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Feuerwehrmann: Rettungsgassen-Blockierer „gehören in den Knast“ 

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Von: Julia Hawener

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Eine volle Autobahn
Immer wieder kommt es vor, dass Verkehrsteilnehmer bei Staus auf Autobahnen keine Rettungsgassen bilden. © dpa/Moritz Frankenberg

Eine fehlende Rettungsgasse behindert Rettungskräfte bei ihrer Arbeit und kann dadurch sogar Menschenleben kosten. Ein Feuerwehrmann fordert nun härtere Strafen für Blockierer.

Stuttgart – Unaufmerksame Autofahrer und Gaffer erschweren Rettungskräften bei Unfällen auf der Autobahn immer wieder die Arbeit. Besonders eine fehlende Rettungsgasse kostet wertvolle Minuten bei der Anfahrt, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden können. Deshalb ist das Bilden solcher Gassen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Und im Grunde ist das System auch nicht schwer: Fahrer auf der linken Spur fahren nach links, Fahrer auf der mittleren und rechten Spur nach rechts. Verkehrsteilnehmer, die sich nicht daran halten, müssen mit Konsequenzen rechnen. Diese hält ein Feuerwehrmann aus Sachsen allerdings für viel zu milde und fordert Haftstrafen für Rettungsgassen-Blockierer, wie die Bild am Sonntag berichtet.

Feuerwehrmann fordert härtere Strafen für Rettungsgassen-Blockierer

Denn der Vorsitzende des Feuerwehr-Landesverbandes aus Sachsen, Gunnar Ullmann, ist mit seiner Geduld am Ende. „Wer eine Rettungsgasse blockiert oder sogar Rettungskräfte attackiert, gehört in Haft. Oder er müsste zwangsweise zehn Jahre Dienst in einer freiwilligen Feuerwehr oder Hilfsorganisation leisten“, sagt er gegenüber der Bild. 17 Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr hätten Ullmann gezeigt, dass die Verhaltensweisen einiger Fahrer „keine Einzelfälle mehr“ sind, die „tolerierbar“ wären.

Auch in Stuttgart hatten Einsatzkräfte erst Mitte November wieder mit ignoranten Autofahrern zu kämpfen, die auf der B 10 und B 27 bei einem Baustellen-Stau keine Rettungsgasse gebildet hatten. Genau für so einen Fall hat das Innenministerium in Baden-Württemberg im Sommer dieses Jahres mehr als 100 Streifenwagen mit Amaturenbrett-Kameras ausgestattet. Mit diesen wurden die Verkehrsteilnehmer im Herbst auf der Bundesstraße gefilmt. Insgesamt 117 Autofahrerinnen und Fahrer wurden daraufhin angezeigt. Sie müssen nun mit einem einmonatigem Fahrverbot, zwei Punkten in Flensburg sowie einem Bußgeld bis zu 240 Euro rechnen – aus Sicht des Feuerwehr-Funktionärs reicht das jedoch nicht. Er und sein Verband fordern daher härtere Strafen von der Politik.

„Der pure Egoismus“ - Einige Autofahrer zeigen kein Verständnis für die Not anderer

Doch nicht nur blockierte Rettungsgassen behindern laut Gunnar Ullmann seine Arbeit und die seiner Kollegen. So würden Leute einfach in abgesperrte Unfallstellen reinfahren. Dabei sei ein Autofahrer einem Kameraden von ihm einmal sogar fast über den Fuß gefahren, berichtet er im Interview. Zudem „wird gepöbelt, während wir versuchen, Menschenleben zu retten und die geschockten Angehörigen danebenstehen“, sagt Ullmann. Es fehle bei einigen einfach das Bewusstsein für die Not anderer: „Ein Mann ging uns mal aggressiv an, weil unser Einsatzfahrzeug vor seiner Einfahrt stand und er nicht vom Grundstück kam, um einkaufen zu fahren. Der pure Egoismus.“

Ob die Politik der Forderung des Feuerwehrmanns nachkommt, bleibt abzuwarten. Dass gewisse Verkehrsteilnehmer in Notfallsituationen rücksichtsloses Verhalten an den Tag legen, ist aber in jedem Fall nicht unbekannt. Erst vergangenes Jahr wurden einige Rettungsfahrzeuge der Johanniter mit großflächigen QR-Codes ausgestattet, um den Gaffern an Unfallstellen entgegenzuwirken.

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