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Wie sich beim VfB Stuttgart die Machtstruktur verschoben hat

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Von: Niklas Noack

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VfB-Sportdirektor Sven Mislintat tigert auf dem Trainingsplatz hin und her.
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat tigert auf dem Trainingsplatz hin und her. © Pressefoto Rudel/Robin Rudel/IMAGO

Nach der Entlassung von Pellegrino Matarazzo als Cheftrainer steht auch Sportdirektor Sven Mislintat unter Druck. Im Hintergrund kristallisiert sich derweil heraus, dass sich die Machtstruktur beim VfB Stuttgart verschoben habt.

Stuttgart - Es war ein Schritt, der Sven Mislintat „extrem leid“ tat. Er „liebt den Rino“, sagte der Sportdirektor noch am Sonntagabend nach der Pleite gegen Union Berlin, bevor er am Tag darauf Pellegrino Matarazzo als Cheftrainer des VfB Stuttgart freistellte.

Mit dieser Entscheidung hat der Sportdirektor den von ihm eingeschlagenen Weg der Kontinuität vorerst verlassen, den er in der Vergangenheit immer wieder lautstark propagiert hatte, um bloß keine Zweifel daran aufkommen zu lassen. Damit ging er sogar so weit, dass er Matarazzo zwischenzeitlich eine Jobgarantie aussprach und somit seine eigene Zukunft eng an die des Trainers knüpfte.

VfB Stuttgart: Sven Mislintat hat keine Narrenfreiheit mehr

Am Tag vor der Entlassung gab sich Mislintat, dessen eigener Vertrag im kommenden Jahr ausläuft, dagegen zurückhaltend. Wie es mit ihm persönlich weitergehe, werde er nicht an einem Verbleib Matarazzos festmachen, machte er zunächst im Gespräch mit dem SWR deutlich. Auf BW24-Nachfrage sagte Mislintat außerdem, dass er dem nun entlassenen Coach keine Jobgarantie mehr ausstellen wolle - im Gegensatz zu den vergangenen Spielzeiten.

Interessant war dabei vor allem die Begründung, die er lieferte. Demnach sei es „ja nicht nur meine Entscheidung, da gehören ja mehrere Köpfe dazu“, rechtfertigte sich Mislintat. Eine Aussage, die verdeutlichte, dass sich in den vergangenen Wochen die Machtstruktur beim VfB verschoben hat.

Der Sportdirektor genießt inzwischen nämlich nicht mehr die Narrenfreiheit wie unter dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger. Vielmehr hat man den Eindruck, dass der neue Boss, Alexander Wehrle, Mislintat genauestens auf die Finger schauen will.

Sami Khedira ist als Berater beim VfB Stuttgart präsent

Dafür spricht auch die Verpflichtung der Berater Philipp Lahm und Sami Khedira, die Wehrle in Sachen sportlicher Kompetenz unterstützen sollen. Vor allem Khediras Wirken ist längst spürbar, denn der Stuttgarter Meisterspieler von 2007 ist regelmäßig auf dem VfB-Klubgelände zu sehen und war bei den Gesprächen rund um die Entlassung Matarazzos dabei.

Wehrles Umstrukturierung hat also erste Folgen. Dies zeigt ebenso die aktuelle Trainersuche, bei der Mislintat laut Bild zwar federführend ist, die anderen aber ein Wörtchen mitzureden haben. Es ist die erste Zerreißprobe, die am Ende Aufschluss darüber geben wird, inwiefern eine enge Zusammenarbeitet zwischen Mislintat, Wehrle und dessen Beratern über 2023 hinaus eine Zukunft haben könnte.

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