Weitergabe von Daten

Fragwürdiger Umgang mit Mitgliedern: Skandal um VfB Stuttgart weitet sich aus

  • Valentin Betz
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Der VfB Stuttgart sieht sich mit ernsten Vorwürfen konfrontiert. Der Verein soll 2017 Daten seiner Mitglieder an Dritte weitergegeben haben. Ein Verfahren soll Klarheit schaffen.

Stuttgart - Sportlich läuft es für den VfB Stuttgart momentan gut. Im DFB-Pokal ist der VfB Stuttgart weiter, Pellegrino Matarazzo war allerdings nicht ganz zufrieden (BW24* berichtete). Auch in der Liga ist der Verein inzwischen angekommen. Nach einer Auftaktniederlage gegen Freiburg konnte der VfB vergangenes Wochenende einen 4:1 Sieg gegen den FSV Mainz feiern.

Neben dem Platz läuft es allerdings nicht ganz so rund für den schwäbischen Traditionsverein. Szenen vom VfB-Pokalspiel sorgten für Empörung*, weil die Zuschauer auf den Rängen sich praktisch nicht an die Corona-Maßnahmen hielten. Weil das Spiel in Rostock stattfand, durften zwar nur Fans der Heimmannschaft und keine Unterstützer des VfB Stuttgart ins Stadion. Trotzdem stand danach auch der VfB nicht gut da. Während das erste Bundesliga-Spiel in der Mercedes-Benz Arena vorbildlich ablief und Kritiker wieder verstummten, sorgt jetzt ein Ereignis aus der Vergangenheit für Unmut. Vor der Mitgliederversammlung 2017 sollen unerlaubt Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben worden sein.

Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart: Verein beauftragte im Vorfeld PR-Agentur

Wie der Kicker berichtet, sollen Mitarbeiter des VfB Stuttgart vor der Mitgliederversammlung 2017 mehrfach Daten von Mitgliedern an Dritte weitergegeben haben. Ausgangspunkt für die Weitergabe ist eine Kooperation mit der PR-Agentur eines VfB-Fans. Laut Kicker sollte die Agentur unter anderem „die Konzeption und Aussteuerung von PR-Texten über soziale Medien, einschließlich der Erarbeitung von Zielgruppenvorschlägen“ übernehmen.

Thomas Hitzlsperger sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Der VfB Stuttgart soll unerlaubt Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben haben.

Doch dem VfB-Fan gehörte nicht nur die Agentur, sondern eine aussichtsreiche Facebook-Seite namens „Fokus VfB“. Diese wollte der VfB Stuttgart offenbar dazu nutzen, im Vorfeld der Mitgliederversammlung für die Ausgliederung zu werben. „Kurz vor der Mitgliederversammlung wird ‚Fokus VfB‘ eine Wahlempfehlung für die Ausgliederung aussprechen und zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung aufrufen“, heißt es offenbar in einer dem Kicker vorliegenden Präsentation. Ob und inwiefern die Beteiligung von „Fokus VfB“ die Wahl beeinflusst hat, ist unklar. Fest steht, dass auf der Mitgliederversammlung 2017 die Ausgliederung mit 84,2 Prozent der Stimmen beschlossen wurde.

VfB Stuttgart soll sensible Daten von Mitgliedern an PR-Agentur weitergegeben haben

Wie der Kicker berichtet, wurde die Facebook-Seite „Fokus VfB“ zum damaligen Zeitpunkt als unabhängige Plattform wahrgenommen und sollte damit subtil die Sichtweise des VfB Stuttgart transportieren. Sollten diese Vorwürfe stimmen, wäre das allein schon verwerflich genug. Doch für die Entscheidung pro Ausgliederung ging der VfB Stuttgart offenbar noch weiter.

Nach Angaben des Kicker sollen per Mail unter anderem Telefonnummern, Mailadressen und Infos zur Teilnahme an vergangenen Mitgliederversammlungen an die PR-Agentur weitergeschickt worden sein. Der VfB Stuttgart bestreitet dies nicht, sieht diesen Schritt aber durch einen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag im legalen Bereich. „Aus meiner Sicht gibt es erhebliche Zweifel an der Rechtsgrundlage für die Übermittlung dieser Daten“, sagt der IT- und Datenschutzexperte Stephan Schmidt hingegen dem Kicker.

Der Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit des Landes Baden-Württemberg, Thomas Brink, will laut Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung ein so genanntes Auskunftsverfahren gegen den VfB Stuttgart einleiten. Mit zwei- bis vierwöchiger Frist würden die Verantwortlichen des Clubs darin aufgefordert, sich zu den Vorwürfen zu erklären. „Wir wollen uns erklären lassen, in welchem Kontext und mit welcher Motivation Daten in solch großer Menge weitergegeben wurden. Grundsätzlich gilt, dass Mitgliederdaten sehr sensibel sind“, sagte Thomas Brink gegenüber StN und StZ.

VfB-Chef Thomas Hitzlsperger hatte zuvor via Twitter verkündet, dass man das Thema „sehr ernst“ nehme. „Inhaltlich werden wir Stellung beziehen, sobald uns entsprechende Informationen zur Verfügung stehen“, schrieb der 38 Jahre alte Vorstandschef des VfB Stuttgart: „Bis dahin bitte ich um Verständnis und einen fairen Umgang.“ (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Tom Weller/dpa

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