Protestaktion in Aichtal

Angst vor der Krise: Milchbauern blockieren mit Traktoren Lager von Aldi Süd

Bauern aus Mecklenburg-Vorpommern fahren mit ihren Traktoren für eine Protestaktion für höhere Milchpreise vor die Arla Molkerei. (Symbolbild)
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Milchbauern haben ihren Unmut über die Milchpreise mit einer Protestaktion kundgetan (Symbolbild).
  • Zülal Acar
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Rund 40 Milchbauern haben mit ihren Traktoren die Zufahrt des Zentrallagers von Aldi Süd im baden-württembergischen Aichtal blockiert. Damit wollen sie auf ihre missliche Lage aufmerksam machen.

Aichtal - Aktuell treibt die Corona-Pandemie (*BW24 berichtete) zahlreiche Kleinunternehmer und Arbeitnehmer an den Rand des Ruins. Auch wenn das volle Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Krise derzeit noch nicht ganz absehbar ist, zeigt sich schon jetzt, welche fatalen Folgen für die Wirtschaft entstehen*. Viele Landwirte sehen sich dabei auf der Verliererseite, ihre Abnehmer fallen zum Teil durch das geschlossene Gastgewerbe weg.

Doch das ist nicht das einzige Problem: Der Milchpreis liegt derzeit bei knapp über 30 Cent pro Liter. Für die Landwirte ist das zu wenig zum Überleben, wie sie sagen. Um die 40 Milchbauern haben sich deshalb am Montagabend vor den Toren des Aldi Süd Zentrallagers in Aichtal (Esslingen) versammelt und die Zufahrt mit ihren Traktoren blockiert, wie die „Esslinger Zeitung berichtete.

Milchbauern: Zweiter Lockdown könnte Situation verschärfen

Mit ihrer Protestaktion wollten die Landwirte auf die zu niedrigen Milchpreise der Discounter, vor allem von Aldi Süd, aufmerksam machen. Die Milchbauern fordern zehn Cent mehr pro Liter, denn sie sehen ihre Existenz gefährdet. Der Milchüberschuss schadet den Bauern. Durch das Wegfallen von Absatzmärkten sinkt der Milchpreis weiter. Bereits im Frühjahr 2020 hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vor einer Krise der Milchbauern gewarnt. Der zweite Lockdown könnte die Situation der Milchbauern verschlechtern, denn die Gastronomie ist wesentlich von den Corona-Maßnahmen betroffen*.

Zu der Demonstration in Aichtal war es gegen 21 Uhr offenbar spontan gekommen, als Milchbauern aus dem Raum Böblingen, Reutlingen, Esslingen und Göppingen vor Ort mit ihren Traktoren eintrafen. Laut Polizei verhinderte die Demonstration der Landwirte, dass LKW das Zentrallager von Aldi Süd verlassen oder auf das Gelände fahren.

Milchbauern: Kein Verstoß gegen Corona-Auflagen

Ähnliche Aktionen, bei denen Milchbauern die Zufahrt von Discountern mit ihren Traktoren blockierten*, gab es zuletzt in weiteren Regionen im Land. Bis zwei Uhr besetzten die Milchbauern die Zufahrt des Aldi Süd-Zentrallagers in Aichtal. „Uns ist nicht bekannt, dass die Landwirte gegen die Corona-Verordnung verstoßen haben“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen im Gespräch mit dieser Redaktion. Denn das Besuchen einer Versammlung beziehungsweise Demonstration ist, nach Artikel 8 des Grundgesetzes, nicht von den Ausgangsbeschränkungen von 20 bis 5 Uhr betroffen. *BW24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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