Anzahl der Zuschauer im Stadion

„Reine Willkür“: Nur VfB Stuttgart darf vor mehr als 500 Zuschauern spielen - Kickers-Fans wutentbrannt

Gegenüberstellung: Links das Logo der Stuttgarter Kickers, rechts: VfB-Spieler in der Mercedes-Benz Arena. Auf den Rängen sind einige Zuschauer zus ehen.
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Die Stuttgarter Kickers dürfen im Gazi-Stadion weiterhin höchstens 500 Zuschauer empfangen - beim VfB Stuttgart sieht das anders aus.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Beim VfB Stuttgart dürfen wieder mehr als 500 Zuschauer ins Stadion. Die Stuttgarter Kickers bekamen dafür keine Genehmigung - Fans des Vereins vermuten eine Benachteiligung.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat gravierende Auswirkungen auf die Menschen sowie die Wirtschaft im Land. Das betrifft insbesondere auch Sportvereine, die mit finanziellen Folgen von zum Teil gravierendem Ausmaß zu kämpfen haben. Der VfB Stuttgart musste beispielsweise zwischen März und Mai eine anderthalbmonatige Spielpause einlegen - bei dem Fußballverein aus Bad Cannstatt herrschte wegen Covid-19 Ausnahmezustand.

Die verbliebenen neun Partien durfte die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo anschließend nur in Form von Geisterspielen austragen - soll heißen: die Einnahmen aus dem Ticketverkauf blieben für den VfB Stuttgart aus. Unter Auflagen ist der Sportbetrieb seit einiger Zeit nun zwar wieder möglich, doch gerade kleine Vereine gehen als große Verlierer aus der Krise hervor.

VfB Stuttgart: Fans der Stuttgarter Kickers vermuten Bevorteilung bei Zuschauerfrage im Stadion

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‼ Die Stuttgarter Kickers erhielten jetzt vom Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart die Rückmeldung, dass auf der Grundlage der 20 Prozent-Regelung, die für Vereine der Ersten bis zur Dritten Liga Gültigkeit hat, keine Erhöhung der Zuschauerkapazität bei den Heimspielen der Stuttgarter Kickers möglich ist. Damit bleibt es weiterhin bei der Regelung, dass maximal 500 Zuschauer im GAZi-Stadion auf der Waldau zugelassen sind. Kickers-Präsident Prof. Dr. Rainer Lorz: 💬 „Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir für unsere Fans gekämpft haben. Aber wir können uns auch in schwierigen Zeiten diesen Regeln nicht widersetzen. Und es ist für uns natürlich selbstverständlich, dass die Gesundheit unserer Zuschauer das Allerwichtigste ist.“ 💙⚪ . . #stuttgarterkickers #svk #kickers #svk1899 #fussball #aufdieblaue #blauetradition @olbw_insta

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Anders als viele finanzstarke Bundesliga-Clubs, wie etwa der VfB Stuttgart, der im Juli trotz starker Kritik dennoch eine staatliche Millionen-Hilfe beantragt hatte (echo24 berichtete*), haben vor allem viele Vereine ab Liga 4 kaum Rücklagen, die ausbleibende Einnahmen aus dem Ticketverkauf auffangen könnten. So etwa beim Oberligisten Stuttgarter Kickers, bei dem man bereits Ende März von „existentiellen Nöten“ aufgrund einer Liquiditätslücke sprach.

Mitte September gab es dann jedoch Hoffnung, denn: Durch eine bundesweite Regelung wurde eine sechswöchige Testphase festgelegt, in der Veranstaltungen des Profisports wieder unter Teilnahme einer größeren Fan-Anzahl in den Stadien stattfinden können. Im Klartext: Vereine wie der VfB Stuttgart dürfen bis zu 20 Prozent der Sportstätten-Kapazität nutzen, mindestens aber 1.000 Zuschauer bei einer Kapazität von 5.000 hineinlassen. Geknüpft ist dies jedoch an die Bedingung, dass die Hygiene-Auflagen zum Schutz vor dem Coronavirus des jeweiligen Bundeslands erfüllt werden.

Das Land Baden-Württemberg passte aufgrund dessen seine Corona-Verordnung Sport an, die seit 18. September gilt - pünktlich zum Start der neuen Bundesliga-Saison. Die Südwest-Clubs konnten ihre Heimspiele dementsprechend bereits vor zwei Wochen wieder vor einer größeren Zuschauerzahl austragen - unter Einhaltung der Auflagen. Das erste Spiel des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg fand beispielsweise vor knapp 8.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena statt.

Bei den Fans der Stuttgarter Kickers hingegen herrscht Unverständnis: Auch der Verein von der Waldau hatte der Stadt ein Hygiene- und Sicherheitskonzept vorgelegt, um vor mehr Zuschauern spielen zu dürfen. Das Gazi-Stadion hat ein Fassungsvermögen von etwa 11.400 Personen - bei 20-prozentiger Auslastung hätte es also Platz für etwa 2.200 Zuschauer. Die Stadt Stuttgart lehnte den Antrag - anders als beim VfB Stuttgart - jedoch ab, weshalb es bei Heimspielen vorerst weiterhin eine Obergrenze von 500 Personen gibt.

Fans der Stuttgarter Kickers: VfB Stuttgart soll von der Stadt bei Zuschauerfrage bevorteilt werden

Der Grund: Um 20 Prozent des Gazi-Stadions auslasten zu können, hätten die Stehblöcke bei entsprechender Abstandswahrung öffnen müssen. Baden-Württemberg ist jedoch das einzige Bundesland, wo das nicht erlaubt ist und nur Tickets für Sitzplätze mit mehr als 1,50 Metern Abstand verkauft werden dürfen. Beim VfB Stuttgart werden zum Beispiel nur Sitzplatztickets verkauft. Für viele Anhänger der Stuttgarter Kickers dennoch nicht nachvollziehbar: „Reine Willkür... Was anderes fällt mir hierzu nicht ein. Und ich habe bislang quasi alle Maßnahmen verstanden und akzeptiert“, kommentiert etwa ein Fan auf Facebook.

Auch wird kritisiert, dass gerade finanzschwächere Clubs auf die Zuschauereinnahmen angewiesen sind: „Vereine brauchen Fans und Einnahmen nach tiefen Durststrecken. Sind 2.000 wirklich viel verlangt auf fast 12.000 Plätzen unter freien Himmel?“. Ein anderer: „Da sieht man mal wie der Amateur-Fußball unterstützt wird vom Staat“. Zudem fragen sich einige, ob Covid-19 einen Unterschied zwischen den Ligen mache, da die 20-Prozent-Regel nur für die Profisportveranstaltungen wie beim VfB Stuttgart gilt: „Ist der Virus erst ab Regionalliga aktiv?“

Wenn es generell überall nur die 500 wären, hätte ich keinen Schmerz. Dann ist es eben so. Aber wenn man in Cannstatt 20 Prozent voll machen darf, dann sollte das auch für kleine Stadien gelten. Erst recht weil hier der Eintrittspreis noch wirklich den Verein zu gute kommt und nicht nur netter Beigeschmack ist.

Fan-Kommentar auf Instagram

Einige Fans der Stuttgarter Kickers vermuten gar eine Bevorteilung des großen Stadtrivalen VfB Stuttgart. „Warum wundert mich das nicht? In unserer Stadt hat nur ein Verein eine Lobby!“, meint ein Facebook-Kommentator zynisch. „Über dem Neckar kann man für Millionen ein Stadion umbauen, für das Gazi-Stadion hat man nicht mal Almosen übrig!“, beschwert sich ein weiterer. Ein anderer vermutet gar, dass die Begeisterung von Winfried Kretschmann für den VfB Stuttgart etwas mit der Benachteiligung zu tun haben könnte: „Reine Willkür, wäre Ministerpräsident Kretschmann Kickers Fan, dann wäre die 20 Prozent Regelung sicher machbar [...] - zumindest eine Annäherung zwischen 20 Prozent und 500 Zuschauern“. *echo24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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