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Ende der Corona-Maßnahmen noch im Oktober? Lauterbach hält Forderung für „unvertretbar“

  • Veronika Silberg
    VonVeronika Silberg
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Erneut sinkt die Inzidenz leicht. Kann die vierte Welle durch Impf-Anreize weiter gestoppt werden? Politiker übertreffen sich mit Vorschlägen. Der News-Ticker.

  • Die 7-Tage-Inzidenz* ist in Deutschland zum fünften Mal in Folge leicht gesunken.
  • Bei der Impfquote in Deutschland gibt es deutliche regionale Unterschiede (siehe Update vom 18. September, 15.20 Uhr).
  • Karl Lauterbach finde die Forderung zum Freedom Day“* „unvertretbar“ (siehe Update vom 18. September, 13.56 Uhr).
  • Dieser News-Ticker zur Corona*-Pandemie wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 18. September, 22.07 Uhr: Vor dem Ende der bundesweiten Impfaktionswoche am Sonntag hat Jens Spahn (CDU) auf Twitter das Impfgefälle in der Bundesrepublik angesprochen.  „Im Nordwesten sind wir fast am Ziel, im Südosten sollten wir noch deutlich höhere Quoten erreichen“, twitterte er am Samstag.

Tatsächlich unterscheiden sich die Quoten in Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen von denen in den östlichen und südlichen Bundesländern wie Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern teils deutlich. So sind in Bremen 73,3 Prozent der Bewohner vollständig geimpft, während es in Sachsen nur 53,6 Prozent sind.

Coronavirus in Deutschland: Grüne und SPD widersprechen der „Freedom-Day“-Forderung

Update vom 18. September, 18.48 Uhr: Der Vorstoß von Kassenärztechef Andreas Gassen, zum 30. Oktober alle Corona-Beschränkungen aufzuheben, trifft bei SPD und Grünen auf Ablehnung. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält dies für „nicht ethisch vertretbar“. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen widersprach Gassen ebenfalls. „Jetzt so zu tun, als sei die Pandemie ein Privatvergnügen und Ungeimpfte letztlich selbst dran Schuld und wir könnten uns jetzt von allen Schutzmaßnahmen verabschieden, das halte ich für zynisch“, sagte Dahmen dem Sender NDR Info. Auch widerspreche die Forderung der Haltung der Mehrheit der niedergelassenen Ärzte.

Für eine Lockerung der Maßnahmen bräuchte es eine Impfquote bei den über 60-Jährigen von deutlich über 90 Prozent, in der Gesamtbevölkerung bei den impffähigen Personen von über 80 Prozent. „Es wäre gut, wenn die Kassenärztliche Vereinigung sich hier auf das Impfen konzentriert, hier mehr Tempo macht“, riet Dahmen.

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann hält eine Diskussion über eine Aufhebung der Corona-Regeln zwar für richtig. Es sei aber zu früh dafür, ein konkretes Datum zu nennen, sagte Ullmann auf NDR Info. „Ob es jetzt der 30. Oktober ist, Allerheiligen oder vielleicht auch Mitte November ist“, dazu wage er nichts zu sagen. In den kommenden Wochen müsse man die Corona-Entwicklungen genau beobachten.

Coronavirus: Anreize für Impfquote schaffen - es gibt regional große Unterschiede

Update vom 18. September, 15.20 Uhr: Wie können mehr Anreize geschaffen werden, um die Impfquote endlich nach oben zu bringen? Politiker und Wissenschaftler bewerfen sich gerade mit Vorschlägen. Besonders regional gebe es noch deutliche Unterschiede, betont Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag auf Twitter. „Im Nordwesten sind wir fast am Ziel, im Südosten sollten wir noch deutlich höhere Quoten erreichen.“ Spahns Angaben zufolge haben 62,9 Prozent der Deutschen (52,3 Millionen Menschen) einen vollständigen Corona-Impfschutz. 67,1 Prozent (55,8 Millionen) sind mindestens einmal geimpft.

Auch die Daten des Robert-Koch-Instituts belegen starke regionale Unterschiede beim Impfen. Zum Vergleich: Während in Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen deutlich über 70 Prozent geimpft sind, haben in Sachsen gerade einmal 56,9 Prozent ihre erste und 53,6 Prozent ihre zweite Spritze erhalten. Aber auch Bayern (63,8 Erstimpfungen) und Baden-Württemberg (64,3) liegen im unteren Bereich.

Ende der Corona-Maßnahmen noch im Oktober? Lauterbach hält Forderung für „unvertretbar“

Update vom 18. September, 13.56 Uhr: Die Ankündigung eines „Freedom Days“, wie ihn sich Kassenärztechef Andreas Gassen wünscht (siehe Erstmeldung), hält SPD-Politiker Karl Lauterbach nicht nur für „unrealistisch“, sondern für „unvertretbar“. Gassen hatte vorgeschlagen, schon Ende Oktober alle Corona-Maßnahmen auszusetzen und damit einen Impf-Anreiz zu schaffen.

„Die Impfquote ist noch deutlich zu niedrig, sodass wir ab Spätherbst sehr hohe Fallzahlen* und sehr viele Intensivpatienten bekämen, darunter auch jüngere Menschen“, entrüstete sich Lauterbach gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Ich finde den Ansatz von Herrn Gassen unvertretbar, einfach mal auszutesten, was unser Gesundheitssystem aushält, wie viele Patienten auch intensiv behandelt werden können.“ Das Leid der Menschen wolle er so stark wie irgend möglich durch Vorbeugung und Impfung* und „nicht auf der Intensivstation“ begrenzen.

Corona-Impfanreiz: Kassenärztechef will Ende aller Beschränkungen bis Ende Oktober - „Mut haben“

Erstmeldung vom 18. September: Berlin – Die vierte Corona-Welle rollt weiter über uns. Aber flacht sie bald ab oder wird gar gebrochen? Schon den fünften Tag in Folge ist die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland leicht gesunken. Am Samstagmorgen verzeichnete das Robert-Koch-Institut nur noch 72,0 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich: Am Vortag hatte die Inzidenz noch bei 74,4 gelegen, vergangene Woche bei 82,2. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist dem Dashboard zufolge von 11.214 (letzte Woche) auf 8901 gesunken.

Im Gegensatz zur 7-Tage-Inzidenz gibt es bei der Hospitalisierungsrate* allerdings kein wirkliches Absinken. 1,89 in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner meldete das RKI* am Freitag innerhalb von sieben Tagen. (Mittwoch: 1,87). Ein wirklicher Wochen- oder Monatsvergleich ist wegen einer hohen Zahl an Nachmeldungen allerdings nicht möglich. Auch gibt es für die bundesweite Hospitalisierung-Inzidenz noch keinen Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch wird.

Corona-Neuinfektionen (24h)7-Tage-InzidenzHospitalisierung-InzidenzTodesfälleCorona-Fälle seit Beginn der Pandemie
890172,01,89634.134.779

Quelle: RKI - Die Zahlen beziehen sich auf das Infektionsgeschehen in Deutschland, Stand 18.09., 10.00 Uhr

Corona in Deutschland: Vierte Welle im Herbst? Karl Lauterbach fordert Impfprämie

Sicher ist allerdings: Die Gefahr ist noch nicht gebannt*. Im Herbst und Winter könnte uns Sars-Cov-2* nochmal so richtig treffen. Die nächsten Wochen könnten hierfür entscheidend sein. Deshalb übertreffen sich Politiker und Verbände mit Vorschlägen, um die Impfquote doch noch zu erhöhen.

Gesundheitsexperte und SPD-Politiker Karl Lauterbach* fordert beispielsweise eine staatliche Impfprämie. Trotz anfänglicher Skepsis hält der Mediziner eine solche Maßnahme nun für sinnvoll. „Aus meiner Sicht sollten wir in der Situation, in der wir sind, kein Mittel ausschließen, um mehr Menschen zum Impfen zu bewegen“, sagte Lauterbach der Passauer Neuen Presse. „Andernfalls droht uns ein schwieriger Herbst.“

Corona in Deutschland: Kassenärztechef fordert „Freedom Day“ - Vorbild Großbritannien?

Lassen sich mehr Menschen gegen das Coronavirus impfen, wenn alle Maßnahmen erlassen werden? - Kassenärztechef Andreas Gassen will das schon Ende Oktober.

Kassenärztechef Andreas Gassen hat da ganz anderes im Sinn. Er sprach sich laut dpa für das Ende aller Corona-Beschränkungen* zum 30. Oktober aus. Damit alleine soll ein Anreiz zum Impfen geschaffen werden. „Nach den Erfahrungen aus Großbritannien* sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Meine Wette: Dann sind wir Ende Oktober bei einer Impfquote von 70 Prozent oder noch höher, weil sehr viele Menschen das Angebot dann doch schleunigst annehmen werden.“(vs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd

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