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Mehr als 2.000 Hamster werden wegen Corona getötet - „einfach nur noch krank“

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Von: Julian Baumann

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Weil eine Kundin und eine Mitarbeiterin einer Zoohandlung nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren, ordnete Hongkong eine Massentötung von Hamstern an.

Stuttgart/Hongkong - Das Coronavirus hält noch immer die ganze Welt in Atem. Auch in China, wo der neuartige Erreger im Jahr 2019 erstmals nachgewiesen wurde, kämpfen die Menschen weiterhin mit der gefährlichen Lungenkrankheit. Weil sich eine Kundin und eine Mitarbeiterin einer Zoohandlung nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hatten, ordnete die Verwaltung der China-Metropole Hongkong am Dienstag (18. Januar) eine Massentötung von Hamstern an. Die Tiere waren offenbar aus den Niederlanden importiert worden, elf Hamster seien ebenfalls positiv auf das Virus getestet worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Im Netz äußern Menschen ihre Ungläubigkeit über das grausame Vorgehen.

Seit langem wird darüber diskutiert, ob sich auch Haustiere wie Hunde oder Katzen mit dem Coronavirus infizieren können. Weil sich manche Tiere infizieren können, müssen Besucher der Wilhelma in Stuttgart auch im Außenbereich Maske tragen. Da mehrere importierte Hamster der Zoohandlung in Hongkong mit dem Virus infiziert waren, ordnete die Verwaltung die Tötung von 2.000 Tieren an. Doch damit nicht genug: Zudem sollen auch alle neuen Haustierbesitzer, die seit dem 22. Dezember 2021 einen Hamster oder ein anderes Kleintier gekauft haben, dieses zu Tötungszwecken abgeben.

Corona-Pandemie: Hongkong will über 2.000 Hamster aus „Menschlichkeit“ töten

Nachdem in einer Zoohandlung eine Mitarbeiterin und eine Kundin, sowie der Lebenspartner der Kundin, positiv auf das Coronavirus getestet wurden, wurden hunderte Tiere auf das Virus getestet. Dabei kam letztendlich heraus, dass elf aus den Niederlanden importierte Hamster infiziert waren. Aufgrund der „Zero-Tolerance“-Politik der chinesischen Regierung werden 2.000 Hamster aus „Menschlichkeit“ getötet, um „die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern“, so die Verwaltung laut der australischen Tageszeitung Herald Sun. Nachfolgend wurden zudem unzählige Tierhandlungen in der Sonderverwaltungszone geschlossen und desinfiziert.

Ein Mitarbeiter des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutz geht an einer Tierhandlung vorbei, die geschlossen wurde, nachdem einige Hamster positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.
In Hongkong wurden nach einem Corona-Ausbruch unzählige Tierhandlungen geschlossen und desinfiziert. © Kin Cheung/dpa/AP

Das Vorgehen der Verwaltung Hongkongs stieß bei Tierfreunden weltweit auf Unverständnis und Schock. Unter Umständen haben manche Eltern auch ihren Kindern zu Weihnachten Hamster gekauft. Deshalb könnte es sein, dass auch sie ihre Tiere zur Tötung abgeben müssen. Die in Hongkong ansässige Gesellschaft zur Prävention von Tiergrausamkeit zeigte sich ebenfalls entsetzt. „Wir sind geschockt und alarmiert über die kürzlich bekannt gegebene Maßnahme, 2.000 Kleintiere zu töten“, teilte sie laut Reuters mit. „Die Behörde denkt nicht an den Tierschutz und an die Bindung zwischen Mensch und Haustier.“

Vorgehen der Verwaltung in Hongkong schockiert - „grausam und extrem“

Dass Behörden bei einem Corona-Ausbruch entsprechende Maßnahmen einleiten müssen, ist aus der inzwischen zwei Jahre andauernden Pandemie weitreichend bekannt. Dass in Hongkong aber tausende Hamster getötet werden sollen, weil einige wenige positiv getestet wurden, führt zu Unverständnis. „Das ist absurd“, schreibt eine Twitter-Nutzerin. „Wie diese Situation gehandhabt wird, ist schlichtweg unangemessen.“ Eine andere Frau schrieb über das Vorgehen der Verwaltung auf dem Kurznachrichtendienst nur: „Grausam und extrem.“

Auf Facebook löste das Vorgehen der Behörden im Kampf gegen Corona ebenfalls Unglauben und Schock aus. „Einfach nur noch krank“, schreibt eine Nutzerin. „Seit zwei Jahren haben wir Corona und jetzt sind es kleine Lebewesen, die darunter leiden müssen.“ Eine andere Nutzerin sieht in dem Vorgehen Chinas dagegen keinen großen Unterschied zum Vorgehen der westlichen Welt bei Tierkrankheiten. „Das ist hier in Deutschland gang und gäbe bei Verdacht auf afrikanischer Schweinepest und Vogelgrippe“, schreibt sie. „Da werden auch schnell mal mehrere tausend Tiere beseitigt.“

Obwohl die Tötung tausender Tiere aufgrund einer Corona-Infektion grausam ist, warnen auch andere Behörden in Hongkong vor einer Infektion durch Haustiere. „Hausbesitzer sollten sich streng an die Hygienevorschriften halten“, sagte Landwirtschaftsminister Leung Siu-fai Leung laut Reuters den Reportern. „Dazu zählt, nach jedem Berühren der Tiere und auch des Tierfutters die Hände zu waschen und das Küssen der Haustiere zu vermeiden.“

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