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Angeblicher Affenpocken-Fall in Madrider U-Bahn: Beschuldigter erklärt Hintergründe – „Habe keine Affenpocken“

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Von: Lukas Einkammerer

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Ein angeblicher spanischer Arzt entdeckt in der U-Bahn einen vermutlichen Affenpocken-Patienten. Doch der meldet sich nun und verteidigt sich. Er leide unter einer anderen Krankheit.

Update vom 3. August, 12.10 Uhr: Ein Twitter-Post eines angeblichen Arztes aus Madrid sorgte für Aufsehen in den sozialen Medien, wie Merkur.de in einer Erstmeldung berichtete. Der Mann, der laut eigenen Angaben Arzt ist, postete einen Bild von einem Mann mit Pusteln an den Beinen, der in der U-Bahn stand. Der vermeintliche Arzt schloss auf Affenpocken und sprach ihn, wie er auf Twitter schrieb, darauf an. Der originale Post ist nicht mehr zu sehen und das Profil des Mannes auf privat gestellt.

Nachdem das Bild viral gegangen war und von zahlreichen Medien darüber berichtet wurde, wurde der Mann, der auf dem Foto abgelichtet ist, darauf aufmerksam. Wie er gegenüber der spanischen Nachrichten-Seite 20Minutos berichtete, sei an den Vorwürfen des Arztes nichts dran. Auf einem Foto, das er 20Minutos zur Verfügung stellte, ist sein Bein mit den Pusteln zu erkennen. Dazu erkennt man, dass es sich um dasselbe Tattoo und dieselben Schuhe wie auf dem Foto aus der U-Bahn handelt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass es derselbe Mann ist.

Die Geschichte des Arztes sei eine Lüge und das Gespräch habe nie stattgefunden, sagt er gegenüber der Zeitung: „Ich habe keine Affenpocken und habe zu keinem Zeitpunkt mit ihm gesprochen“ Er habe die Krankheit Neurofibromatose. Er leide von Geburt an daran. Das Uniklinikum Dresden schreibt zu Neurofibromatose: „Besondere klinische Kennzeichen sind das Auftreten von gutartigen und bösartigen Tumoren, v.a. der Haut und des Nervensystems, aber auch der Brust. Namensgebend sind gutartige, oft als Hautknoten sichtbare Tumore, die sogenannten Neurofibrome, die von den Umhüllungen peripherer Nerven ausgehen und für diese Krankheitsgruppe besonders charakteristisch sind.“ Die Krankheit kann äußerliche also durchaus mit Affenpocken verwechselt werden.

Gegenüber 20minutes bestätigte der Mann, dass wegen seines auffälligen Hautbildes viele Leute in der U-Bahn auf ihn zukommen würden, um ihn nach seinem Gesundheitszustand zu fragen. Er erkläre ihnen dann seine Diagnose und dass er nicht ansteckend ist: „Aus diesem Grund kann ich sagen, dass ich nie mit diesem angeblichen Arzt gesprochen habe“.

Arzt entdeckt offenbar Affenpocken-Patient in der U-Bahn in Madrid

Erstmeldung vom 2. August 2022:

Madrid – Auch nach mehr als zwei Jahren ist das Ende der Corona-Pandemie immer noch nicht in Sicht und die Sommermonate dürften nach wie vor im Zeichen des Virus stehen. Damit ist aber noch nicht genug. Denn zeitgleich breiten sich weltweit zudem die Affenpocken aus. Immer öfter lesen sich in den sozialen Medien Berichte von Erkrankten, die vor dunklen Pusteln und anderen unschönen Symptomen warnen. Hierzulande meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) zuletzt die ersten Fälle bei Jugendlichen.

Anders als das Coronavirus, dessen Symptome oftmals einer Erkältung oder Grippe sehr ähnlichsehen, lassen sich die dunklen, pickelartigen Male jedoch unverkennbar einer Affenpocken-Erkrankung zuordnen. Umso überraschender deshalb, wenn man plötzlich einer Person begegnet, die sich trotz solcher Läsionen frei draußen bewegt. Genau dies ist kürzlich einem spanischen Arzt passiert, wie dieser verwundert in den sozialen Medien erzählt.

Spanischer Arzt sieht Affenpocken-Patient in U-Bahn: Kranker bewegt sich trotz Pusteln frei in der Öffentlichkeit

Auf der Kurznachrichtenplattform Twitter berichtet der Mediziner Arturo M. Henriques von einer überraschenden Begegnung in der U-Bahn in Madrid. Zwar ist der ursprüngliche Post inzwischen wieder gelöscht worden, jedoch wird die bizarre Geschichte von anderen Accounts mittels Screenshots festgehalten.

Am 15. Juli steigt offenbar ein Mann in die U-Bahn ein, in der Henriques zu dem Zeitpunkt unterwegs ist. Auf den ersten Blick wirkt er nur wie ein weiterer Fahrgast, der sich auf den Feierabend freut - auf den zweiten Blick fällt ein Detail jedoch sofort auf. Denn der Reisende, der am Stopp Legazpi im Südosten Madrids den Wagen betritt, sei laut Henriques am ganzen Körper von den auffälligen Pusteln bedeckt gewesen, die bei einer Affenpocken-Erkrankung auftreten – was ein beigefügtes Bild bestätigt. Darauf sind die Beine der anderen U-Bahn-Passagiere zu sehen – und es ist klar erkenntlich, dass die Schenkel des unidentifizierten Mannes von etlichen dunklen Hautmalen überzogen sind. Ein grotesker Anblick – vor allem in Anbetracht der rapiden Ausbreitung der Krankheit.

Spanischer Arzt sieht Affenpocken-Patient in U-Bahn: Mitreisende fürchten sich nicht vor Ansteckung – und liefern bizarre Begründung

Arturo Henriques berichtet weiter, er habe den Mann auf die Läsionen angesprochen und die Bestätigung erhalten, dass er trotz Impfung tatsächlich an Affenpocken erkrankt sei – sich laut seines Arztes aber nicht in Isolation begeben, sondern stattdessen nur eine Maske tragen müsste. Ein merkwürdiger medizinischer Ratschlag, der wenig Sinn macht. Denn wie Henriques informiert, seien die Pickel das Affenpocken-Symptom, das am ansteckendsten ist.

Kurz darauf nimmt die Geschichte eine bizarre Wendung. Denn Henriques habe nach seinem erfolglosen Gespräch mit dem Affenpocken-Patienten eine Mitreisende gefragt, ob sie sich keine Sorgen über die Ansteckung mache. Schließlich trennen den Infizierten und die anderen Fahrgäste nur wenige Zentimeter. Ihre Antwort dürfte verblüffen: Denn die Frau sei der Überzeugung gewesen, dass sich nur eine homosexuelle Person infizieren könne. Diese Information sei von der Regierung verbreitet worden – und scheint leider von einigen Bürgern und Bürgerinnen durchaus als glaubwürdig aufgefasst werden.

„Wenn ich jetzt U-Bahn fahre, versuche ich, nichts anzufassen und mich nicht hinzusetzen“, schreibt Arturo Henriques. Kein gar so schlechter Ratschlag – vor allem, wenn die U-Bahn-Wägen nach Feierabend wieder aus allen Nähten platzen. (le)

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