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Bäckerei-Kette in Franken geht pleite – Alice Weidel will Thema nutzen, und wird sofort korrigiert

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Die krisengebeutelte Bäckerei-Kette goldjunge muss erneut Insolvenz anmelden, 16 Filialen schließen und 190 Mitarbeitern kündigen. Welche Filialen betroffen sind und wie Alice Weidel die Meldung für ihre Zwecke nutzt.

Fürth ‒ Die Bäckereikette goldjunge mit Sitz in Langenzenn (Kreis Fürth) verkündete diese Woche einen schweren Einschnitt. Seit August läuft das vorläufige, seit 1. November das offizielle Insolvenzverfahren. Mit diesem letzten Schritt darf das Unternehmen seine Gläubiger nicht weiter belasten. Deshalb sah sich der zuständige Insolvenzverwalter zu einem drastischen Schritt gezwungen, wie Merkur.de berichtet.

16 der insgesamt 26 Bäckerei-Filialen mussten mit sofortiger Wirkung geschlossen werden, 190 Mitarbeiter erhielten ihre Kündigung. Um ihnen den Weg zu einem neuen Arbeitgeber zu erleichtern, haben Insolvenzverwalter und Geschäftsführung nach eigenen Angaben eine Jobbörse eingerichtet. Weiter werde versucht, auch für die geschlossenen Filialen neue Betreiber zu finden. Viele Kunden standen im Großraum Nürnberg am 1. November vor verschlossenen Türen. Wie aus mehreren Twitter zu entnehmen ist, hatten einige Filialen bereits Tage zuvor zugesperrt.

Bei den übrigen zehn sei das gelungen, sie könnten weiter geöffnet bleiben, die Mitarbeiter blieben weiter beschäftigt. Für Samstag (5. November) sind auf der unternehmenseigenen Webseite zwar alle Filialen als geschlossen gekennzeichnet, dieselben gehören dem Unternehmen aber auch nicht mehr. Sie haben seit 1. November neue Betreiber.

Das Überleben der zehn Filialen lässt sich wohl auch mit ihrer Lage erklären. Die Hälfte der übrigen Filialen sind Teil eines Supermarkts. Hinzu kommen zwei Filialen in Fürth, eine in Nürnberg, eine in Diespeck sowie der Stammsitz am Marktplatz in Langenzenn, die ebenfalls weitermachen sollen.

Diese zehn Bäckerei-Filialen im Großraum Nürnberg bleiben offen

Alice-Weidel-Tweet wird von Twitter-Gemeinde sofort korrigiert

Ein bisschen überregionale Aufmerksamkeit erhielt das fränkische Drama ausgerechnet durch einen Tweet der rechtspopulistischen AfD-Politikerin Alice Weidel. Sie twitterte einen Link von nordbayern.de mit dem Satz „Auch die Bäckereikette goldjunge aus Franken muss aufgrund der von der Ampel verursachten Preissteigerungen ihren Betrieb aufgeben.“ Versehen ist der Tweet außerdem mit dem Hashtag „Deindustrialisierung“.

Alice Weidel nutzt die Pleite der fränkischen Bäckerei goldjunge für ihre eigenen Zwecke, unterschlägt dabei aber ein wichtiges Detail.
Alice Weidel nutzt die Pleite der fränkischen Bäckerei goldjunge für ihre eigenen Zwecke, unterschlägt dabei aber ein wichtiges Detail. © Imago

Weidels Aussage ist arg verkürzt und dadurch falsch. Richtig ist, dass die Bäckerei-Kette Goldjunge bereits vor der Energiekrise im Jahr 2018 ein Insolvenzverfahren durchlaufen hat. Gründe dafür waren nach Aussage des Unternehmens „Fremdfinanzierungskosten, unerwartete Instandhaltungs- und Reparaturaufwendungen sowie der heiße Sommer“. Schon damals musste goldjunge elf seiner 37 Filialen schließen, bevor die Gläubiger im Sommer 2019 dem Insolvenzplan zustimmten.

Und auch seitdem ist bei goldjunge nicht alles Gold, was glänzt. Die Mitarbeiter-Bewertungen etwa auf kununu.com, die man bekanntlich immer mit Vorsicht zu genießen sollte, sind unterdurchschnittlich für die Branche. In Fürth und Umgebung werden wohl die wenigsten von den Schließungen überrascht gewesen sein.

Und auch auf Twitter wird Weidel sofort korrigiert. Vor allem ein pikantes Detail fällt vielen Kritikern sofort auf: Der Artikel, auf den die AfD-Politikerin in ihrem Tweet verweist, beginnt mit dem Satz: „Nach 2018 meldete die Bäckereikette ,goldjunge‘ in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Pleite.“ Weidel hat die Information also entweder absichtlich unterschlagen, oder nicht mal den ersten Satz des von ihr zitierten Artikels gelesen.

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