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Bußgeld droht: Wer sich in Italien nicht an Handtuch-Regeln hält, riskiert saftige Strafe

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Von: Martina Lippl

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Italien geht gegen „Platz-Reservieren“ am Strand vor. Urlaubern droht bis 3.000 Euro Strafe.
Italien geht gegen „Platz-Reservieren“ am Strand vor. Urlaubern droht bis 3.000 Euro Strafe (Symbolfoto). © guardiacostiera.gov.it

Italien versteht keinen Spaß mehr. Wer sich mit einem Handtuch oder Sonnenschirm einen Platz am Strand sichert, muss mit drastischen Strafen rechnen.

Rom – In den frühen Morgenstunden geht es an vielen italienischen Stränden schon wild zu. Urlauber stellen schnell Sonnenschirme oder Liegestühle auf und legen Handtücher aus, um sich einen Platz an den öffentlichen Stränden zu sichern. Skrupellose sichern sich ihren Strandplatz oft tagelang. Es ist ein bekanntes Phänomen – dem Touristen auch in anderen Urlaubsländern mit einem ausgewachsenen Ehrgeiz nachgehen. An einigen Stränden von Kroatien entwickelt sich dieses Platzhirsch-Verhalten zu einem massiven Problem. Appelle an die Vernunft der Badegäste zeigen kaum Wirkung.

Italien: Handtuch-Eklat am Strand – Urlaubern droht bis 3.000 Euro Strafe

In Italien fällt das Platz-Besetzen mit einem Handtuch oder ähnlichen Dingen allerdings nicht mehr nur unter schlechtes Benehmen, sondern ist gesetzlich verboten, wie Merkur.de berichtet. Wer einen „Platzhalter“ an einem öffentlichen Strand oder Küste zurücklässt, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 3.000 Euro. Von gnadenlosen Razzien an der Küste der Toskana berichten italienische Medien. Gegen illegale Sonnenschirme und Liegestühle geht die italienische Küstenwache gemeinsam mit der Polizei vor.

Urlaubsziel Italien: Razzia der Küstenwache am Strand von Elba gegen „Platz-Reservierung“ 

Auf der Insel Elba sind im Morgengrauen am Montag (22. August) Dutzende Handtücher, Liegestühle und „Platzhalter“-Regenschirme am Strand Marina di Campo beschlagnahmt worden. Es seien auch schon saftige Bußgelder erhoben worden. In einigen Fällen würden die Ermittlungen zur Identifizierung der Eigentümer der Badesachen noch laufen.

Die lokale Webseite ElbaReport hat einen Brief zu der Aktion veröffentlicht, der die Beschlagnahmung am Strand auf schärfste kritisiert. „Die Carabinieri beschlagnahmten alle Sonnenschirme und Liegestühle der Badegäste, die vor 8 Uhr morgens am Strand, zurückgelassen wurden“, heißt es in dem Brief. Um die Sachen zurückzubekommen, müssten die betroffenen Badegäste eine Geldstrafe von mehr als 2.000 Euro zahlen und es würde ein Strafverfahren eingeleitet. Hinweisschilder oder Warnschilder auf das neue Gesetz am Strand fehlten. Deswegen habe niemand von der neuen Regel, die dieses Jahr eingeführt wurde, gewusst.

ElbaReport lässt diese Behauptungen allerdings nicht gelten und stellt deutlich klar, dass es seit Jahren in Italien ein solches Gesetz gibt und es im gesamten Land gültig sei. An sogenannten freien Stränden („spiagge libere“) sei es tatsächlich verboten, Gegenstände, wie Matratzen, Sonnenliegen und Sonnenschirme für längere Zeit stehenzulassen.

Italien: Platz am Strand und an der Küste knapp

In Italien ist der Platz an den Küsten und Stränden knapp. Der freie Zugang zum Strand eigentlich gesetzlich festgeschrieben. Doch an Italiens Badeorten reiht sich oft ein Strandbad an das andere. Für einen Sonnenschirm und eine Liege wird dort kräftig abkassiert. Wer im Meer baden will, muss zahlen. In der Sommersaison brummt das Geschäft. Italien vergibt Strandbad-Konzessionen zu einem Spottpreis. Strandbäder wurden über Generationen weitergegeben. Konzessionen automatisch verlängert. Doch die Genehmigungen müssten regelmäßig ausgeschrieben werden – europaweit. Nach einer Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) im Jahr 2016 ist die italienische Vergabe-Praxis unrechtmäßig.

Italien: Besuch am Meer ist in Strandbädern teuer – kaum öffentliche Strände

Die Lobby der Strandbadbetreiber wehrt sich bislang erfolgreich gegen eine Änderung, spricht von „italienischer Tradition“. In Italien ist wohl vielen kaum bewusst, dass es ein Recht auf einen freien Zugang zum Meer gibt. Die meisten haben sich offensichtlich damit abgefunden, für einen Platz am Meer zu bezahlen. Zumal sich die Strandbäder gerne unerlaubt ausbreiten. Auf den öffentlichen Stränden tobt dagegen seit Jahren ein unerbittlicher „Handtuch-Kampf“ um die besten Plätze.

Italien: Italienische Küstenwache kontrolliert die Nutzung von freien Stränden

Die Küstenwache geht dort immer wieder gegen Reservierungen vor. In den vergangenen Wochen haben sich die Razzien laut Medienberichten verstärkt. Offenbar mit Erfolg. „Die Operation #MareSicuro von #GuardiaCostiera hat unter anderem die Kontrolle der korrekten Nutzung von freien Stränden und Meeresabschnitten zur öffentlichen Nutzung zum Ziel“, twitterte die italienische Küstenwache im August. Und lieferte ihre Erfolgsbilanz für den Sommer 2022 gleich mit: „In diesem Sommer wurden bisher rund 131.000 Quadratmeter Strände und Meeresabschnitte an die Gemeinde zurückgegeben.“

Bisher sorgten Handtücher in der ersten Reihe am Pool in Hotelanlagen für Ärger. Dabei kann es ganz schön zur Sache gehen. Erst vor kurzem sorgte ein Video von einem Handtuch-Eklat für Aufsehen. (ml)

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