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Keine Rotorblätter: Windkraftwerk in kurioser Spargel-Optik erzeugt Strom durch Wackeln

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Von: Julia Hawener

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Visualisierung einer Vortex-Bladeless
Wie eine herkömmliche Windkraftanlage sieht sie nicht aus: Die Vortex-Bladeless hat keine Rotorblätter und erzeugt Strom durch Schwingung. © Vortex Bladeless/Instagram

Ein Windkraftwerk aus Spanien kommt ganz ohne Rotorblätter aus. Statt auf Drehbewegungen setzt die Anlage des Start-ups auf Schwingungen. Auch die Optik des Kraftwerks ist außergewöhnlich.

Madrid/Ávila - Windkraft ist vergleichsweise billig, klimaschonend und birgt kein Risiko eines atomaren Unfalls. Und trotzdem ist sie in der Bevölkerung nicht sehr beliebt. Kritiker bemängeln häufig, dass Windräder kaum zu übersehen sind und die Landschaft mit ihren gewaltigen Rotorblättern verunstalten. Und während Anwohner sich vom Lärm und Schall der Windturbinen gestört fühlen, machen sich Artenschützer Sorgen um Vögel und Fledermäuse. Denn diese könnten mit den Windrädern kollidieren und sterben. Trotzdem will etwa das Land Baden-Württemberg den Ausbau von Windrädern vorantreiben.

Nun will das spanische Unternehmen „Vortex Bladeless“ eine Alternative zu den bekannten Windrädern auf den Markt bringen, um die eben genannten Probleme der Windrad-Gegner zu lösen. Dabei setzt die Firma auf Schwingungen, um Energie aus Wind zu erzeugen. Die spargelförmige Anlage besitzt keine Rotorblätter - so wie eine konventionelle Windkraftanlage - und sieht mehr nach einem Windstab aus. Auch Bremsen, ein Getriebe und einen Generator im eigentlichen Sinne sucht man hier vergeblich. Denn statt Drehbewegungen nutzt das spanische Start-up die sogenannte Vortizität. Eine Kraft, die zum Beispiel auch Wolkenkratzer zum Schwingen bringt. Bei den hohen Gebäuden will man das möglichst vermeiden, bei der Windkrafttechnik ist es allerdings erwünscht, da dadurch der Strom erzeugt wird.

Schwingende Säulen sind leichter und billiger als Windkrafträder

Die Anlage besteht aus zwei Teilen: Einem Fuß, der genau wie bei herkömmlichen Windrädern fest im Boden verankert ist, und einem freischwingenden Mast. Gewonnen wird der Strom durch elektromagnetische Induktion. Im Mast befindet sich eine Art Spule aus Magneten. Sobald Wind auf den Mast trifft und dieser anfängt zu schwingen, treten elektromagnetische Wechselwirkungen im Inneren auf. Diese Bewegungsenergie wird dann in Elektrizität umgewandelt.

Im Gegensatz zum klassischen Windrad bietet die Windanlage laut den Entwicklern einige Vorteile: So soll der Betrieb der antennenartigen Windkraft-Pfosten fast keinen Lärm verursachen, keine Schmiermittel benötigen und zudem keine Gefahr für fliegende Erdbewohner darstellen. Da die Konstruktion aus Spanien kaum mechanische Teile wie etwa ein Getriebe benötigt, ist sie laut Entwicklern sowohl in der Herstellung als auch im Erhalt billiger. Denn weniger Reibung bedeutet weniger Verschleiß. Zudem sollen die schwingenden Säulen deutlich leichter sein, sodass sie kein tonnenschweres Fundament benötigen und auf fast jeder Bodenbeschaffenheit platziert werden können.

Windkraftwerke für den Heimgebrauch

In einem steht die Anlage des Start-ups den herkömmlichen Windrädern jedoch nach. Wie das Unternehmen selbst zugibt, produzieren sie weniger Energie. Dafür hätten allerdings laut Hersteller auf einem flügellosen Windpark deutlich mehr Anlagen Platz. Doch große Anlagen, die dann wohl aussehen wie Spargel-Plantagen, sind in naher Zukunft nicht geplant, wie der Spiegel berichtet. Der Fokus von CEO David Yanez liegt derzeit noch auf dem Endnutzer, der die schwingende Laterne zur Selbstversorgung nutzen kann. Dazu sind Prototypen in verschiedenen Größen geplant, die unterschiedlich viel Energie erzeugen können. Sie sollen dann alleine oder in Kombination mit einer Photovoltaikanlage an Hausdächern angebracht werden.

Wann kommen sie neuen Windkraftwerke auf den Markt?

Das Unternehmen arbeitet bereits seit einigen Jahren an den flügellosen Windkraftwerken. Auf dem Markt sind sie allerdings noch nicht erhältlich. Wann es so weit sein könnte, ist noch nicht bekannt. Allerdings könnte es bald einen gewaltigen Entwicklungsschub in dem Bereich geben, wie t3n berichtet. Die Vortex-Technologie soll nämlich in der utopischen, völlig autarken Stadt „The Line“ in Saudi-Arabien eingesetzt werden.

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