Gewaltandrohungen von Impfgegnern

Arzt will ungeimpfte Patientin nicht behandeln und wird bedroht - erhält Polizeischutz

Sachsen, Hartha: Blick in ein Sprechzimmer in der Praxis vom Hausarzt Danny Nummert-Schulze.
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Ein Arzt wollte eine ungeimpfte Patientin nicht behandeln - und wird nun von Impfgegner bedroht (Symbolbild).

Ein Arzt rät einer Impfgegnerin, sich einen anderen Hausarzt zu suchen. Nun überschütten ihn Impfgegner mit Gewaltdrohungen. Der Mediziner wirbt weiter für die Impfung und appelliert an die Vernunft.

Osnabrück (dpa/lni) - Nachdem er einer nicht impfwilligen Patientin nahegelegt hat, sich einen anderen Hausarzt zu suchen, bekommt ein Mediziner aus dem Landkreis Osnabrück Gewaltdrohungen. Die Polizei müsse ihn schützen, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Osnabrück am Mittwoch: «Wir nehmen die Bedrohung ernst, so dass wir zum Schutz des Arztes und seines Teams Maßnahmen eingeleitet haben.»

Er bekomme mehrere Nachrichten per Telefon und E-Mail im Stundentakt, sagte der Arzt der Deutschen Presse-Agentur. Es handele sich um verstörende Gewaltfantasien, die sich gegen ihn und sein Team richteten. Für seine Familie und seine Mitarbeiterinnen sei das sehr belastend. Er selber müsse das aushalten. «Ich habe nicht damit gerechnet, wie wir inzwischen in dieser Republik miteinander umgehen.»

Nach Angaben der Polizei wurden gegen die Verfasser der Gewaltnachrichten von Amts wegen Ermittlungsverfahren eingeleitet. «Wir warnen ausdrücklich davor, sich dieser Form der Hasskriminalität anzuschließen. Das ist keine Form der Meinungsfreiheit», sagte die Polizeisprecherin.

Eine seiner Patientinnen hatte sich vor wenigen Tagen an die Presse gewandt mit der Aussage, der Arzt wolle sie nicht mehr behandeln, weil sie sich wegen eines Kinderwunsches nicht impfen lassen wollte. Er könne aufgrund der Schweigepflicht zu dem Fall nichts sagen, sagte der Arzt. Ein legitimer Grund, ein Arzt-Patienten-Verhältnis zu beenden, sei aber ein gestörtes Vertrauensverhältnis.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) Niedersachsen verurteilte die Gewaltandrohungen und Verunglimpfungen. Ihr zufolge liegt inzwischen eine Beschwerde einer Patientin über den Hausarzt aus dem Landkreis Osnabrück vor. Im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht prüfe die KVN daher jetzt wie in jedem Beschwerdefall, ob ein Verstoß gegen das Vertragsarztrecht vorliege, das eine Behandlungspflicht vorsieht. «Dafür stehen uns definierte Verfahren zur Verfügung, nach denen wir vorgehen», sagte der stellvertretende KVN-Vorsitzende Jörg Berling am Mittwoch. Alle Beteiligten würden zu dem Vorfall befragt.

Die Flut von Drohungen und Schmähungen, die über den Kollegen hereingebrochen sei, stelle eine unerträgliche Vorverurteilung dar, betonte Berling, der selbst Hausarzt in Lüneburg ist. Mit seinem kompromisslosen Eintreten für die Corona-Impfung stehe der Kollege letztlich für die Ziele ein, die auch die Gesundheitspolitik weltweit verfolgt.

Der bedrohte Arzt sagte, er sei überzeugt, dass sich ein Großteil der noch unsicheren Impfskeptiker mit Argumenten zu einer Impfung überzeugen lasse. «Wir müssen gucken, dass wir von den Skeptikern die Vernünftigen kriegen.» Denen mache er das Angebot zum Dialog, spreche viele Stunden mit ihnen und gehe auch auf ihre Argumente ein: «Ich glaube, dass ich im Kern für das Richtige stehe, und deshalb muss die Stimme, die aus dieser Richtung kommt, lauter sein als das Krakeelen der Idioten.»

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