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Bahnfahrer klagt wegen 25 Cent und gewinnt nach 22 Jahren

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Von: Franziska Vystrcil

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Fotomontage aus einer Justizia und einer Hand, in der Kleingeld liegt
Ein Bahnfahrer in Indien klagte, weil er am Schalter zu wenig Wechselgeld bekommen hatte. Nach 22 Jahren gewann er den Rechtsstreit. © BW24 Fotomontage/imago images/Jan Huebner/Shotshop

Ein Bahnfahrer in Indien blieb hartnäckig und wollte Wiedergutmachung für eine Ungerechtigkeit. 22 Jahre lang kämpfte er vor Gericht. Nun bekam er Recht - und 25 Cent zurück.

Neu-Delhi - Wer viel mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, kennt den Ärger: Verspätete Züge, defekte Wagentüren oder komplette Fahrtausfälle. Mit einer Entschädigung seitens der Deutschen Bahn kann man meist nicht rechnen. Vielen ist auch der Aufwand für eine Rückerstattung der Fahrtkosten einfach zu groß. Ein Fall aus Indien beweist nun aber, dass es nicht immer ums Geld geht - sondern viel mehr ums Prinzip.

Inder klagt gegen Bahngesellschaft wegen 25 Cent zu wenig Wechselgeld

Tungnath Chaturvedi kämpfte seit Ende der 1990er vor Gericht. Und zwar um 25 Cent. 1999 hatte der Inder an einem Bahnschalter zwei Tickets gekauft. Er wollte fünf Stunden von seiner Heimatstadt Mathura nach Moradabad im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh fahren. Die Tickets kosteten ihn damals 70 Rupien. Als Tungnath Chaturvedi mit einem 100-Rupien-Schein zahlte, bekam er jedoch zu wenig Wechselgeld zurück. Anstatt der 30 Rupien händigte ihm der Bahnmitarbeiter lediglich 10 Rupien aus.

Tungnath Chaturvedi blieb auf 20 Rupien, was heute etwa 25 Cent entspricht, sitzen. Doch das wollte sich der Anwalt nicht gefallen lassen und klagte gegen die indische Eisenbahngesellschaft - 22 Jahre lang kämpfte er um sein Wechselgeld. Nun bekam er Recht.

Für manch einen scheinen 25 Cent die Mühe nicht wert. Doch Tungnath Chaturvedi ging es nie ums Geld. „Es ging immer um den Kampf für Gerechtigkeit und den Kampf gegen Korruption, also war es das wert“, sagte er der BBC. Über 22 Jahre lang nahm er an mehr als 100 Anhörungen teil. Der Fall dauerte unter anderem über zwei Jahrzehnte, weil das indische Justizsystem chronisch überlastet ist. Außerdem versuchte die indische Eisenbahngesellschaft alles, um die Klage wegen Formfehler abweisen zu lassen.

Nach 22 Jahren Rechtsstreit: Zivilgericht erklärt indische Bahngesellschaft für schuldig

Doch das hielt Tungnath Chaturvedi nicht auf. Er glaubte daran, dass „man nicht aufgeben muss, auch wenn der Kampf hart aussieht“, so der Inder gegenüber BBC. Seine Hartnäckigkeit wurde nun belohnt, ein Zivilgericht gab ihm nun recht. Die Bahngesellschaft muss ihm die 20 Rupien mit zwölf Prozent Zins zurückzahlen sowie eine Strafe von umgerechnet 180 Euro.

Selbst wenn es ums Prinzip geht - solch einen Aufwand würden deutsche Bahnreisende wohl nicht betreiben. Vor allem Pendler in der Landeshauptstadt Stuttgart müssen aufgrund des Großprojekts Stuttgart 21 in den letzten Jahren starke Nerven zeigen. Das Chaos um die Stammstrecke wird ebenfalls noch einige Jahre andauern.

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