Der Überblick

Johnson-Geimpfte im Booster-Chaos: Regelungen über Nacht geändert - das gilt in Bayern, NRW und Co.

In Deutschland läuft die Booster-Kampagne. In der Regel brauchen Geimpfte eine dritte Impfung - eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus. Doch wer gilt tatsächlich als geboostert?

Berlin - Die neue Coronavirus-Variante Omikron stellt die Spielregeln in Deutschland auf den Kopf. Um sich optimal gegen Corona zu schützen, ist eine Auffrischungsimpfung sinnvoll. Der Booster kann den Impfschutz gegen das Coronavirus wieder deutlich erhöhen*, davon sind Experten überzeugt. Der Booster-Status ist in einigen Bundesländern jedoch unterschiedlich definiert.

Bei 2G-Plus-Regeln sind Geboosterte beispielsweise in Bayern von einer Testpflicht befreit. Aber, für Menschen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, gelten in Bayern andere Regeln als beispielsweise in Baden-Württemberg. Die Bundesländer sind sich uneins. Hier wird es etwas unübersichtlich. Dazu hat der Bund Corona-Schutzmaßnahmen und Kriterien zum Impfstatus bei Johnson & Johnson geändert. Einige Bundesländer haben ihre Verordnungen quasi über Nacht einfach angepasst, andere sind gerade dabei. Hessen beispielsweise weist am Mittwoch (19. Januar) daraufhin, dass Menschen, die zuerst Johnson & Johnson gegen Corona erhalten haben, erst nach zwei weiteren Impfungen als geboostert gelten. In Baden-Württemberg gibt es bestimmte Ausnahmen, wann Menschen als geboostert gelten (siehe unten) - auch, wenn sie keine drei Impfdosen erhalten haben. Doch für Johnson & Johnson-Geimpfte gelten seit dem 18. Januar andere Regeln.

Covid-Impfschutz: Klassisch „geboostert“ mit drei Impfdosen

Generell gilt: Wer zwei Dosen von Astrazeneca*, Biontech und Moderna bekommen hat, gilt als vollständig geimpft. Wer dann noch eine Auffrischungsimpfung bekommen hat, gilt als vollständig geboostert. In Deutschland werden die Auffrischungsimpfungen mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna* durchgeführt.

Erste ImpfdosisZweite ImpfdosisBooster - Auffrischungsimpfung
Biontech - ComirnatyBiontechBiontech
Moderna - SpikevaxModernaModerna
Astrazeneca - VaxzevriaAstrazenecaModerna oder Biontech

Sonderfall Impfstoff Johnson & Johnson*: Personen, die den Vektor-basierten Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben, galten nach einer Impfdosis als vollständig geimpft. Nach einer Auffrischungsimpfung gelten sie jedoch aktuell in einigen Bundesländern wie Hamburg, Berlin und Rheinland-Pfalz als geboostert (Stand 17. Januar 2022).

In Bayern, NRW und Thüringen genügt bei Johnson & Johnson eine Auffrischungsimpfung bereits jetzt nicht. Erst nach einer dritten Impfung gelten Johnson & Johnson-Geimpfte als „geboostert“. In Bayern (s.u.) gelten Menschen mit einer Johnson & Johnson-Impfung erst als geboostert, wenn sie eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff und dann eine dritte Corona-Impfung* mit einem mRNA-Impfstoff erhalten haben. Beim Impfplan sieht Bayern vier Wochen nach der Impfung eine Optimierung der Grundimmunisierung durch eine zusätzliche mRNA-Impfung vor und nach drei Monaten dann eine Auffrischungsimpfung. Bayern hält sich hier an die aktuelle Impf-Empfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko):

1. Impfung2. Impfung - (nach vier Wochen) = GrundimmunisierungBooster - Auffrischungsimpfung (nach drei Monaten)
Johnson&Johnson - COVID-19 Vaccine JanssenModernaModerna
Johnson&Johnson - COVID-19 Vaccine JanssenBiontechBiontech

Neue Vorschriften für Johnson & Johnson-Geimpfte in Deutschland wohl ab Februar

Die Vorgaben für Johnson & Johnson-Geimpfte sollen geändert werden, kündigte ein Sprecher des Gesundheitsministers Dienstag (18. Januar) an, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Personen, die bei ihrer Erstimpfung Johnson & Johnson erhalten haben, gelten künftig erst nach einer zweiten Impfung als „vollständig geimpft“. Dies solle möglichst mit einem mRNA-Vakzin wie dem von Biontech/Pfizer oder Moderna erfolgen.

Mit diesem Schritt soll einer Stiko-Empfehlung nachgekommen werden (s.o). Diese empfiehlt allen Menschen ab 18 Jahren, die eine erste Johnson & Johnson-Dosis erhalten haben, ihre Immunisierung mit einer zweiten Impfdosis mit einem mRNA-Impfstoff zu optimieren. Eine Drittimpfung sei zudem auch nach Johnson & Johnson-Erstimpfung sowie einer Zweitimpfung sinnvoll, auch hier idealerweise mit einem mRNA-Impfstoff, so der Sprecher. Seit dem 15. Januar gelten einmalig mit Johnson & Johnson-Geimpfte laut Paul-Ehrlich-Insitut (PEI) in Deutschland nicht mehr als vollständig geimpft. Gleichzeitig sollen die digitalen Impfnachweise an die jüngsten EU-Vorgaben angepasst werden. Impfzertifikate sind in der EU künftig nur noch neun Monate nach der Grundimmunisierung gültig.

Hier ein Überblick, ab wann man in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Brandenburg als „geboostert“ gilt:

Wann gilt man in Baden-Württemberg als geboostert?

In Baden-Württemberg gelten generell alle Menschen, die eine dritte Dosis nach einer vollständigen Immunisierung von Biontech, Moderna oder Astrazeneca erhalten haben, als geboostert. Unmittelbar nach der Booster-Impfung sind geboosterte Personen von der Testpflicht bei 2G-Plus befreit.

Von der zusätzlichen Testpflicht sind in Baden-Württemberg auch alle Personen ausgenommen, die „nur“ vollständig geimpft sind, wenn die letzte erforderliche Einzelimpfung mindestens 14 Tage und nicht mehr als drei Monaten zurückliegt.

Baden-Württemberg hat jedoch den Impfstatus für Johnson & Johnson-Geimpfte am 18. Januar angepasst: „Bei Johnson & Johnson reicht eine Einzelimpfung für die Grundimmunisierung nicht mehr aus. Es braucht eine zweite Impfung, idealerweise mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer bzw. Moderna), damit der vollständige Impfschutz vorliegt“, teilt das Land in einer Pressemitteilung mit. Das wurde zuvor anderes gehandhabt.

Was bedeutet das für den Booster für Johnson&Johnson-Geimpfte? „Alle Betroffenen, die bereits eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten haben, sollten nun drei Monate später eine Auffrischungsimpfung durchführen“, ist auf der Webseite zu lesen.

Genesene gelten in Baden-Württemberg ohne Impfschutz als geboostert im Sinne der Testpflicht, wenn deren PCR-Test nicht älter als drei Monate ist. Oder, die Impfung liegt bei dem Genesenen nicht länger als drei Monate zurück.

Wer gilt in Baden-Württemberg als „geboostert“? (Stand: 18. Januar 2022)

  • Personen, die dreifach geimpft sind.
  • Erst vor kurzem geimpfte Personen, die ihre Grundimmunisierung (Abschluss der Impfserie) vor nicht länger als 3 Monaten erworben haben.
  • Genesene, deren Infektion (Angabe auf dem PCR-Testnachweis) noch nicht länger als 3 Monate zurückliegt.

Bayern-Booster Schutz: Diese Sonderregelung gilt bei Johnson & Johnson (Stand: 17. Januar 2022)

In Bayern gilt der Booster-Schutz jetzt unmittelbar und direkt nach der Auffrischungsimpfung. Für Menschen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, gilt wie schon oben erwähnt eine Sonderregelung. Erst nach weiteren zwei Dosen mit einem mRNA-Impfstoff gelten diese Menschen in Bayern als geboostert.

Genesene gelten in Bayern als geboostert, wenn sie sich vor der ersten Impfung mit Corona infiziert hatten und dann zweifach geimpft wurden. Auch wer sich nach der Erstimpfung infiziert und drei Monate nach der Genesung eine Zweitimpfung erhalten hat, gilt als geboostert. Außerdem ersetzt eine Durchbruchsinfektion eine Auffrischungsimpfung. Wer also zweifach geimpft trotzdem an Corona erkrankt ist, gilt zunächst als geboostert.

Geboostert? Das gilt in Bayern

  • Geimpft-geimpft-geimpft
  • Genesen - geimpft-geimpft
  • Geimpft-genesen-geimpft
  • Geimpft-geimpft-genesen

Berlin: Wann gilt man in der Hauptstadt bei der 2G-Plus-Regel als geboostert? (17. Januar 2022)

In Berlin müssen sich die Menschen auf strengere Corona-Regeln einstellen. In der Gastronomie und in weiteren Bereichen, wie für Kultur und Freizeit gelten die 2G-Plus-Regeln seit Samstag (15. Januar).

Johnson & Johnson-Regel in Berlin (Stand: 17. Januar 2022)

In Berlin gelten alle Dreifach-Geimpften als geboostert. Auch wer mindestens 28 Tage nach einer Impfung mit Johnson & Johnson eine weitere Dosis mit einem mRNA-Impfstoff erhalten hat. „Bei einer Grundimmunisierung mit dem Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gilt weiterhin, dass mindestens 28 Tage zwischen Grundimmunisierung und Auffrischimpfung liegen sollen“. (Stand: 11. Januar 2022).

Wer sich vor einer Impfung mit Corona infiziert hat, soll sich in Berlin drei Monate nach der Genesung impfen lassen. Im Abstand von weiteren drei Monaten kann eine Auffrischungsimpfung erfolgen.

Ein Impfdurchbruch ersetzt in Berlin derzeit keine Auffrischungsimpfung. Wer zweimal geimpft ist, sich mit Corona infiziert und genesen ist, gilt nicht als geboostert. Sie sollen im Abstand von drei Monaten eine Auffrischungsimpfung geben lassen. Diese Empfehlung sei unabhängig von der Anzahl der zuvor bereits erhaltenen Impfstoffdosen, heißt es auch in der Stiko-Empfehlung.

Brandenburg (Stand: 17. Januar 2022)

In Brandenburg wird das Thema Boostern genauso behandelt, wie in Berlin. Dreifach geimpfte Menschen gelten klassisch als geboostert. Bei Johnson & Johnson müssen 28 Tage zwischen Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfung liegen.

Wann gilt man in Nordrhein-Westfalen (NRW) bei der 2G-Plus-Regel als geboostert? (Stand: 17. Januar 2022)

Wer in Nordrhein-Westfalen (NRW) nach der Grundimmunisierung mit Biontech, Moderna oder Astrazeneca eine dritte Impfung mit Biontech und Moderna erhalten hat, gilt als geboostert. Mit dem Booster sind die Menschen noch am selben Tag von der Testpflicht bei der 2G-Plus-Regel befreit.

Johnson & Johnson ist in NRW ein Sonderfall: Wer mit Einfach-Impfstoff von Jansen geimpft wurde, braucht jetzt zwei weitere Impfdosen, um als geboostert zu gelten. Also sind insgesamt drei Impfungen nötig, um von der Testpflicht befreit zu werden. Das ist eine Änderung! Zuvor genügte in NRW eine weitere Impfdosis als Auffrischungsimpfung.

Wer zweifach geimpft ist, wird zwischenzeitlich ebenfalls mit Geboosterten gleichgestellt und von der Testpflicht ausgenommen - wenn die Impfung mehr als 14 Tage und weniger als 90 Tage zurückliegt.

Weitere Ausnahmen von der Testpflicht in NRW:

  • Geimpft-geimpft-geimpft
  • Genesene, wenn der positive PCR-Test mehr als 27 Tage, aber weniger als 90 Tage zurückliegt.
  • Geimpft -genesen: Wer zuerst einfach geimpft wurde und nachweislich mit PCR-Test mit Corona infiziert war, wird Geboosterten gleichgestellt.
  • Genesen-geimpft: Wer eine Corona-Infektion mit PCR-Test nachweisen kann und dann eine Impfung, wird mit Geboosterten gleichgestellt.
  • Genesen-geimpft-geimpft: Wer genesen und dann zweimal geimpft ist, gilt als geboostert und ist von der Testpflicht befreit.
  • Geimpft-geimpft-genesen: Wer zweifach geimpft und sich dann mit Corona infiziert hat, gilt als geboostert.

Sachsen: Wann gelten Johnson & Johnson-Geimpfte als geboostert? (Stand: 17. Januar 2022)

In Sachsen gelten alle Personen, die nach einer Grundimmunisierung mit Biontech, Moderna oder Astrazeneca eine dritte Impfung mit Biontech und Moderna erhalten haben, als geboostert. Auch Menschen, die nach einer Impfung mit Johnson & Johnson eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten haben, gelten als geboostert. Wer sich doppelt geimpft trotzdem mit Corona infiziert und genesen ist, gilt in Sachsen als geboostert.

Sachsen-Anhalt: Alle müssen sich testen lassen (Stand: 17. Januar 2022)

In Sachsen-Anhalt gilt die strengste Variante der 2G-Plus-Regel: „Erwachsene Personen, die bereits die Auffrischungsimpfung erhalten haben oder einen Genesenennachweis vorweisen können, sind in Sachsen-Anhalt bei dem 2-G-Plus-Zugangsmodell nicht von der zusätzlichen Testpflicht befreit“, heißt es vonseiten des Ministeriums. Alle Menschen egal, ob geboostert oder genesen müssen sich weiterhin testen lassen. Das Bundesland ist deswegen in den Listen (siehe unten) nicht aufgeführt.

Johnson & Johnson-Geimpfte: In diesen Bundesländern gelten Sie nach einer mRNA-Impfung als geboostert (Stand 18. Januar 2022)

BundeslandGrundimmunisierungAuffrischungsimpfung
BerlinJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff 28 Tage nach Grundimmunisierung
BrandenburgJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff 28 Tage nach Grundimmunisierung
BremenJohnson & Johnsonplus Auffrischungsimpfung
HamburgJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff nach vier Wochen
Rheinland-PfalzJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff
SachsenJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff
SaarlandJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff
Mecklenburg-VorpommernJohnson & JohnsonmRNA-Impfstoff

Johnson & Johnson: In diesen Bundesländern sind drei Impfungen für den Booster-Status nötig (Stand: 17. Januar 2021)

BundeslandGrundimmunisierung1. Auffrischungsimpfung2. Auffrischungsimpfung
Baden-Württemberg (seit 18. Januar)Johnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff
BayernJohnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff
Hessen* (seit 19. Januar)Johnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff
NRWJohnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff
ThüringenJohnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff
Schleswig-HolsteinJohnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff
Niedersachsen (seit 18. Januar)Johnson & JohnsonmRNA-ImpfstoffmRNA-Impfstoff

Braucht es eine vierte Impfung, um die Corona-Pandemie zu stoppen? Aktuell dreht sich alles um die dritte Dosis, den Booster. Israel ist schon dabei den Booster-Booster zu verimpfen. Wer soll eine vierte Corona-Impfung bekommen?

Die Corona-Pandemie soll mit 2G-Plus in vielen Teilen Deutschlands stärker bekämpft werden. Welche Dokumente vorgezeigt werden müssen, hängt vom individuellen Status ab.(ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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