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VfB Stuttgart: Ist Sven Mislintat für den Machterhalt kompromissbereit?

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Von: Niklas Noack

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VfB-Sportdirektor Sven Mislintat tigert auf dem Trainingsplatz hin und her.
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat tigert auf dem Trainingsplatz hin und her. © Pressefoto Rudel/Robin Rudel/IMAGO

Sportdirektor Sven Mislintat denkt darüber nach, den Posten des Sportvorstands anzustreben. Damit zieht er die Konsequenzen aus den Irritationen mit Vorstandschef Alexander Wehrle.

Stuttgart - Beim VfB Stuttgart herrschte in der vergangenen Woche mal wieder mächtig Wirbel. Ausgelöst vom Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle, der ohne Sportdirektor Sven Mislintat einzubeziehen mit Philipp Lahm, Sami Khedira und Christian Gentner drei ehemalige VfB-Profis an Land zog, um die Sportkompetenz auf Funktionärsebene zu erweitern.

Der Vorstandsboss stellte die namhaften Ex-VfBler pompös auf einer Pressekonferenz vor. Statt Lob kassierte Wehrle allerdings mächtig Gegenwind und musste im Anschluss Schadensbegrenzung betreiben.

VfB Stuttgart: Alexander Wehrle nach Fehler auf Wiedergutmachungstour

So veröffentliche der VfB eine Pressemitteilung, in der Wehrle den Fehler einräumte, Mislintat nicht eingeweiht zu haben, bevor sich der Vorstandsvorsitzende am Samstag (17. September) im Vorfeld der Pleite gegen Eintracht Frankfurt bei Sky erneut erklärte. Zum Abschluss seiner Wiedergutmachungstour trat er am Sonntag (18. September) bei „Sport im Dritten“ im SWR-Fernsehen auf. Wirkliche Antworten, weshalb er den Sportdirektor in seine Pläne nicht einbezog, lieferte Wehrle aber nicht.

Und Mislintat? Der machte mehrfach deutlich, dass sich seine Kritik nur auf den Prozess der Verpflichtungen von Lahm, Khedira und Gentner bezog, nicht auf deren Kompetenz. Denn er sei durchaus überzeugt davon, dass die Expertise der drei dem VfB weiterhelfen werde. Mit Khedira hat sich der Sportdirektor bereits über zwei Stunden ausgetauscht. Ein ausführliches Gespräch, das mit Gentner ebenfalls ansteht. Doch der kickt noch beim FC Luzern und hat einen vollen Terminkalender. Lahm will derweil vor allem mit Wehrle kommunizieren, wie dieser laut Mislintat klargestellt habe.

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat wird nicht um jeden Preis seinen Vertrag verlängern

Der Sportdirektor scheint sich jedenfalls mit der Situation zu arrangieren und erweckt den Eindruck, über den kommenden Sommer hinaus beim VfB bleiben zu wollen. Schließlich fühle er sich in Stuttgart wohl, ist 2019 mit seiner Familie aus Westfalen in die schwäbische Landeshauptstadt gezogen. Um jeden Preis wird Mislintat seinen Vertrag trotzdem nicht verlängern. Er brauche „eine gewisse Art an Freiheit“, wie BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl in der Fußballtalkshow Doppelpass aus der Ferne beurteilte.

Die wird Mislintat auch einfordern. Ob Wehrle ihm die nötige Freiheit aber gewährt, ist nach den vergangenen Wochen fraglich. Immerhin schob der Vorstandsvorsitzende die Vertragsgespräche immer weiter auf. Nach den Unruhen hat er sich gemeinsam mit Mislintat darauf geeinigt, erst ab Mitte November über die künftige Zusammenarbeit zu reden.

Eine Taktik Mislintats könnte dann sein, den Posten des Sportvorstands anzustreben. „Das kann für mich eine Lösung sein“, sagte er am Samstag (17. September). Aktuell füllt Wehrle diese Aufgabe in Personalunion aus. Zuvor hatte Thomas Hitzlsperger das Amt inne, der Mislintat beinahe blind vertraute und ihm vertraglich das letzte Wort bei Transfers zusicherte. Wehrle tickt da anders und will die Arbeit des Sportdirektors offenbar mehr kontrollieren, was sich in einem dementsprechend angepassten Sportdirektorenvertrag zeigen könnte.

Bisher war Mislintat nicht besonders heiß auf ein Amt im Vorstand, da es mehr Zeit im Büro bedeuten würde, er aber gerne nah an der Mannschaft dran ist. Komplett verzichten wird er darauf sicherlich nicht, scheint aber für einen gewissen Machterhalt für Kompromisse bereit zu sein.

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