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Elon Musk: Stillgelegte Atomkraftwerke sollten wieder hochgefahren werden

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Von: Jakob Koch

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Für Tesla-Chef Elon Musk gehört es zum guten Ton, sich in aktuelle Debatten einzumischen. Doch jetzt überrascht er mit Aussagen über den Erhalt von Atomkraftwerken.

Austin – Angesichts des Krieges in der Ukraine werden zahlreiche Stimmen laut, die fordern, dass die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängert werden sollten. In Deutschland zählt etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dazu und auch sein Amtskollege in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), schließt angesichts der drohenden Energiekrise eine Verlängerung der Laufzeiten für Kohle- und Atomkraftwerke nicht aus. Doch auch außerhalb der Politik gibt es viele, die sich für den Erhalt und die Wiederbelebung von AKW vor allem in Europa einsetzen – zu ihnen zählt überraschenderweise auch Tesla-Chef Elon Musk.

Der 50-Jährige schrieb auf Twitter, dass es derzeit mehr als offensichtlich sei, dass Europa stillgelegte Atomkraftwerke wieder hochfahren und zudem die Leistung bestehender Kraftwerke erhöhen sollte. „Das ist entscheidend für die nationale und internationale Sicherheit“, so Elon Musk, der erst kürzlich davor warnte, dass selbstfahrende Autos uns zum „ultimativen Bosskampf“ führen würden. Zudem glaubt der Multimilliardär, dass „Kernkraft für die globale Erwärmung weitaus besser ist, als die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen zur Energiegewinnung“.

Tesla-Chef Elon Musk vor einem Atomkraftwerk (Collage)
Tesla-Chef Elon Musk ist dafür, dass stillgelegte Atomkraftwerke in Europa wieder hochgefahren werden. © Julian Stratenschulte/dpa & Ben Macmahon/AAP/dpa (BW24-Collage)

Elon Musk würde potenziell atomar verseuchte Lebensmittel im Fernsehen essen – „reise sofort dahin“

Die potenziellen Gefahren atomar verseuchter Landschaften sieht Musk eher als überschaubar an. Er fordert „diejenigen auf, die (fälschlicherweise) denken, dass es ein Strahlungsrisiko gibt“, ihm einen Ort auf der Welt zu nennen, der am schlimmsten betroffen sei. „Ich werde dorthin reisen und lokal angebautes Essen im Fernsehen essen. Ich habe das vor vielen Jahren in Japan gemacht, kurz nach Fukushima. Das Strahlenrisiko ist viel, viel geringer als die meisten Menschen glauben“, fügt er hinzu.

Musk kassiert für die klare Positionierung sowohl Lob als auch Häme und Kritik im Netz. Ein Twitter-Nutzer fordert ihn auf, „nach Tschernobyl zu gehen“, um dort nahe des 1986 explodierten „Reaktor Nummer vier lokal angebaute Lebensmittel zu essen“. Ein anderer Nutzer fragt Musk, was „wir mit dem radioaktiven Abfall“ machen, der in Kernkraftwerken anfällt. Darauf ging der Tesla-Chef jedoch nicht ein. Ein anderer Nutzer stimmt Musks Thesen zu. „Im Moment die richtige Lösung, langfristig nicht“, schreibt der User und weist ebenfalls auf die Endlagerung radioaktiver Abfälle hin.

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke in Deutschland? Bundesregierung sieht „große Risiken“

In Deutschland wurde der beschleunigte Atomausstieg 2011 gesetzlich beschlossen. Als letzte Meiler abgeschaltet werden nach dem Atomgesetz spätestens am 31. Dezember die Kraftwerke Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2, in dem vor kurzem radioaktives Wasser ausgetreten war. Elon Musk hatte erst Ende vergangenen Jahres öffentlich die Entscheidung Deutschlands, komplett aus der Kernenergie auszusteigen, kritisiert: „Ich glaube nicht, dass das die richtige Entscheidung war.“

Längere Laufzeiten für die noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland sind für das Wirtschafts- sowie Umweltministerium jedoch längst vom Tisch. Die beiden Häuser hatten mit Blick auf den Ukraine-Krieg und für den Fall eines Ausfalls russischer Energielieferungen geprüft, ob die Kraftwerke weiter genutzt werden sollten.

Das Ergebnis: Längere Laufzeiten seien weder sinnvoll noch vertretbar, sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) in dieser Woche. „Einem kleinen Beitrag zur Energieversorgung stünden große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken entgegen.“ Vom Hochfahren bereits stillgelegter Kraftwerke ist überhaupt nicht die Rede.

AKW und Kohlemeiler in Baden-Württemberg – das sagt Winfried Kretschmann

In Baden-Württemberg ist das AKW Neckarwestheim nach bisheriger Planung noch bis Ende dieses Jahres in Betrieb. Zu einer möglichen längeren Laufzeit des Meilers, den der Energiekonzern EnBW betreibt, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Wie bisher auch mische ich mich nicht ins operative Geschäft der EnBW ein.“

Zudem sei eine solche Verlängerung der Laufzeiten eine Entscheidung der Bundesregierung. „Es handelt sich im Blick auf Sinnhaftigkeit, Umsetzbarkeit und juristisch um sehr komplexe Fragen.“ Das werde nun geprüft. „Klar ist - erst recht nach den potenziell sehr gefährlichen Angriffen auf Nuklearanlagen - dass es grundsätzlich beim Ausstieg aus der Atomkraft bleibt und eben dem Wechsel auf Erneuerbare.“

In einem gemeinsamen Prüfvermerk des Wirtschafts- und Umweltministeriums heißt es: „Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken ist eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen.“ Eine Verlängerung könnte nur einen sehr begrenzten Beitrag zur Lösung des Problems leisten und dies zu sehr hohen wirtschaftlichen Kosten. Der Staat müsste in großem Umfang Risiken übernehmen. Dies stehe in keinem Verhältnis.

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