meereskreaturen im „Auge von Sauron“

Insgesamt erstreckte sich die Forschungsreise über 11.000 Kilometer und hatte insbesondere das Ziel, den Meeresboden des abgelegenen Cocos Islands Marine Park im Indischen Ozean zu kartieren. Das Forschungsschiff „Investigator“ brach im September zu den australischen Territorien im Indischen Ozean auf, die die Weihnachts- und Kokosinseln umgeben, um die gewaltigen Unterwasserberge, die in dieser Region liegen, zu fotografieren.

Blinder Aal.
Der Blinde Aal legt keine Eier, sondern gebärt lebende Jungen. © Museums Victoria Research Institutes

Unerforschte Tiefen: Experten kartieren Meeresgebirge im Indischen Ozean

Das Team hat detaillierte, dreidimensionale Karten der Unterwasserberge erstellt, die so noch nie zuvor visualisiert wurden. „Wir haben diese neuen 3D-Karten und Unterwasser-Videobilder direkt vom Schiff an die Menschen auf den Kokosinseln übertragen, die sich sehr darüber gefreut haben, ihre Meereslandschaft in ihrer ganzen Pracht zu sehen“, so O‘Hara. Damit sollte ein Forschungsprojekt abgeschlossen werden, das vergangenes Jahr startete und das Management und den Schutz des Gebiets unterstützen soll, nachdem es im März von der australischen Regierung als Teil eines Meeresparks eingerichtet wurde.

„Atemberaubend“: Forscher entdecken auf Expedition seltene Meereskreaturen

Nelson Kuna, einer der zwei hydrografischen Vermessungsingenieure an Bord des Schiffes der australischen Wissenschaftsbehörde CSIRO, fügt hinzu: „Der Datensatz deckt jetzt ein beträchtliches Gebiet des neuen Meeresparks ab und zeigt die Cocos Islands als die Zwillingsgipfel eines massiven Seeberges, der sich fast 5.000 m vom umgebenden Meeresboden erhebt. Es ist wirklich eine Ehre, diese atemberaubenden Merkmale zum ersten Mal aus der Tiefe zu sehen.“

Meeresbewohner aus der Nähe des Kokos-Inselnn.
Auf einer Forschungsreise des Museums Victoria Research Institutes entdecken Forscher Meeresarten in der Nähe der Kokos-Inseln, die dort gar nicht Zuhause seien. © Museums Victoria Research Institutes

Unerforschte Abgründe: Bizarre Lebewesen aus der Tiefe

Doch neben der Kartierung hatte die Forschungsreise einen spannenden Nebeneffekt. Als Teil der Expedition wollten die Forscher zu Studien- und Ausstellungszwecken auch Proben von einigen bis zu fünf Kilometer tief unter der Wasseroberfläche lebenden Tiefseekreaturen nehmen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stießen auf ihrer Reise auf seltene Meeresbewohner und nahmen hochauflösende Fotos von ihnen auf. Zuletzt machten auch Fotos eines äußerst seltenen Fisches an der Küste von Neuseeland die Runde. Das Foto einer gefleckten Meersau vor Italien hingegen sorgte im Netz für einen Shitstorm.

Wissenschaftler begegnen seltenen Meereskreaturen auf Forschungsreise

Die Funde waren teils spektakulär: Zunächst entdeckten die Forschenden einen blinden Aal mit einer losen, transparenten Haut. Im Gegensatz zu anderen Fischen, die Eier legen, bringt dieser lebende Junge zur Welt. Auch ein Pelikanaal wurde gesichtet, der seine samtige schwarze Haut und ein leuchtendes Organ an der Spitze seines Schwanzes nutzt, um Beute anzulocken.

Fledermausfisch.
Der Fledermausfisch „humpelt“ mit seinen Flossen über den Meeresboden. © Museums Victoria Research Institutes

Zwar habe er nur einen kleinen Kopf, dennoch sei er in der Lage, mit seinem massiven und dehnbaren Magen auch größere Tiere zu verschlingen, ähnlich wie Pythons, die sogar Menschen verschlingen können. Ein weiterer Aal auf der Liste der Forscherinnen und Forscher sei der Schnepfenaal, der zwar nur rund 50 Gramm wiegen würde, jedoch mit seinen Zähnen robuste Krebstiere auseinanderreißen könne.

Eidechsenfisch besitzt männliches und weibliches Geschlecht

Auch auf einen hermaphroditischen Eidechsenfisch mit langen scharfen Zähnen, der sowohl männlich als auch weiblich funktionelles Fortpflanzungsgewebe besitze, stießen die Forscher. Anschließend begegneten sie Tiefsee-Fledermausfischen, die einem Knödel ähneln und auf armähnlichen Flossen über den Meeresboden humpeln. Zudem wurde eine Art des Netzaugenfisches gesichtet, ähnlich selten wie ein Mondfisch, der Fischern von Spaniens Küste in Netz gegangen ist.

Lebendgebärende Aale, furchterregende Vipern-Fische und Pfannkuchen-Seeigel

Besonders furchterregend sieht ein auf der Expedition entdeckter Sloane-Viperfisch aus, dessen Zähne so groß sind, dass sie sogar bei geschlossenem Maul sichtbar sind. Zudem trägt er an der unteren Flosse Lichtorgane, um seine Beute anzuziehen. Zu guter letzt stießen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einen Pfannkuchen-Seeigel, der – anders als sein Name vermuten lässt – nicht genießbar ist, weil sein Körper mit giftigen Stacheln bedeckt ist.

Forscher entdecken Meeresbewohner im Indischen Ozean – die dort zuvor nicht heimisch waren

Die Tiere und Pflanzen, die die Seeberge ihr Zuhause nennen, hätten große Entfernungen zurückgelegt, um dorthin zu gelangen, unterstützt durch starke Strömungen aus dem östlichen Pazifischen Ozean und dem nordwestlichen Indischen Ozean. Früher hätten die von den Forschern entdeckten Arten dort noch nicht gelebt. Kein Einzelfall in den Weltmeeren, wie auch das Beispiel von seltenen Seedrachen an der Küste von Australien zeigt. Zudem würde der flache Teil der Meeresberge jetzt auch ein Netz aus Meereshöhlen und Schluchten beherbergen, in denen ein Ökosystem brillanter Meeresorganismen gedeiht.

Während des ersten Teils der Expedition entdeckten die Wissenschaftler zudem einen Unterwasservulkan, der wie das „Auge von Sauron“ des bösen dunklen Lords aus den „Herr der Ringe“-Filmen aussehen soll. Er wurde in einer Tiefe von rund 3 km unter dem Meeresspiegel entdeckt, etwa 280 Kilometer südöstlich der Weihnachtsinsel. Er habe einen Durchmesser von rund fünf Kilometern und einen rund 300 Meter hohen Rand, der einem Augenlid ähnelt und einem zentralen Gipfel, der einer Pupille gleicht.

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