„Menschen öffnen ihre Fenster nicht“

„Unheimliches Wesen“ löst Tierschutz-Einsatz aus - Anwohner besorgt

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Ein „mysteriöses Tier“ löst einen Tierschutz-Einsatz aus. Anwohner sind in Sorge, selbst Profis überfordert. Bis klar wird: Das Ding im Baum ist gar kein Tier.

Krakau – War es ein Leguan oder ein Raubvogel? Die Anwohnerinnen und Anwohner malten sich ob eines mysteriösen tierischen Gastes in der Nachbarschaft schon die besorgniserregendsten Vorstellungen aus. Besonders eine Frau sollte das „unheimliche“ Wesen, das sich scheinbar in einem Baum verfangen hatte, noch lange beschäftigen, wie kreiszeitung.de berichtet. Ganze zwei Tage lang war sie sich sicher, dass vor ihrem Haus ein wildes, gefährliches Tier auf sie warten würde. Anderen Anwohnerinnen und Anwohnern erging es ähnlich. Der örtliche Tierschutzverein „Krakowskie Towarzystwo Opieki nad Zwierzętami” musste an Ort und Stelle zitiert werden. Erst ihr aufklärender Einsatz brachte wieder Ruhe und Sicherheit in die Straße.

Stadt:Krakau
Land:Polen
Fläche:327 km²
Bevölkerung:766.683 (2019)

„Mysteriöses“ Tier versetzte Anwohner*innen in Angst – „Monster“ ist ein normales Croissant

„Die Menschen öffnen ihre Fenster nicht, weil sie Angst haben, dass es in ihr Haus kommt“, zitiert der SWR3 die verängstigte Anwohnerin. Offenbar hatte das mysteriöse Tier längst die halbe Nachbarschaft in Angst versetzt. Noch bevor ein internationales Forscherteam der Wissenschaft aufgrund der jüngsten mysteriösen Entdeckungen in der Tiefsee „große Lücken“ attestieren konnte, machte im April 2021 die Sichtung eines anderen „mysteriösen“ Wesens in Krakau die Runde. Nach zwei Tagen der Sorge reichte es der Anwohnerin.

Angetrieben von ihrer eigenen Angst und beflügelt von der ihrer Nachbarn, rief sie den örtlichen Tierschutzverein auf den Plan. Da das „unheimliche Wesen“ sich nämlich überhaupt nicht zu rühren schien, war plötzich auch nicht mehr klar, wer hier eigentlich gerettet werden musste: Mensch vor Kreatur – oder eben diese aus ihrer Lage?

Tierschutz rückt wegen „unheimlichen Wesen“ an – und hält Croissant im Baum für einen Raubvogel

Die Damen und Herren vom örtlichen Tierschutzverein „Krakowskie Towarzystwo Opieki nad Zwierzętami” rückten also an. Was dann passiert - oder besser: eben nicht passiert - macht die ganze Geschichte erst so richtig lustig: Auch die Tierschützer meinem, in dem leblosen Objekt im Baum ein Lebewesen zu erkennen. Auch nach minutenlanger Observation wollte sich das vermeintlich angsteinflößende Objekt nicht bewegen. Schließlich die erste Einschätzung der „Profis“ vor Ort: Es handele sich um einen Raubvogel, der sich verheddert habe. Oder so – ganz sicher sei man nicht.

Gewissermaßen ähnelt der Vorfall gar der vermeintlichen „Rückkehr“ des Megalodons: Auch wenn Bisswunden einige Menschen in den Glauben ließen, der Megalodon könne wieder sein Unwesen treiben, gab es nur wenig Futter für diese Schlussfolgerung – dafür aber umso mehr Legendenbildung und grundlose Panik. Höchstwahrscheinlich spielten den Beteiligten die Sinne einfach nur Streiche oder sie steckten einander mit dem Willen, ein Tier zu erkennen an? Die Illusion war perfekt, doch Alarm, Einsatz und Sorge letzten Endes vergebens. Das unheimliche Wesen – es war einfach nur ein Croissant.

Tierschutz untersucht „Tier“ im Baum genauer und löst den Fall: Es ist einfach nur ein Croissant

Das herauszufinden, war offenbar nicht leicht – und wäre ohne den todesmutigen Leitereinsatz der Tierschützer wohl überhaupt nicht möglich gewesen. Irgendjemand aber traute sich am Ende, zu dem inzwischen als „Raubvogel“ identifizierten Wesen im Baum hinaufzusteigen. Schwer zu sagen, ob er die Leiter eher enttäuscht, verblüfft oder ein wenig peinlich berührt hinabstieg – immerhin brachte er mit, wonach sich die Menschen sehnten: Entwarnung.

Ein „mysteriöses“ Tier bereitete einer Frau zwei Tage lang Angst.

Angst vor „mysteriösem“ Tier: „Die Menschen öffnen ihre Fenster nicht“ – bis Tierschutz kommt

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Bei genauem Hinsehen ist dem Mitarbeiter des Tierschutzes auf der Leiter klar geworden: Es handelte sich überhaupt nicht um ein Lebewesen. Unter Berufung von SWR3 hätte sich nun schnell herausgestellt, dass das mutmaßliche „Monster“ „weder Beine noch einen Kopf“ hatte. Es war wirklich und wahrhaftig ... einfach nur ein Croissant. Nachdem der Tierschutzverein dies lückenlos nachweisen konnte, kehrte auch wieder Ruhe bei den verunsicherten Anwohnerinnen und Anwohner ein. Wie das französische Gebäck jedoch in den Baum gelangen konnte – das gibt nun wiederum Stoff für neue Rätsel und Legenden im Viertel.

Rubriklistenbild: © Screenshot/Facebook @Krakowskie Towarzystwo Opieki nad Zwierzętami

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