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6 Dinge, die ich am Weihnachtsmarkt letztes Jahr definitiv nicht vermisst habe

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Von: Ines Alberti

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Weihnachtsmarkt
Feiern oder nicht feiern: Das ist aktuell in vielen Hammer Unternehmen mit Blick auf die Corona-Entwicklung die Frage. © Christoph Schmidt

In Winterjacke und Schal eingepackt beisammen stehen und gemütlich Glühwein trinken - in der Theorie klingt das wunderbar. Aber mal ehrlich: Eigentlich ist es doch nur kalt, eklig und unfassbar eng - findet unsere Autorin.

Nach sage und schreibe 23 Monaten steht dieses Jahr vielen Deutschen das traditionelle Vergnügen eines Weihnachtsmarkt-Besuchs bevor. Endlich wieder durch festlich geschmückte Holzhütten auf einem atmosphärisch beleuchteten Marktplatz schlendern, wo man sich von der einen Glühwein- durch die nächste Bratwurst- zur anschließenden Crêpes-Duftwolke bewegt. Allerhand zu kaufen und zu staunen gibt es obendrein: Ob außergewöhnlich geformte Kerzen, Lammfellpantoffeln oder Dekoartikel aus Holz - diese Stände dürfen auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen. Ebenso wie permanente Weihnachtsmusik. Wem wird da nicht warm ums Herz?

... mir! Denn wie wahrscheinlich viele Menschen habe auch ich den Weihnachtsmarkt stets als schöne Tradition empfunden und als etwas, wo man zumindest einmal in der Vorweihnachtszeit vorbeigeschaut haben muss. Ist ja auch eine schöne Beschäftigung für Treffen mit Freunden oder ein Date, einfach über den Markt zu schlendern. Doch ich muss zugeben: Als die Weihnachtsmärkte letztes Jahr wegen Corona ausfallen mussten, hat mir nichts gefehlt. Aus folgenden Gründen:

1. Man friert

Wenig überraschend ist es im Winter kalt. Normalerweise machen es sich Menschen daher eher im Hausinneren gemütlich - mit Ausnahme selbstverständlich von diesen paar Wochen im Jahr, in denen der Weihnachtsmarkt stattfindet. Da scheint es plötzlich furchtbar erstrebenswert zu sein, stundenlang in der Kälte draußen zu stehen und sich den Allerwertesten abzufrieren. Ernsthaft, Leute, warum tut ihr euch das freiwillig an? Mir kommen nur drei Szenarien in den Sinn, die auch tatsächlich auf dem Weihnachtsmarkt Realität werden können. Spoiler: Keines davon macht Spaß.

Erste Möglichkeit: auf der Stelle stehen und kalte Füße bekommen, weil die sich nicht vom eisigen Boden bewegen und durchblutet werden. Die Hände wollen sich am Heißgetränk wärmen, das im Übrigen keinen Zustand zwischen „Zunge verbrennen“ und „eiskalt“ kennt. Unbefriedigend. Zweite Möglichkeit: Der Versuch, in Bewegung zu bleiben, führt zum sinnlosen Herumlaufen. Das geht aber dank der vielen Menschen nur im Schneckentempo. Sich dabei aufs Essen oder Trinken zu konzentrieren, ist auch schwierig. Sechs, setzen! Dritte Möglichkeit: Es ist gar nicht so kalt. Aber kommt schon, bei 15 Grad fühlt es sich auch einfach nur falsch an, zwischen winterlich geschmückten Buden zu stehen, oder nicht? Durchgefallen.

2. Es ist teuer

Das sich mir unmittelbar aufdrängende Argument gegen einen Weihnachtsmarktbesuch ist das liebe Geld. Je nach Stadt ein Schlückchen Glühwein für vier Euro, zwei Kartoffelpuffer für sieben Euro - ist das euer Ernst? Nicht mal satt ist man danach, denn das ewige Anstehen hat Hunger und Durst zusätzlich gesteigert. Außerdem beschränkt man sich doch meistens nicht auf einen Glühwein, wenn man erst einmal Blut geleckt hat. Die Fülle an Getränken will schließlich auch probiert werden: Lumumba, Grog, Feuerzangenbowle, Eierpunsch – und da sind wir ja beim Glühwein noch nicht einmal angelangt. Roter Glühwein, weißer, Apfel-, Kirsch- und Blaubeer-Glühwein. Man kommt ins Staunen, was die Beschicker alles zusammentreiben. Wobei das meiste wahrscheinlich kaum vom Winzer aus der Region stammt. Es beschleicht einen das Gefühl, der stattliche Preis komme gar nicht aufgrund der guten Qualität zustande und man bezahle stattdessen eher für die Billig-Variante aus dem Tetra-Pack. Besonders schade: Den aufkommenden Frust in (billigem beziehungsweise teurem) Glühwein zu ertränken, dafür hat man dann doch wieder nicht genug Bargeld dabei! Ein Teufelskreis.

3. Viel zu viele Menschen

Meist ist es auf Weihnachtsmärkten voll - vor allem abends und am Wochenende, wenn eben die meisten Menschen nicht arbeiten. Doch die Fläche ist begrenzt – im Gegensatz offenbar zur eingelassenen Personenzahl. Und so passiert es, dass man entweder in einem Pulk von Menschen steht und es so eng ist, dass Umzufallen nicht mehr möglich wäre (dennoch schaffen es manche Menschen, andere so heftig anzurempeln, dass sich der frisch erstandene Vier-Euro-Schluck Glühwein über Hände und Jacke ergießt). Oder man schiebt sich in einer Welle von Menschen im Schneckentempo zwischen den Buden umher.

Fun Fact: Ich musste einmal so langsam über den Platz gehen, dass ich Muskelkater bekommen habe – kein Scherz. Hinzukommt, dass man sich ohnehin kaum selbst aussuchen darf, wo man anhält. Das wird in der Regel nämlich von den Leuten bestimmt, die einfach mittendrin stehen bleiben und es für eine gute Idee halten, im Durchgang einen Plausch zu halten und ihn so für den Rest der Besucher zu blockieren. Wenn man Pech hat, verliert man im Gedränge dann auch noch die Menschen, mit denen man sich hineingewagt hat und muss alle paar Meter nach ihnen Ausschau halten. Und am Ende ist man dann plötzlich selbst die Blöde, die anderen den Weg versperrt. Das ist doch kein entspanntes Klima.

4. Touristen

Ein Weihnachtsmarkt in einer größeren Stadt zieht meist Gäste von Nah an, aber auch von Fern. Das Resultat: Innenstadt sowie Beförderungsmittel sind gerammelt voll. Ist der Budenzauber auf einem zentralen Platz angesiedelt, muss man oft mühsam drumherum laufen, um ans Ziel zu kommen – außer man stürzt sich freiwillig ins Gedränge. Da wird der abendliche Einkauf zum Spießrutenlauf. Alles andere als ein lockerflockiger Stadtbummel. Und außerdem: Spätestens seit dem Frühjahr 2020 sind viele von uns mindestens mal skeptisch, was Menschenansammlungen betrifft – es stehen uns also angenehme Wochen in den Städten bevor.

5. Es ist eklig

Schon vor Corona musste ich mich beispielsweise auf Volksfesten dazu zwingen, Gedanken an den Spülvorgang von Gläsern in den Ständen zu verdrängen. Aus eigener Kellner-Erfahrung weiß ich, dass es sich häufig weniger um ein tatsächliches Spülen als vielmehr ein Durch-mit-Bier-angereichertes-Wasser-Ziehen der Gläser handelt. Das fand ich noch nie sehr beruhigend, doch seit der Omnipräsenz von Viren würde ich am liebsten überall mein eigenes Glas mitbringen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Krise vielleicht den ein oder anderen Getränkestandbetreiber sicherheitshalber zu einer Spülmaschine bewogen hat.

6. Man muss Angst um seine Sachen haben

Ein Faktor, der jeden Besuch auf vollen Plätzen maximal unentspannt macht, sind Taschendiebe. Meist passen meine Habseligkeiten nicht in die Hosentasche und sobald ich eine Handtasche bei mir trage, bin ich permanent paranoid, ob nicht jemand hineingreift und sich bedient. Das enge Gedränge auf Weihnachtsmärkten gepaart mit Ablenkung durch Reizüberflutung und eventuell einer leichten Beschwipstheit bietet die perfekte Gelegenheit für Taschendiebe! Was ist die Folge? Ich wühle alle zwei Minuten in meiner Tasche und wenn ich nicht sofort mein Handy ertaste, geht mein Kopf schon alle Horrorszenarien durch. Bis ich aus den Gedanken gerissen werde, weil mich mal wieder irgendjemand anrempelt.

Dieses Jahr bleibe ich standhaft

Trotz all der negativen Punkte, die ich aufgezählt habe, ist es schwierig, sich diesem fast schon gesellschaftlichen Zwang zu entziehen. Freunde, Familie, der Sportverein, Arbeitskollegen fiebern erfahrungsgemäß wahrlich darauf hin, einen Termin für die Weihnachtsmarkterstürmung zu erdoodeln.

Doch ich werde versuchen, standhaft zu bleiben. Wirklich, ich habe mich in der Vergangenheit immer darauf gefreut, wenn ich einen Weihnachtsmarkt besuchen wollte. Aber keine zehn Minuten später ärgerte ich mich, dass ich wieder einmal auf die verklärte Vorstellung hereingefallen bin. Das ist doch, als würde man sich immer wieder dasselbe Essen kochen, von dem man weiß, dass man es nicht mag. Und das kann man nun wirklich bleiben lassen.

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