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Ex-VfB-Spieler Timo Baumgartl: „Was ist, wenn man nicht mehr da ist?“

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Von: Niklas Noack

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Timo Baumgartl vom 1. FC Union Berlin kehrt auf den Trainingsplatz zurück.
Timo Baumgartl kehrt nach seiner Krebserkrankung zurück. © Matthias Koch/IMAGO

Timo Baumgartl litt an Krebs. Seit Kurzem ist der ehemalige Profi des VfB Stuttgart zurück auf dem Fußballplatz.

Berlin/Stuttgart - Fußballprofis leben ein Luxusleben. Der eine mehr, der andere weniger. Timo Baumgartl gehört zu Letzterem. Der ehemalige Kicker des VfB Stuttgart gilt als bodenständig und bescheiden. Mit seiner Freundin Julia und Labrador Jimmy liebt er es, Zeit zu verbringen.

Aus diesem Leben ist der 26-Jährige, der aktuell vom PSV Eindhoven zum 1. FC Union Berlin ausgeliehen ist, im Frühjahr 2022 gerissen worden. Ein Arztbesuch veränderte von einem auf den anderen Tag alles. Man habe etwas entdeckt, was genauer ins Auge gefasst werden müsse, hieß es zunächst. Baumgartls spätere Diagnose: Hodenkrebs.

Ex-VfB-Profi Timo Baumgartl lernt mit dem Hodenkrebs umzugehen

Baumgartl schossen unweigerlich „düstere Gedanken“ durch den Kopf, wie er im Gespräch mit dem SWR erzählte: „Was ist, wenn man nicht mehr da ist?“ Der Wunsch nach Kindern wäre dahin und man ließe Freundin, Familie und Hund zurück, mit denen „man ja im Leben viel erleben möchte.“

Doch Baumgartl lernt, mit der Situation umzugehen. „Es gab Tage, an denen wir mehrere Stunden zusammen geweint haben. Und dann gab es Tage, an denen wir gesagt haben, komm, wir lassen uns jetzt davon nicht beeinflussen.“

Der Weg zurück ins Leben ist steinig. Aber der gebürtige Böblinger hält sich am Traum von einer gemeinsamen Zukunft mit seiner Familie fest. Und am Fußball: „Wenn man im Krankenhaus liegt und die Chemo reinläuft, stellt man sich vor, wie es ist, Bundesliga zu spielen und sich einfach freut, dem nachzugehen, was man liebt.“

„Ich bin unglaublich dankbar. Union bin ich dankbar, aber auch PSV, weil sie etwas gezeigt haben, was im Fußball selten vorkommt. Diese Menschlichkeit, dass man da einfach sagt, hier geht es nicht um den Verein, hier geht es einzig und allein um den Spieler.

Timo Baumgartl, Spieler beim 1. FC Union Berlin

Timo Baumgartl ist auf den Trainingsplatz von Union Berlin zurückgekehrt

Seit Anfang August ist Baumgartl zurück auf dem Trainingsplatz von Union Berlin, die ihn - ohne zu zögern - um ein weiteres Jahr ausgeliehen haben. Den Rückhalt weiß der Ex-VfBler zu schätzen: „Ich bin unglaublich dankbar. Union bin ich dankbar, aber auch PSV, weil sie etwas gezeigt haben, was im Fußball selten vorkommt. Diese Menschlichkeit, dass man da einfach sagt, hier geht es nicht um den Verein, hier geht es einzig und allein um den Spieler.“

Wovon Baumgartl träumt? Mit seiner Freundin Julia in der Region Stuttgart zu leben. In einem „schönen Haus“ mit „schönem Garten“, „dann bin ich glücklich.“ Dabei darf natürlich Hund Jimmy nicht fehlen. „Der Hund freut sich immer, dass du da bist, und dass du wiederkommst“, so Baumgartl. Dass der 26-Jährige weiterhin nach Hause kommen kann, ist alles andere als selbstverständlich.

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