„Irre wäre, wenn er im Kühlschrank verbliebe“

Stuttgarts Ex-OB Kuhn fordert: Gebt Astrazeneca-Impfstoff endlich für alle frei

Stuttgarts ehemaliger Bürgermeister Fritz Kuhn runzelt die Stirn.
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Fritz Kuhn, ehemaliger OB von Stuttgart, kann die Impf-Skepsis gegenüber Astrazeneca nicht verstehen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Stuttgarts ehemaliger Rathauschef Fritz Kuhn (Grüne) kann die aufgeheizte Debatte um Astrazeneca offenbar nicht verstehen. Auf Twitter macht er seinem Ärger Luft und verlangt, den Impfstoff endlich für alle zuzulassen.

Stuttgart - Für längere Zeit war es ruhig um Fritz Kuhn, Ex-Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart* (BW24* berichtete). Nun meldete sich der Grünen-Politiker auf Twitter mit einem Statement zu Wort. In der Debatte um den Impfstoff von Astrazeneca hat er eine klare Meinung: „Ich fordere die Bundesregierung auf, den Impfstoff von Astrazeneca einfach frei zu geben. Alle Altersgruppen. Nix Impfkommission und Ethikkommission, sondern an alle, die wollen“, plädiert Kuhn. „Irre wäre, wenn der Impfstoff im Kühlschrank verbliebe.“

Der Stuttgarter Ex-OB Fritz Kuhn nimmt damit Bezug auf die hitzige Debatte rund um den Impfstoff Astrazeneca. Dieser wirkt Studien zufolge nur zu 70 Prozent - und damit circa 20 Prozent weniger als die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Bislang ist Astrazeneca nur bedingt in der EU zugelassen.

Aktuell werden bundesweit zahlreiche Termine zur Coronaimpfung* wieder gecancelt - wegen Astrazeneca. Das schlechte Image des Impfstoffes tut sein Übriges, obwohl Experten immer wieder für seine hohe Wirksamkeit plädieren. Dass die Bereitschaft zu einer Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* abgenommen hat, ärgert Ex-OB Fritz Kuhn offenbar gewaltig. In seinem Tweet richtet er einen Appell direkt an die Bundesregierung.

Politiker werben für Astrazeneca: „Dieser Impfstoff ist absolut hochwertig“

Mit seiner Kritik steht der ehemalige Stuttgarter Rathauschef nicht alleine da: Auch der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat deutliche Worte für alle, die sich den Impfstoff aussuchen wollen* und wirbt für Astrazeneca: „Dieser Impfstoff ist absolut hochwertig, hat einen hohen Wirkungsgrad, hat eine ausgezeichnete Forschungs- und Zulassungslage“, sagte Lucha. An seiner Sinnhaftigkeit sei „überhaupt nicht“ zu zweifeln - der Impfstoff schütze vor schweren Krankheitsverläufen. Man sei froh, überhaupt Impfstoffe zu haben. „Da stellt sich nicht die Frage, welches Wunschkonzert ich habe. Ich finde, da gehört es sich jetzt, den Impfstoff zu nehmen, den es gibt.“

Auch Politiker auf Bundesebene wie Karl Lauterbach (SPD) oder Jens Spahn (CDU) plädieren für eine Immunisierung mit Astrazeneca. Sie sind überzeugt: Nur durch eine flächendeckende Impfung lässt sich die Ausbreitung des Coronavirus* weiter eindämmen. Trotz großem Zuspruch in der Politik ist die Impfbereitschaft in der Bevölkerung nicht gerade berauschend: Aus Angst vor Nebenwirkungen will sich laut einer Umfrage jeder Vierte nicht gegen Corona impfen lassen*.

Astrazeneca: Impfstoff zeigt stärkere Nebenwirkungen als erwartet - Spahn erklärt es als normale Impfreaktion

Während Politiker von der Wirksamkeit von Astrazeneca überzeugt scheinen, hat der Impfstoff offenbar mehr Nebenwirkungen als vermutet, wie auch fr.de* berichtet. So seien die Impfungen sogar in einigen Krankenhäusern in Deutschland eingestellt worden, da sich ein beträchtlicher Teil des Personals nach der Impfung mit Astrazeneca krankmelden musste. Sie hätten von „grippeartigen Beschwerden, hohem Fieber, Schüttelfrost, Schwindel und starken Muskelschmerzen“ berichtet.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) merkte in einem Fernsehinterview mit RTL jedoch an, dass solche Reaktionen für eine Impfung normal seien und „eigentlich ein gutes Zeichen“, weil sie zeigten, dass das Immunsystem arbeite. *BW24.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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