Tierversuch

Durchbruch im Kampf gegen Krebs? Neue Biontech-Studie macht Hoffnung

Eine Maus sitzt auf einem Plastikhandschuh
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Tierversuch der Firma Biontech: Bei Mäusen wirkt ein mRNA-Cocktail gegen Krebs. (Symbolbild)
  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Vor der Corona-Pandemie war das Ziel von Biontech, einen mRNA-Impfstoff gegen Krebs zu finden. Nun sind die Forschenden diesem Ziel offenbar einen großen Schritt näher gekommen. 

Kassel – Weltweite Bekanntheit und großen unternehmerischen Erfolg erlangte die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech mit ihrem mRNA-Impfstoff* gegen Corona*. Doch ursprünglich wurde das Unternehmen aus einem anderen Grund gegründet: CEO Ugur Sahin und Mitgründerin Özlem Türeci wollen Therapien mit einem mRNA-Imfstoff gegen Krebs* entwickeln und die Volkskrankheit bekämpfen.

In einem Tierversuch haben Forschende von Biontech um Ugur Sahin und Christian Hotz versucht, Tumore mit mRNA-Molekülen zu stoppen – mit Erfolg. Die Fachleute spritzten die Wirkstoffe direkt in die Tumore von Mäusen. Daraufhin hörte das Tumorwachstum auf, bei vielen Tieren bildeten sich die Wucherungen komplett zurück, hieß es in einem Bericht des Fachmagazins Science Translational Medicine.

mRNA-Cocktail von Biontech wirkt bei Mäusen gegen Krebs

„Die Studie liefert ein Beispiel dafür, wie mRNA als Werkzeug genutzt werden kann“, sagte der Krebs- und Immuntherapiespezialist Niels Halama vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zu der Arbeit von Biontech, an der er selbst nicht beteiligt war. Bei der Studie wurde ein mRNA-Gemisch verwendet, das die Herstellung von vier Zytokinen vermittelt. Zytokine sind Eiweiße, die das Wachstum von Zellen regulieren. Es ist bekannt, dass sie bei der Krebstherapie eine Rolle spielen.

Bei 17 von 20 Mäusen, die mit der mRNA behandelt wurden, ging der Krebs vollständig zurück. Auch schwierig zu erreichende Tumore – wie etwa in der Lunge – schrumpften. Nebenwirkungen konnten bei den Tieren keine beobachtet werden, stattdessen, dass die Überlebenszeit der Nager stieg.

Biontech-mRNA gegen Krebs: Weg zur Anwendung im Menschen habe noch einige Hürden

„Der Weg zur Anwendung im Menschen hat noch einige Hürden, der Ansatz muss im Menschen natürlich auch genauso funktionieren wie im Tier. Das ist bei den Unterschieden im Immunsystem zwischen Maus und Mensch nicht garantiert und die Autoren weisen in ihrer Arbeit auch darauf hin, dass es da noch Probleme geben kann“, so Halama. Die Forschenden von Biontech wollen nach den Tierversuchen nun eine klinische Studie am Menschen durchführen.

Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte das Unternehmen, dass mit dem Krebs-Wirkstoff bereits erste Studien an wenigen Menschen laufen. Hierbei werde an einer kleinen Gruppe von Menschen beobachtet, ob der mRNA-Cocktail im Körper Nebenwirkungen oder sogar Vergiftungserscheinungen hervorruft.

Biontech-mRNA gegen Krebs: Ugur Sahin ist für viele Hoffnungsträger Nummer 1

Biontech-Gründer Ugur Sahin ist beim Thema Krebsbehandlungen für viele Menschen die größte Hoffnung, die es derzeit in der Medizin gibt. „Als wir 2008 Biontech gründeten, haben wir uns eine grundlegende Frage gestellt: Wenn der Tumor jedes Patienten einzigartig ist, warum behandeln wir dann alle Patienten gleich? Wir haben ein immenses Potenzial darin gesehen, uns das einzigartige Profil eines Tumors zunutze zu machen.“

„Ziel war es, das Immunsystem des Patienten in die Lage zu versetzen, die spezifischen Krebszellen zu lokalisieren, sie zu adressieren und den Tumor anzugreifen“, sagte der Chef des Pharmaunternehmens, das aufgrund des Impfstoff-Erfolgs mittlerweile über 70 Milliarden Euro an der Börse wert ist. (tvd) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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