Tannennadeltee, Öle und Co.

Booster fürs Immunsystem: Die heilende Wirkung der Tanne

Ein Tannenwald von oben.
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Heilsame Wirkung: Die Weißtanne wird bereits seit der Antike als Arzneipflanze eingesetzt.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Bei Erkältungen, Unwohlsein und Müdigkeit können ätherische Öle wahre Wunder wirken. Ein unterschätztes Heilmittel ist da die Tanne.

Stuttgart - Der Duft nach Tannennadeln hat eine beruhigende Wirkung. Der Geruch erinnert an die besinnliche Weihnachtszeit und den geschmückten Tannenbaum. Doch die Pflanze hat noch viel mehr drauf, als nur schön auszusehen und gut zu duften. Bereits seit der Antike wird etwa die Weißtanne als Arznei- und Heilmittel eingesetzt. Die ätherischen Öle sind wahre Booster für das Immunsystem.

Weißtanne, Silbertanne, Edeltanne, Rauchtannen, Kreuztanne - ein Baum mit vielen Sorten und Namen. Die Tanne gehört allgemein zur Familie der Kieferngewächse. Sie ist weit verbreitet, wächst von der alpinen Baumgrenze bis zu subtropischen Gebirgen und Wäldern, in denen der Baum in Gemeinschaft mit Laubbäumen wächst, so auch in Baden-Württemberg

Das Anwendungsgebiet der Tanne in der Arznei ist groß: Bei Durchblutungsstörungen, Erkältung, Entzündungen der Atemwege, Beschwerden der Harnwege, rheumatische Erkrankungen aber auch zur Desinfektion, Entspannung und zum Reduzieren von Stress wird die Pflanze eingesetzt. BW24 zeigt euch, wofür die Tanne alles gut ist.

Das Wunder der Natur: So wirken die verschiedenen Bestandteile

Die Tanne gilt schon seit Jahrhunderten als Heilpflanze. Das hat auch die moderne Wissenschaft bestätigt: Es wurde nachgewiesen, dass Inhaltsstoffe der Weißtanne antioxidativ, antibakteriell und antiseptisch wirken. Von der Tanne werden Harz, Nadeln, Zweigspitzen (also die Triebe), Zweige und Rinde verwendet. Die Inhaltsstoffe dieser Tannenbestandteile decken sich zum Großteil ab.

Das Einsatzgebiet der Tanne als Arznei ist dabei vielfältig. Öl aus den Nadeln hilft etwa bei Atemwegsbeschwerden wie Husten, Asthma und Keuchhusten. Aus den Zapfen gewonnenes Öl wird wegen seiner antibakteriellen Wirkung häufig zu Seife weiterverarbeitet. Aber auch wegen seines Duftes ist es sehr beliebt. Öl aus den Zweigspitzen lässt sich innerlich anwenden gegen Entzündungen in den Luftwegen. Aber auch äußerlich ist seine Wirkung groß, zum Beispiel hilft es gegen leichte Muskelschmerzen und Nervenschmerzen. Tannenharz ist zudem ein Schleimlöser, wird gerne bei Rheuma eingesetzt und hat als Badezusatz eine lindernde Wirkung bei Erkältungen.

Die Tanne als Heilpflanze: Arznei ganz einfach zu Hause herstellen

Tannenprodukte kann man mittlerweile nicht nur in der Apotheke, sondern auch in Drogerien kaufen. Wer sicher gehen will, was in den Produkten drin ist, kann sie auch selbst herstellen. Zum Beispiel wird aus frischen Triebspitzen in wenigen Schritten ein gesunder Tee, Sirup oder Hustensaft. Aber Achtung: Auf keinen Fall die Triebe von Eiben nehmen, diese sind giftig! Und noch ein Tipp: Nicht Tanne und Fichte verwechseln. Um sie unterscheiden zu können, hilft ein alter Spruch: Die Fichte sticht, die Tanne nicht.

So stellt ihr Tee aus Tannenspitzen her:

Tees oder Hustensirup aus Tannenspitzen oder von Trieben von Nadelbäumen können schleimlösend und hustenstillend wirken. Tannenspitzentee wirkt bei Erkältungen auch beruhigend auf die Atemwege, stärkt das Immunsystem und ist ganz leicht selbst gemacht. Die Tannenspitzen hierzu gründlich mit Wasser waschen. Mit der Hand etwas zerteilen und anschließend mit heißem Wasser aufbrühen. Zwei Gramm Tannenspitzen sollten für 100 Milliliter Tee reichen. Die Mischung zehn Minuten ziehen lassen, damit sich die ätherischen Öle entfalten können. Den Tee dann durch ein Sieb in die Tasse gießen. Am besten wirkt - und schmeckt - der Tannenspitzentee mit etwas Honig oder einem Spritzer Zitronensaft.

Die Triebe von Tannen haben eine vielseitige Wirkung.

Ebenfalls eine lindernde Wirkung bei Atemwegserkrankungen hat Tannenspitzensud zum Inhalieren. So brüht ihr ihn auf: Die Tannenspitzen in einem Topf Wasser für etwa 20 Minuten kochen. Den Sud anschließend weitere 20 Minuten inhalieren. Die Wirkung der ätherischen Öle soll die Atemwege stärken und die Nerven beruhigen.

Waldbaden - ein Trend für Körper und Seele

„Waldbaden“ ist seit einiger Zeit ein beliebter Trend. Damit ist nicht etwa das Baden in einem Gewässer gemeint, sondern das Baden in der Atmosphäre des Waldes. Ein Spaziergang zwischen Bäumen kann wahre Wunder wirken, hat positive Effekte auf Psyche und Gesundheit. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie hatte solch eine Auszeit in der Natur eine wohltuende Wirkung.

Wie gesundheit.de berichtet, hat sich daraus in Japan ein regelrechter Gesundheitstrend entwickelt, der auch immer mehr zu uns nach Europa überschwappt. Und wer weiß, vielleicht erhascht man ja beim Spazierengehen sogar einen Blick auf einen seltenen Waldbewohner: Luchs, Schakal und Wolf kehren in die Wälder Baden-Württembergs zurück.

Spaziergänge im Wald haben eine wohltuende Wirkung auf Körper und Geist.

Bei Experten gibt es wenig Zweifel daran, dass es gesund ist, unter Fichten, Buchen und Eichen zu wandeln, berichtet auch Geo.de. Psychisch hat das Waldbaden viele Auswirkungen: Durch die Stille und die natürlichen Waldgeräusche und -gerüche, können Kopf und Seele entspannen. Besonders der Geruch von Tannen hat eine beruhigende Wirkung auf uns.

Auf den Körper hat es ebenfalls positive Effekte. Waldbaden verringert nachweislich den Kortisol-Spiegel, senkt den Blutdruck, stärkt das Immunsystem, entspannt die Muskeln und befeuchtet zudem die Atemwege. Umso wichtiger ist es, die heimischen Wälder zu schützen. Denn das ist dringend nötig: Hitze und Dürren richten immer größere Schäden in den Wäldern in Baden-Württemberg an.

Einmal tief durchatmen: Wie Tannen unser Immunsystem stärken

Insbesondere Tannen können Booster für das Immunsystem sein. Nadelbäume wie etwa Fichten, Kiefern und Tannen produzieren sogenannte Terpenoide, Duftstoffe, welche die Bäume zur Kommunikation untereinander nutzen. Mit ihnen teilen sie einander zum Beispiel mit, wenn Gefahr durch gefräßige Insekten droht. Diese Terpenoide wirken auch medizinisch auf den Menschen.

Wissenschaftler fügten im Labor Terpenoiden Zellkulturen zu, die keimende Tumoren enthielten — und die Naturstoffe töteten die Krebszellen ab. Diese immunstärkende Wirkung hat auch ein Aufenthalt im Wald. Forscher fanden heraus: Die Körper von Menschen, die sich im Wald aufgehalten haben, produzieren mehr Killerzellen. Diese wiederum sind Abwehreinheiten des Immunsystems, die Krankheitserreger und potenzielle Tumorzellen bekämpfen. Kurz um: Wer viel im Wald ist, dessen körpereigenes Abwehrsystem ist stärker.

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